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Der Israelit · 1877-05-09 · Heft 19 (9.5.1877) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 19 (9.5.1877)
Date
1877-05-09
Page
– (sequence 18)
Language
German
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450 Kranken, die Anstellung eines jüdischen Geistlichen bei der Kreis-Regberung zu beantragen. Daß man aber der Kreis-Regierung zumuthen soll, zur Errichtung einer Küche mit koscherer Einrichtung in ihrer Anstalt ihre Genehmigung herzugeben, das ist meines Erachtens ihrer Humanität zuviel zugemuthet. Außerdem aber läßt sich dieses Project hier schwerer ausführen als sich's Hr. Rosenbaum denkt, schon deßwegen, weil kein Arzt es gestatten wird, daß man seinen Patienten Fleisch, das mehrere Tage alt ist (da wir das Fleisch von Theilheim beziehen, dort aber höchstens 2mal in der Woche geschlachtet wird), verabreicht. Aber selbst wenn alle diese Schwierigkeiten für uns nicht vorhanden wären, so weiß doch Hr. Rosenbaum als wohlgeschulter Talmudist, was es heißt zn n:o d'okd ^33 und dieses ist auch hier anwendbar. Wenn wir ein jüdisches Spital bauen, worin auch Gemüthskranke Aufnahme finden, so ist dadurch sowohl den bisherigen Insassen des Juliusspitals als auch denen der hiesigen Anstalt geholfen, wenn wir aber hier eine koschere Küche errichten, wird dann auch die Juliusspitalverwaltung ihre Genehmigung zur Errichtung einer koscheren Küche in ihrer Anstalt geben? So weit glaube ich doch nicht, daß sich Hr. Rosenbaum versteigt! Und man kann doch eher Geisteskranke in einem jüdischen Spital unterbringen» als daß man, unserer koscherer Küche wegen. Kranke mit gesundem Verstände in einer Irrenanstalt unterbringt. Und wie beseitigt Hr. Rosenbaum meine Bedenken wegen der Section und der Abgeschlossenheit von der jüdischen Welt, selbst in dem Augenblicke, wenn sich die Seele vom Körper verabschiedet und es dem Sterbenden wohl thun würde „die Tröstungen seiner Religion", wie es andere Ccnfejsionen nennen, zu erhalten? Darum betone ich's nochmals: zersplittern wir unsere Kräfte nicht, geben wir uns nicht Illusionen hin, um die Hauptsache dadurch zu vergessen. Vereinigen wir vielmehr unsere Kräfte und vereinigen wir uns mit dem Gedanken, daß der Bau eines jüdischen Spitals in Würzburg möglich und ausführbar ist, dann werden wir gerne über alle Schwierigkeiten hinweg energisch unser Vorhaben ausführen. Wir dürfen unser ietziges Vorhaben nicht dem mn iv'L'-Verein vergleichen, der durch Mangel an Energie einfchlief, oder besser gesagt, nicht zum Leben kam. Hätte Hr. Rosenbaum damals dafür gesammelt und die Sammlung hatte keinen Anklang gefunden, dann wäre er vielleicht berechtigt gewesen, daraus zu argumentiren, daß unsere Zeit für religiöse Projecte nicht faßbar sei, aber, soviel mir davon bekannt ist, exiftirte der Verein blos auf dem Papiere, zur Inanspruchnahme der Thatkraft unserer Glaubensgenossen hat man die Energie nicht besessen. Ich gebe gerne zu, daß wir nicht' in der guten alten Zeit leben, wo jeder für rrvn und pjn-p begeistert war, aber ia Bezug auf onon glaube ich steht die Jetztzeit der guten alten Zeit nicht nach! Man muß nur ein Project richtig behandeln und uns die Eigenschaft des Patriarchen Abraham vor Augen halten nznn nwyi öyo -hdn wenig sprechen und viel thun! Jede «Lache hat ihre Licht- und Schattenseite und je mehr wir die Schattenseite betrachten, um so schwieriger wird uns aller Anfang werden. Darum! seien wir nicht müssig und sehen es ruhig mit an, daß deßhalb, weil es uns an Energie fehlt, grobe Verstöße gegen unsere heilige Religion Vorkommen! Bieten wir uns vielmehr die brüderliche Hand zur gemeinsamen Unterstützung unseres Projektes, dann werden die vorzunehmenden Sammlungen auch das gewünschte Resultat liefern, so wird Würzburg ein jüdisches Spital erhalten und Mit - und Nachwelt werden unser Händewerk anerkennen! Das walte Gott! E. I. Roos, Lehrer. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Hatilisfolvo, 18. April. Vorige Woche hielt unser neuerwählte Oberrabbiner Deutsch unter großen Festlichkeiten, an denen sich die ganze Gemeinde beiheiligte, seinen Einzug. Seine Antrittsrede erfreute sich des größten Beifalls. Hoffen und wünschen wir, daß unser Ober- Rabbiner Gelegenheit finde, recht viel Gutes in unserer Gemeinde zu stiften. Wilhelm Groß. Italien. Rom. Mit der Regulirung des Tiberstromes ist nunmehr begonnen worden. Allgemein ist man darauf gespannt, ob, wie vielfach erwartet wird, manche der Schätze des Tempels zu Jerusalem, die im Bette des genannten Flusses vergraben worden sein sollen, ausgefunden werden. Frankreich. Poris. In Frankreich existirt noch ein vom Jahre 1814 herrührendes sogenanntes SonntagSgefetz, welches aber schon lange'nicht mehr beobachtet wird. Man ist gegenwärtig daran, das Gesetz aufzuheben , und zu diesem Zwecke wurde von der Deputirtenkammer eine Commission gebildet, zu welcher der Abgeordnete vr. Bamberger, in seiner Eigenschaft als Israelit, gewählt worden ist. Der-

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