Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1877)
- Date
- 1877-05-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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435 t R. Benjamin von Tudela hat uns folgende Legende vom Grabe Davids überliefert: „Die Gräber des Hauses David und der Könige, die nach ihm regiert haben, waren unbekannt'. Vor fünfzehn Jahren ist die Mauer einer Kirche auf Zion eingestürzt. Der Patriarch ordnete an, sie wieder aufzubauen und die Steine dazu aus der alten Zionömaucr zu brechen. Gegen zwanzig Arbeiter wurden verwendet, von denen zwei noch bei der Arbeit blieben, als die übrigen sich schon entfernt hatten. Da stießen sie auf einen Stein, den sie nur mit Mühe wegwälzen konnten, und sahen die Mündung einer Höhle, in welche sie hinabstiegen, in der Hoffnung Schätze zu finde.-. Ein langer, schmaler Gang nahm sie auf, an dessen Ende sie vor einem marmornen Palaste standen, dessen Säulen mit Gold und Silber verziert waren. Eingetreten sahen sie in der Mitte einen Tisch, aus dem eine Krone und ein Scepler von Gold lagen. Hier war das Grab Davids und zur Linken das Grab Salomo's und so fort alle Gräber der Könige. Als sie weiter Vordringen wollten, wehte ihnen ein Sturm entgegen, so daß sie ohnmächtig zu Boden fielen. Da rief ihnen eine Stimme zu: „Männer, weicht von diesem Orte!" Sie erhoben sich erschrocken, traten aus den Räumen heraus und gingen zum Patriarchen, um ihm zu erzählen, was ihnen begegnet sei." „Der Patriarch schickte zu dem Rabbi Abraham hachassid, Al-Constantino genannt, und fragte ihn um die Sache. Dieser antwortete: „Es sind die Gräber des Hauses David und der Könige, die nach ihm regiert haben" Der Patriarch li ß am folgenden Morgen die beiden Arbeiter rufen. Sie aber waren noch von Grauen erfüllt und äußerten, daß sie nie wieder den Ort betreten würden, da das Vordringen keinem Sterblichen gestattet sei. Der Patriarch ließ hierauf die Höhle vermauern, um sie zu verbergen bis auf dcN heutigen Tag. „Der Rabbi Abraham hachassid," schließt R. Benjamin, „hat mir diese Begebenheit selbst erzählt." Den Moslemin ist das Grab Davids ein fast ebenso großes Heiligthum, wie die Omarmoschee, denn von dem Nebi Daud, Propheten David, spricht der Koran: „Wir haben ihn bestellt zum Chalifen auf Erden; es ist ihm Weisheit verliehen und die Kunst der Rede, daß er die Menschen richte nach Gerechtigkeit." Sie besuchen auch oft diesen Ort, um in der obern Halle zu beten. Der Eintritt in die untere Grabmoschee ist in der Regel selbst den Mohammedanern nicht gestaltet, jedoch wurde in der neuern Zeit einzelnen Reisenden die Erlaubniß dazu ertheilt. Das Grab des Propheten Zacharia liegt am Fuße des Oelberges neben dem jüdischen Beerdigungsplatze, gerade der Area des Tempels gegenüber. Es ist ein viereckiger Block von zwanzig Fuß an jeder Seite, indem der Felsen derart weggehaucn ist, daß er eine große viereckige Nische bildet, in deren Mitte das Monument steht, während ringsum ein breiter Gang geblieben ist. Das Grab Absaloms, von den Israeliten Jad Abschalom genannt, liegt neben der untern Kidronbrücke, der Südostecke der Area des Tempels gegenüber und ist ein viereckiger Block, der ans dem Felsen auf gleiche Weise gehauen ist, wie das Grab Zacharias, indem ringsum ein ähnlicher freier Raum gelassen ist. Die beiden Gräber, des Propheten Zacharia und Absaloms, haben ein hohes Alter; sie werden schon im Jtin. Hier, vom Jahre 333 als zwei monolitische Monumente erwähnt. Die Tradition aber in Bezug aus die Namen der in diesen Gräbern Bestatteten findet sich zuerst bei R. Benjamin von Tudela. Die unzähligen alten Gräber im Norden, Osten und Süden von Jerusalem lassen in der Art ihrer mit bewunderungswürdiger Kunst ausgeführten Anlage den Typus der im Talmud erwähnten altjüdischen Kuchin erkennen, welcher mit dem der Felsenhöhlen zwischen den Ruinen von Telmessus am Meerbusen von Glaukus, der Krypten zu Jebileh, sowie der ägyptischen kleinen Grabhöhlen und Mumieng-üfte verglichen wird. Ein kleiner, ursprünglich mit einer steinernen Thür versehener Eingang.'in der senkrechten Wand des Felsens, der so niedrig ist, daß man sich beim Eintritte bücken, oder auf allen Vieren hineinkriechen muß, führt zu einer oder mehreren kleinen, in den Felsen ausgehöhlten, wahrscheinlich zu Familiengräbern eingerichteten Kammern, die gewöhnlich mit dem Eingänge eine gleiche Höhe haben. Die Wände sind einfach gehauen, nur selten mit Verzierungen geschmückt 4Mb meistentheils mit Nischen als Ruhestellen für die Todten versehen. Eine Kammer enthält ein oder zwei, zuweilen auch mehrere Gräber, und in einer Gruppe von mehreren Kammern steigt die Zahl bis auf etwa fünfzig. Südlich vom Thale Hinnom ist der senkrechte, hohe und lange gestreckte Bergabfall voll von Grabhöhlen, von denen viele durch Steine und Schutt unzugänglich sind. Eines dieser Gräber hat am Eingänge eine lange mit hebräischer Quadratschrift gut eingegrabene Inschrift, von der aber nur einige Worte leserlich sind. Die erste Zeile beginnt mit dem Worte dvu, die zweite mit pjtp, in der vierten Zeile sind die Wörter p^wOv “)Son ij’jhk und dann ein v zu lesen. DK heb-