Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1877)
- Date
- 1877-05-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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437 ihren Arbeiten an den Tag legten; zugleich auch wie sehr sie für die Dauerhaftigkeit ihrer Monumente zu Ehren der Todten sorgten. Die Israeliten verehren nach einer alten Ueberlieferung in den eben beschriebenen Gräbern die Gräber der Richter, der Sanhedrin. Sie gehen nicht vorüber, ohne hinabzusteigen und daselbst ein Gebet zu verrichten. Das Grab Simon des Gerechten, Schimon hazadik, von den Arabern Sadik Simun genannt, liegt in dem obersten Theile des Kidronthales unter dem Weli Schech Dscherrah, wo mehrere Felsengräber mit vielen Kammern sich befinden. In einer der Kammern, deren Wände mit unzählichen Namen von jüdischen Besuchern bedeckt sind, bezeichnet ein Steinhügel das Grab Simons. Rabbi Gerson, im Jahre 1561, erwähnt die altjüdische Tradition, daß Simon der Gerechte, der Sohn Onias und viele seiner Schüler in diesen Gräbern ruhen. Die Israeliten besuchen diese Gräber sehr häufig am Freitage, am letzten Tage eines jeden Monats und besonders am 33. Omertage. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen. Deutschland. Carlsrithe, im Mai. Ein bedeutendes Ereigniß eines Landes geht nie sparlos an Israel vorüber, sondern regt dasselbe auch immer in seinem tiefsten Innern auf, sei es zum Schmerz, sei es zur Freude. So war auch das denkwürdige Ereigniß des 25jährigen Negierungsjubiläums Sr. königl. Hoheit des Grvßherzog von Baden, welches in den letzten Tagen des April mit allgemeiner Begeisterung in unserm ganzen Lande gefeiert wurde, ein Fest- und Freudentag für die badische Judenheit. Haben doch die Israeliten Badens sehr Vieles ihrem erlauchtem Landesvater zu danken. Vor Allem die volle bürgerliche und religiöse Freiheit, die hier nicht nur auf dem Papiere stehen geblieben, sondern ganz und voll in's praktische Leben übergegangen ist, wovon die Verwaltung des Finanzministeriums durch einen Juden das glänzendste Zeugniß gibt. Daher waren auch die Synagogen des Landes am 29. April von Andächtigen überfüllt, die aus vollem Herzen Dan'kgebete anstimmten und langes Leben für den Landesfürsten erflehten. Außerdem wurde eine Adresse von dem Gesammtverbande der Israeliten des Landes überreicht, welche den Gefühlen der jüd. Unterthanen Ausdruck gab. Auch die orthodoxe israel. Religionsgesellschaft Hierselbst, die unter Großherzog Friedrichs glorreicher Regierung zu einer Zeit vom Gemeindezwange befreit wurde, als die strenggläubigen Juden des übrigen Deutschlands noch unter dem drückenden Joche desselben seufzten, feierte einen Gottesdienst in gehobener Stimmung und ließ durch eine Deputation in feierlicher Audienz eine Dank- und Glückwunschadresse überreichen, die von den „Karlsruher Nachrichten" und dem „Badischen Landesboten" mit Recht „ein wahres Meisterstück heimischen Kunstfleißes" genannt wird. Die Deputation, bestehend aus dem Rabbiner vr. G. Goitein, dem ersten Vorsteher Herrn I. H. Ettling er und dem Vorstandsmitgliede Herrn Stiftsrabbiner Rathanael Weil, wurde huldvollst empfangen. Nachdem der Rabbiner eine kurze Ansprache gehalten und die Adresse verlesen hatte, die neben den Glückwünschen den tiefgefühltesten Dank für die freie Religionsübung in der alten von den Vätern ererbten Weise enthielt , dankte Se. königl. Hoheit der Großherzog in längerer Rede, worin die bedeutsamen Worte vorkamen: „Ja, bei uns ist, Gott Lob, das hohe Gut der Freiheit auf dem nie wankendenBoden desRechtd fest gegründet." Hierauf drückte derselbe den Deputationsmitgliedern freundlichst die Hand, unterhielt sich mit denselben in ungezwungenster Weise über die Institutionen der orthodoxen Gemeinde re. rc. und that schließlich den denkwürdigen Ausspruch: „Mögen L>ie in Ihrer Vereinigung die Befriedigung finden, die man nur unter Gleichgesinnten finden kann." Mit nochmaligem herzlichen Händedruck und dem Wunsche, den Mitgliedern der israel. Religionsgesellschaft den fürstlichen Dank zu überbringen, wurde die Deputation huldvollst entlassen. Wer in den Sefirah-Tagen sich eine Erinnerung für die um mm, für die Verfolgung der Israeliten Deutschlands und ihre schrecklichen Leiden im Jahre 1096 bewahrt hat, an die uns ja die nnsi» der Sefirah - Sabbate mahnen, wird gewiß, wenn der Schreiber dieser Zeilen aus vollem Herzen spricht: dv soaoi "payon DTiyn rutcm "ina sein herzliches Amen dazu sagen. Aus Baden, 26. April. Man schreibt dem „Schw. M.": „Die Volkszählung von 1871 (muß wohl 1875 heißen), deren Ergebnisse jetzt bis ins Einzelnste verarbeitet vorliegen, liefert manches interessante Resultat. Ein Alter von über 60 Jahren hatten in Baden bei einer Bevölkerung von 1,461,562 erreicht 119,850 Personen, oder 8.2 pCt.; die Zahl der Frauen übersteigt dabei die der Männer um nahezu 2000 (58,927 zu 60,923). Zwischen 90 und 100 Jahren sind eS im Ganzen nur 275 Personen. Im schulpflichtigen