Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1877)
- Date
- 1877-05-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XVIII. Jahrgang. Zweite Leilage)» Ar. 19 -es Israelit. Aeitvngsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Werneek. Ich komme nun zur Besprechung des von Hrn. Rosenbaum gemachten Vorschlages „eine Küche mit koscherer Einrichtung in der Anstalt zu Werneck zu errichten." Die Erlaubnis hierzu, glaubt Hr. Rosenbaum, ..dürfte bei der allgemein anerkannten humanen Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg zu erlangen sein und zwar um so mehr als der Herr Direktor der Anstalt Werneck die Zweckmäßigkeit einer solchen Einrichtung hoffentlich begutachten wird u. s. w." Von der Humanität des Direktoriums der hiesigen Anstalt hatte ich oft Gelegenheit mich persönlich zu überzeugen und auch der jüngste nvv lieferte mir neue Beweise davon. Wenn ein nichtjüdisches Directorium für seine jüdischen Insassen sich mso kommen läßt, wenn es ferner sein Wärterpersonal gerne zur Begleitung einzelner jüdischer Kranken in die Synagoge und in die Privathäuser. in welch' letztere jene Kranken während des Pesachfestes die koschere Kost bekamen, zur Verfügung stellt, so kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß ein solches Directorium es im vollsten Maße verdient, human genannt zu werden. Jedoch die Humanität der Kreis-Regierung in dieser Beziehung müßte mir erst erwiesen werden, wenn ich darauf Projekte bauen soll. Während für die Angehörigen katholischer und protestantischer Consession je ein Geistlicher von der Kreis-Regierung in der Anstalt angeftellt ist und von ihr ihre Besoldung erhalten, geschieht trotzdem die hiesige Cultusgemeinde stets im Besitze eines Religionslehrers war und ist und die Function eines jüdischen Geistlichen für die Anstalt leicht mit dieser Stelle in Verbindung zu bringen wäre, für die Seelsorge der jüdischen Kranken gar nichts. Ich verweise auf das Kreisamtsblatt pro 76 Nr. 149 Seite 30, Absatz 8, wo es heißt: „Von den Einnahmsposten wurde hiernach nur noch der Betrag von Mk. 394. y7 Pf. Zuschuß aus der Pfarrunterstützungscasse in Nürnberg für den Protest. Hausgeistlichen beanstandet. Auf Antrag des Ausschusses u. s. w. wurde auf diesen Zuschuß verzichtet, da die Kirchenkollekte für den Protest. Hausgeistlichen in Werneck, weil für einen Kreisbeamten bestimmt, allenthalben und mit Recht sehr unbeliebt sei und bei ihrer Beseitigung ein reicheren Zufluß aus der jährlichen Hauskollekte für arme Irre zu erwarten stehe." Deutlich ist aus obiger Stelle ersichtlich, daß auch der Protest. Geistliche, trotzdem die katholische Consession hier vorherrschend und die Protest, die Minorität bildet, nunmehr gänzlich von der Kreis- Regierung besoldet wird. Und fragen wir uns, warum geschieht denn für unsere jüdischen Glaubensgenossen in dieser Beziehung gar nichts, bilden sie etwa eine ganz verschwindende Minorität? Ich glaube leider diese Frage verneinen zu dürfen. Denn, wenn ich es auch gerne vermied, jene von von mir im engeren Kreise ausgestellte Behauptung, als seien an 90 jüdische Kranke in der hiesigen Anstatt, der Oeffentlichkeit wiederzugeben, da jene Behauptung blos der Aeußerung eines Arztes entnommen, ich selbst aber die Zahl der Kranken nicht kenne, da ich von dem Hiersein eines jüdischen Kranken erst dann in Kenntniß gesetzt werde, wenn sein trauriges Dasein schon geendet und seine Bestattung nach jüdischem Ritus erforderlich wird, eine gedruckte Statistik mir aber nicht zu Gebote steht, so bin ich dennoch überzeugt, daß ihre Anzahl eine beträchtliche zu nennen ist. Ich verweise hier auf Nr. 199, Seite 30, Absatz 12, des KreiSamtsblattes pro 76, woraus hervorgeht, daß im Jahre 76 drei Einpfründungen in die hiesige Anstalt Statt gefunden, wovon wie mir bekannt ist, wenigstens einer dieser Pfründer ein Glaubensgenosse ist. Aus obiger Stelle ist ferner ersichtlich, daß für das Jahr 77 ebenfalls drei Einpfründungen beantragt sind, wovon 1 abschlägig beschieden, L dagegen genehmigt. darunter die „des 44 Jahre alten Elias Stern von Brünau" der mir zwar unbekannt, aber dem Nameu nach Jude zu sein scheint. Es ist mithin zur Evidenz bewiesen, daß sowohl in 76 als 77 von 3 Pfrünhern einer Jude ist, welches Verhältniß immer auffallend erscheinen muß. Ich will nun durchaus mit dem oben gesagten der Kreis-Regierung keinen Vorwurf gemacht haben, es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß wenn die Besoldung oder wenigstens doch die Genehmigung zur Anstellung eines jüdischen Geistlichen für die hiesige Anstalt von competenter Stelle angeregt würde, eine bejahende Antwort zu erwarten wäre. Es wäre sogar sehr wünschenswerth selbst dann, wenn, was ich nicht bezweifle, unser Project zur Ausführung gelangt und Würzburg ein jüdisches Spital erhält, für" die in der Anstalt verbleibenden