Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-05-09 · Heft 19 (9.5.1877) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 19 (9.5.1877)
Date
1877-05-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447715--13699-2469577
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

451 selbe hat in der Commissionssitzung hervorgehoben, wie dies Gesetz namentlich gegen die Juden, die den Samstag feiern, ungerecht sei, da nach demselben die Israeliten zwei Tage in der Woche für das Geschäft verlieren würden. (Arch. isr.) Paris (Monatbericht (Aprils der „All. Isr. Univ.": (Die Israeliten von Rumänien.) Das neulich von dem Cassationshof gefällte Erkenntniß, welches» den Israeliten das Besitzrecht von städtischen Grundstücken zuspricht, scheint in den Augen der hierbei interessirten Personen nickt diejenige hohe rechtliche Bedeutung zu haben, die den Beschlüssen der regulirendcn Gerichtshöfe in anderen Ländern innewohnt. „Es ist nicht das erste Mal, schreibt ein Correspondent des C.-Comite's, daß ein solches Erkenntniß erlassen worden, aber die Erfahrung beweist, daß es materiell keine Gesetzeskraft gewinnt. Der Gerichtshof spricht sich bald in diesem, bald in jenem Sinne aus; wie er jetzt einem Israeliten das Recht bewilligt hat, so hat er es im vergangenen Jahre einem anderen verweigert; es erklärt sich dieser Widerspruch einzig dadurch, daß es keine gesetzliche Beschränkung des Besitzrechtes für städtische Grundstücke gibt und daß das Verbot, von welchem die Juden betroffen werden, uur auf einer Ordonnanz des Ministers Donici vom Jahre 1864 beruht." — Neuere Nachrichten, die das C.-Comita erhalten, berichten, daß nicht einmal der Tod vor dem Judenhaß in Rumänien Gnade findet. Fast jeden Tag, schreibt man aus Bucarest, wird ein jüdisches Leichenbegängniß mit den Worten begrüßt: Azi ünü maine dece (heute eins, morgen zehn) und diese Worte sind in der Regel das Signal zu den scandalösesten Auftritten und Conflicten, denen der Trauerzug nur durch Flucht mit dem Leichnam entgehen kann. Diese traurigen Vorgänge haben sich vor 4 Wochen bei Beerdigung einer jüdischen Frau in Bucarest zwei Mal in einer Weise, daß die Polizei einschreiten mußte, und innerhalb 8 Tagen 3 Mal wiederholt; das letzte Mal, bei Beerdigung eines spaniolischen Israeliten , warfen sich eine Menge Rumänen auf die begleitenden Israeliten, die sie in einen Hof drängten und hier fürchterlich mißhandelten. Der Polizeipräfect H. Ciocarlano bewies bei dieser Gelegenheit viel Muth und Energie, während ein höherer Ofsicier, Capitan Argiu, die Fanatiker ermuthigte, indem er ihnen sagte, daß die Israeliten betrunken wären. Serbien. Man erinnert sich, daß viele Zeitungen die Wahl eines israel. Deputirten in die Große nationale Skuptschina, die neulich in Belgrad versammelt gewesen ist, erwähnt haben; diese Thatsache wird von den inzwischen dem C- Comite zugegangenen Mittheilungen bestätigt: Der gewählte Israelit ist ein Mann von Verdienst, der durch seine Einsicht der von ihm geleiteten Gemeinde wichtige Dienste geleistet hat. Er heißt Abram M. Oser, ist 30 Jahre alt und gehört einer Familie von ehrenwerthen Kaufleuten in Belgrad an. Seine Wahl hat unter folgenden Umständen stattgefunden: Nach dem Sturze des Ministeriums Marinowitsch bemühte sich das Ministerium Tschumitsch, das ihm folgte, die Israeliten für seine Partei, die der Conservativen, zu gewinnen, was ihm auch gelang, so daß wir bei den Wahlen zur Großen nationalen Skuptschina für die conservativen Candidaten, gegenwärtig von der Opposition, zu stimmen hatten. Aber die Israeliten wollten, daß es auch einen isr. Candidaten gebe, und die conservative Partei bewilligte diese Forderung um so bereitwilliger, als sie gegen den vorgcschlagencn Candidaten, H. Oser große Verpflichtungen hatte. Die Israeliten versammelten sich sodann, behufs definitiver Verständigung über die Wahl ihres Abgeordneten, in dem Local des Tikun Chazoth-Vereins, wo nach dem üblichen Gebet der Rabbiner eine Ansprache hielt, in welcher er die Anwesenden dringend bat, sich nicht der Wahl zu enthalten, da ihre Betheiligung bei der Stimmabgabe eine nothwendige Bedingung zur Erlangung ihrer Rechte sei. Mittlerweile hatte der Präfect von Belgrad, der über diese Versammlung fälschlich unterrichtet worden war, von dem Maire des Judenquartiers Bericht einfordern lassen und erklärte, da er die beruhigendste Auskunft erhalten, daß die Candidatur des H. Abram M. Oser nicht blos den Wünschen des Ministeriums entspreche, sondern daß die Regierung sie sogar zu der ihrigen mache und befürworte; H. Oser werde am folgenden Tage unter den 8 officiellen Candidaten figuriren. Auf diese Weise, sowohl durch dle Regierung, wie durch die Opposition unterstützt, hatte der isr. Candidat die Stimmen beider, eingeschlossen derjenigen der höchsten Persönlichkeiten, wie der HH. Marinowitsch, Magazinowitsch rc., und vereinigte auf sich die größte Stimmenzahl (451 von 752 Wählern). Er hätte übrigens auf alle Fälle gesiegt. Der Correspondent, dem wir vorstehende Mittheilungen verdanken, glaubt dennoch nicht. daß diese offenkundige Demonstration der Regierung zu Gunsten der Israeliten als ein Beweis besserer Gesinnung derselben angesehen werden müsse und fetzt in folgender Weise seine Anschauung von der Sache auseinander:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.