Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-05-16 · Heft 20 (16.5.1877) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 20 (16.5.1877)
Date
1877-05-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447716--13709-2469588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

460 diese Steine verschwunden waren, wurde im 15. Jahrhundert ein rundes Grabmal mit drei Thürmen, am Ende des 16. Jahrhunderts eine von vier Säulen getragene Kuppel, im 17. Jahrhundert «ine bogengewölbte Halle, am Ende desselben Jahrhunderts eine Moschee und auch später immer wieder, wenn das Bauwerk zerstört war, ein neues errichtet. Die Bekenner dreier Weltreligionen verrichteten und verrichten noch heute ihre Andacht an di^LMMrabe; eine besondere Pietät trieb die MohamWMer von Bethlehem an, sich hier in der Nähe des Denkmals begraben zu lassen. Im Jahre 1841 ließ Sir Moses Montefiore eine Kuppel und eine Vorhalle errichten, die dem Grabmale ein schönes Aussehen geben. Seine selige Gattin, Lady Judith, zündete über dem iLarkophage eine ewige Lampe an, die noch gegenwärtig jeden Monat erneuert wird. Der fromme und edle Wohlthäter begnügte sich hiermit nicht und that weitere Schritte zur völligen Erwerbung des Grabmals. Seine Munificenz hatte auch den überraschend günstigen Erfolg, daß die Mohammedaner, welche mit fanatischer Eifersucht jedem Nichtmoslem ihre Heiligthümer zu betreten verbieten, dieses Grabmal, das sogar mit einer Moschee überbaut gewesen, den Nachkommen Rachels gegen eine jährliche Geldzahlung überließen, in Folge dessen die Juden den Schlüssel zu demselben noch heute in Händen haben. Die Israeliten pilgern sehr häufig dahin, zünden die mitgebrachten Lampen an und beten inbrünstig am Grabe der Mutter Rachel, die um das Geschick ihrer Kinder untröstlich ist, wie der Prophet Jeremia ausruft: „Also spricht der Ewige: Eine Stimme der Klage wird auf der Höhe gehört , bitterlich Weinen, Rachel weint um ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen. (Fortsetzung fUgt.) Zeitungsnachrichten Sf Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, H. Mai. Verschiedene Zeitungen „Hamagid", „Jbri Anochi," rc. berichten, daß der Oberrabbiner von Marseille, Herr Rüben Weill, sich habe taufen lassen und zum Katholicismus übergetreten sei. Uns war vor einigen Wochen ein' ähnlicher Bericht zugegangen. Da aber der Schreiber desselben uns völlig unbekannt war, so nahmen wir Anstand, eine so schreckliche Nachricht ohne vorhergegangene genaue Information in die Spälten des „Israelit" aufzunehmen. Wir schrieben daher zuvor nach Paris, und zu unsrer großen Freude vernehmen wir, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort fei. Entsetzliche Bosheit, von persönlichem Hasse gestachelt, scheint einen verworfenen Menschen veranlaßt zu haben, in solcher Weise einen unbescholtnen Mann zu verleumden. Unterdeß hat die von den erwähnten Zeitungen so leichtfertig colportirte Nachricht in den weitesten Kreisen Trauer und Schmerz erregt , namentlich in Straßburg, dem Geburtsorte des Herrn Oberrabbiner von Marseille. Wir schätzen uns glücklich, durch die vorstehenden Zeilen die erregten Gemüther beruhigen zu können. Frankfurt, 4. Mai. Heute wurde Frau Lisette Königswärter, die Gatlin des vor drei Monaten verstorbenen Herrn Jsaac Königswärter, zur Erde bestattet. Mit ihr ist das letzte Mitglied des hiesigen Zweigs der Familie Königswärter dahingeschieden. Die Verstorbene, welche kaum das 49. Lebensjahr erreichte, hatte kurz vor ihrem Tode noch ansehnliche Schenkungen an Wohlthätigkeitsanstalten gemacht. Das sehr bedeutende Familienvermögen gelangt ausschließlich in die Hände auswärtiger Erben. In Cölu wurde Herr Gerichtsassessor Dr. Rosenthal (Israelit) zum besoldeten Bürgermeisterei-Adjuncten erwählt. Potsdam, 24. April. Vor einiger Zeit wurde unter Direction des Frl. Anna von Brauchtisch ein Fröbel'scher Kindergarten dahier errichtet, welchem auch die Frau des hiesigen Rabbiners Dr. Cohn ihr Töchterchen zur Aufnahme anmeldete, von 'der erwähnten Dame aber zurückgewiesen wurde, da der Kindergarten christlich sein sollte. Frau Dr. Cohn hat auf diese Zurückweisung in einem Schreiben geantwortet, dem ich folgende Stelle entnehme: Ich war selbst lange Zeit Lehrerin und Erzieherin; mein Streben ging aber vor Allem dahin, meine Zöglinge zu wahrer Menschenwürde zu erziehen ihnen reine Humanität, edle Liebe zu allen Menschenbrüdern ohne Unterschied der Verhältnisse und der Cenfession einzuflößen. In die jungen Seelen bereits den Samen der Zwietracht streuen durch hochmüthige Abschließung und Ausschließung gehörte nie zu meinem Erziehungsprogramm und liegt, verzeihen Die, gnädiges Fräulein, meiner Ansicht nach, nicht im Geisteswehen unseres Jahrhunderts, sondern wird von allen erleuchteten, edelschaffenden Geistern mehr und mehr auf den Kehrichthaufen der Geschichte geworfen. Ob es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.