Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1877)
- Date
- 1877-05-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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mrnrnm 459 Die heilige Stadt und ihre Deuwhner.*) VI. Zwei Stunden nordwestlich von Jerusalem liegt das Dorf En-Nebi Samuel mitten in einer schönen Pflanzung von Feigenbäumen, Granaten, Oliven und Weinreben, und hinter demselben die 'Moschee mit dem Grabe Samuels auf dem Gipfel eines 500 F. hohen Berges. Dieser höchste Berg in der Umgegend Jerusalems wurde im Mittelalter wegen der herrlichen Fernsicht, die man von seiner Spitze aus genießt, Freudenberg genannt. In der Thal ist es auch ein Hochgenuß', von hier aus einen großen Theil des heiligen Landes nach allen Richtungen hin zu überblicken. Im Osten liegt Jerusalem und der Oelberg, weiterhin am Horizonte schimmert das todte Meer, und die Berge Moab ragen hinter dem Jordan empor. Nach Westen streckt sich die Küstenebene Saron mit Ramleh und Jaffa, und im Hintergründe ist das mittelländische Meer sichtbar. Auf den andern Seiten schweift das Auge über die weite Landschaft von fast ganz Judäa. Zu allen Zeiten wurde dieser Berg En--Nebi Samuel allgemein für das in den Büchern Jvsua, Richter und Samuel erwähnte Ramah oder Ramatajim Zofim gehalten, wo Samuel das Licht der Welt erblickte, wirkte und starb, und wo er Oel auf das Haupt Sauls goß und ihn zum König von Israel salbte. Juden, Christen und Mohammedaner verehrten und verehren hier noch heute das Grab Samuels, die Ersteren auch das Grab seines Vaters Elkana und seiner Mutter Hanna. Zur Zeit der Kreuzzüge stand hier ein Kloster St. Samuel, und Ritter vom Berge Gaudium hatten hier ihren Wohnsitz. Die jüdischen Schriftsteller, die das heilige Land bereist haben: R. Benjamin von Tudela im Jahre 1165, R. Pethachja aus Regensburg 1176, R. Samuel Bar Simson 1210, R. Jsak Chelo 1332, der Verfasser des Eleh ha-Massaoth in demselben Jahrhunderte und R. Gerson 1561, berichten alle, daß hier das Grab Samuels verehrt wurde. Im 16. Jahrhundert waren hier schöne Gebäude errichtet, und das Grab stand in so hohen Ehren, daß alle Jahre jüdische Pilger von Jerusalem, mit Wachskerzen in den Händen, betend dahin zogen. Man führte auch eine Thorarolle mit sich, aus welcher in einer *) Die heilige Stadt und ihre Bewohner. Von Dr. Bernhard Neu mann. Zu beziehen durch den Verfasser, Hamburg, Holstenstraße 3. Preis 10 Mark. in der Nähe des Grabes befindlichen Synagoge vorgelesen wurde. Gegenwärtig wird diese Grabstätte nicht minder verehrt und besonders am 18. Jjar von vielen Andächtigen besucht. Neuere Forschung hat die Identität dieses Berges mit dem Ramah des Propheten Samuel angezweifelt und die Stadt Samuels nach dem heutigen Dorfe Soba verlegt. In Nebi Samuel aber glaubte man die weithin schauende Mizpah oder Warte zu erkennen, wo die Stämme Israels oft zusammenkamen, und Samuel sie richtete, und wo unter der Chaldäer-Herrschast der Statthalter Gedalja wohnte und gelobtet wurde. Jedoch reichen die neuern für die Richtigkeit dieser Behauptung angeführten Beweise nicht aus, die alten von Juden, Christen und Mohammedanern anerkannte Tradition umzustoßen. Anderthalb Stunden von Jerusalem, eine halbe Stunde von Bethlehem, liegt auf dem Wege nach Hebron, das uralte Grab, das bei den Israeliten „Kewer Rachel Jmonu," Grab unserer Mutter Rachel, und bei den Arabern Kubbet Rahil genannt wird. Durch einen breiten offenen Spitzbogen tritt man in einen kleinen, von neun Fuß hohen Mauern gebildeten Vorhof. Dem Eintretenden zur Rechten ist eine kleine eiserne Thür sichtbar, durch die man in eine mit einer Kuppel überwölbte Halle gelangt. Unter der Kuppel befindet sich ein aus großen Steinen zusammengesetzter, weiß übertünchter Sarkophag, der 3 V2 Ellen lang, 2 Ellen breit und 2^ hoch ist. Vor dem Sarkophage, der Eingangsthür zugewendet, schließt ein viereckiger, zwei Fuß großer Marmorstein die Gruft selbst ab. Die Wände der Halle und der gewölbte Deckel des Sarkophages sind mit unzähligen Namen in verschiedenen Sprachen bedeckt, worunter die meisten hebräisch. Die Richtigkeit der Tradition, die an diese Stelle das Grab Rachels setzt, kann nicht im Mindesten bezweifelt werden, da die Grabstätte in den Worten der heiligen Schrift genau bezeichnet ist: „Und Rachel starb und wurde begraben auf dem Wege nach Efrat, das ist Beth-Lechem. Und Jacob richtete ein Mal auf über ihrem Grabe, dies ist das Grabmal Rachels bis auf den heutigen Tag." In der That hat sich kein Grabmal der uralten Zeit im Gedächtnisse der Welt bis auf den heutigen Tag erhalten, wie das einfache Denkmal Rachels. Jedes Zeitalter hat das Denkmal immer wieder, wenn es zerstört war, neu hergstellt. Im 7. Jahrhundert erhob sich eine Steinpyramide auf dem Grabe. Im 12. Jahrh. waren es zwölf Marmorblöcke, — die zwölf Söhne Jacobs bezeichnend, — die auf demselben lagen. Als im Laufe der Zeiten