Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1877)
- Date
- 1877-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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- Vashti 3× ep/1007377
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439 Dienern, daß sie bringen die Königin Waschti, mit der königlichen Krone angethan, vor den König, zu zeigen den Völkern und Fürsten ihre Schönheit, denn .von schönem Ansehen war sie/' Also berichtet die heilige Schrift im Eingänge des Buches Esther. Die Weisen im Midrasch bemerken dazu: „Am siebenten Tage — das war an einem Sabbat. Auch die Israeliten sitzen an Sabbaten und Festtagen beim heitern Mahle; aber sie unterhalten sich von der GotteSlehre, sie singen Loblieder ihrem Vater im Himmel; die andern Nationen hingegen unterhalten sich von zweideutigen, die Sinne reizenden Dingen. So geschah es auch bei dem Festmahle des Königs Ahasver; die Schönheit der Frauen bildete den Gegenstand der Unterhaltung; ein Jeder rühmte die Gestalt und das Aussehen seiner Geliebten; und als der König die Waschti vor allen andern pries, da wagten die Zechgenossen Zweifel laut werden zu lassen, und der König befahl seinen Dienern, daß st? bringen die Königin Waschti, zu zeigen den Völkern und Fürsten ihre Schönheit, und die Zweifler durch den Augenschein zu überführen." Mit einigen Variationen wiederholte sich dieser Vorgang am Hofe des Königs August. Derselbe, der Kriegsabenteuer müde, überließ es seinen Feldherren, Steinau und Flemming, sich von Carl XII. schlagen zu lassen. Er kehrte nach Dresden zurück, um' die Freuden des Lebens ungestört zu genießen. Da wurde ein großes Gelage veranstaltet; bald kam das Gespräch auf die Frauen; der Großkanzler von Beichlingen rühmte seine Freundin, die Frau von Rechenberg; Graf Vitzthum, der Oberftkammerherr, seine Gemahlin, eine geborene Gräfin Hoym; der Statthalter Fürst Fürstenberg pries die Schönheit seiner Freundin, der Gräfin Reus; nur der König sagte kein Wort; denn er war der Reichsfürstin von Teschen bereits überdrüssig geworden. Desto beredter war der Geheimerath Graf Adolph Magnus von Hoym. Er hatte lange gewählt, um die schönste Frau heimzuführen; wiederholt war er Bräutigam gewesen; schon hatte seine Vermählung mit einer Fräulein von Haxthausen bevorgestanden; da hatte er von einer schönen Holsteinerin, Anna Constanze von Brockdorf, vernommen, die als Kammerfräulein der Erbprinzessin von Braunschweig, einer geborenen Prinzessin von Holstein-Plön, am Hofe zu Wolfenbüttel Alles durch ihre Schönheit bezauberte. Graf Hoym löste sofort sein Verhältniß mit Fräulein von Haxthausen, vermählte sich mit der schönen Holsteinerin und brachte sie nach seinem Stammsitze Hoym bei Halberstadt, um sie allen neidischen Blicken, namentlich aber der Nähe seines Königs, zu entziehen; deßhalb hatte er sie bis jetzt nicht mit nach Dresden genommen. An jenem unglückseligen Abend aber löste der Wein seine Zunge, die von dem Ruhme und dem Preise seiner schönen Gemahlin überfloß. König August stellte sich ungläubig, die andern Herren folgten dem Beispiele des Königs; man sagte, wenn die Dame wirklich so schön sei, so brauche sie der Graf nicht auf seinem alten Stammschloffe verborgen zu halten. Desto mehr gerieth Hoym in Feuer, und er bot eine Wette um tausend Ducaten an, daß seine Fran alle andern an Schönheit übertreffe. „Ei," sagte der König, „ich brauche Geld, die Armee in Polen kostet sehr viel; ich will Dir die tausend Ducaten abgewinnen." Wie es dem König Ahasver gereute, als er am andern Tage nüchtern geworden war und bedachte , was über Waschti war verhängt worden, so geschah es auch dem Grafen Adolph Magnus von Hoym; er ging zum Könige, um die Wette rückgängig zu machen, ja er erbot sich, st? als verloren zu betrachten und die tausend Ducaten zu zahlet. Der König lachte ihn aus und hielt ihn beim Worte. Nothgedrungen mußte er seine Gemahlin an den Hof führen, wo sie den König entzückte wie nie ein Weib zuvor. August setzte ihr einen Jahrgehalt von hunderttausend Thalern aus, versprach, sie nach dem Ableben der Königin auf den Thron zu erheben und jede Verbindung mit der Fürstin von Teschen aufzugeben. Graf Hoym wurde durch große Summen und Aussicht auf Beförderung entschädigt und ließ sich scheiden; Kaiser Joseph ernannte die neue Geliebte seines Feeundes zur Reichögräfin von Kosel. Das Alles geschah zu einer Zeit, da Carl XII. Schlacht auf Schlacht gewann, da Polen verloren ging und nach der Schlacht bei Fraustadt auch Sachsen den Schweden offen stand, so daß Carl als Sieger in Dresden einzog. Kurz zuvor hatte König August einen Beweis seines wankelmüthigen und undankbaren Charakters gegeben. Graf Wolfgang Dietrich von Beichlingen, Großkanzler des Reichs, wurde plötzlich verhaftet und als Gefangener auf den Königstein gebracht, wo er sieben Jahre lang im Gefängnisse saß; Beichlingen war sehr reich; er hatte dem Könige eine und eine halbe Million Thaler aus eigenen Mitteln vorgeschossen, die nach seiner Verhaftung nicht bezahlt zu werden brauchten. Noch unedler verfuhr August mit dem Liefländer Patkul. Als in Altranstädt der Friede mit Carl XII. abgeschlossen wurde, mußte August auf die polnische Krone verzichten, mußte versprechen, nur noch den Titel „König" ohne den Beisatz „von