Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1877)
- Date
- 1877-05-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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434 Eine höhere Liebe, eine höhere Dankbarkeit, eine höhere Zuversicht trägt er einst von den irdischen Eltern zur Gottheit. Was an der Mutterbrust Heiliges in seinem Herzen entglomm, das lodert einst als Flamme der Andacht auf Gottes Altären. Der Endzweck der Erziehung ist die Religion; sie veredelt das Herz des Kindes, sie vollendet das Werk der Erziehung und wirkt auch dort ein, wohin der beobachtende Blick nicht reicht. Erziehet Eure Kinder durch Euer Beispiel in Frömmigkeit, Liebe und Demuth, und löset so das Pfand wieder ein, welches einst am Sinai ist verpfändet worden. (Schluß folgt.) Dir hkiligc Stadt und ihrr Dkwohncr.*) v. Auf dem Gipfel des Zion in der Mitte des großen Plateau, welches von der spätern Stadtmauer ausgeschlossen blieb, liegt, von mehreren Gebäuden umgeben, das den Mohammedanern gehörende Grab Davids, En Nebi Daud. Durch ein geräumiges Thor gelangt man in einen Hofraum, welchen die Moscheen, das Minaret, die Wohnung des Schechs und' andere Wohnungen umschließen. Aus dem Hofe führt eine Treppe zu einer weiten Terasie mit einer schönen Aussicht über die ganze Stadt, und von hier aus wieder eine andere Treppe in eine Halle, in der sich ein der Mauer angebauter, von einem grünen Baldachin verhängter, weiß übertünchter Sarkophag befindet, um welchen ewige Lampen brennen. Dies ist nur der Scheinsarkophag, bei dem die Mohammedaner gewöhnlich ihre Gebete verrichten; das Grab selbst ist unten in der Moschee. Durch eine Pforte gelangt man aus dem Hofraume in eine untere Halle mit drei Spitzbogen, die auf zwei in der Mitte des Raumes frei stehenden Säulen ruhen. In einer Ecke zur Linken vom Eingänge ruht auf einer Säule und auf Spitzbogen ein steinerner kuppelartiger Baldachin; unter diesem führt eine Treppe in die Moschee hinab. Die Decke derselben ruht auf einer viereckigen Säule, die grau bemalten Wände zeigen Inschriften von Koranssprüchen, der Boden ist mit Teppichen belegt. Aus der Moschee führt an der *) Die heilige Stadt und ihre Bewohner. Von Dr. Bernhard Neu mann. Zu beziehen durch den Verfasser,'Hamburg, Holstenstraße 3. Preis 10 Mark. linken Wand vom Eingänge eine nicht hohe Thür in eine Kammer, die nur durch die offene Pforte spärliches Licht empfängt. Dem Eintretenden gegenüber, von sechs reich mit Gold verbrämten Teppichen (Geschenke der Sultane Mustafa, Selim, Abdul Hamid, Mahmud, Abdul Medschid Abdul Asis) überhängt, befindet sich ebenfalls der Mauer angebaut ein langer steinerner Sarkophag mit eingegrabener arabischer Goldschrift; sie verkündet, daß dies das Grab König Davids sei. Die Nachricht von König Davids Grab reicht in das hohe Allerthum hinauf, und es ist kein Grund vorhanden, es nicht wirklich an dieser Stelle zu suchen, da es im Buche der Könige deutlich heißt: „Und David legte sich zu seinen Vätern und wurde begraben in der Stadt Davids", also innerhalb der damaligen, den Berg Zion umgebenden Stadtmauer. Ebenso wirb von denKönigen Salomo, Rehabeam, Abia, Affa, Josaphat, Ahasja, Amazjah, Jotham und Josiah gemeldet, daß sie in der königlichen Familiengruft, in ihrem Erbbegräbnisse, wo jeder der Könige eine besond^rc Grabkammer Hatte, beigesetzt worden seien. Von dem Priester Jehojoda wird im Buche der Chronik gesagt, „daß man ihn in der Stadt Davids bei den Königen begraben, denn er hatte wohlgethan an Israel, gegen Gott und dessen Haus." Bei der ersten Zerstörung Jerusalems durch Nebuchadnezar wurden diese Königsgräber, die vermuthlich durch die Art ihrer Anlage verborgen blieben, nicht zerstört, da Nechemia beim Neubau der Stadtmauer die Stufen erwähnt, die von der Stadt und den Gräbern Davids hinabführcn. Es scheint, daß diese Gräber auch noch lange nach der ersten Zerstörung Jerusalems unbekannt geblieben sind, denn nach der Erzählung des Josephus war es zuerst Hyrkanus, Sohn und Nachfolger des Maccabäers Simon, der 3000 Talente (ungefähr vier Millionen Thaler) aus einer Kammer in dem Grabe Davids nahm, um damit die Aufhebung der Belagerung Jerusalems durch Antiochus zu erkaufen. Später öffnete Herodes in derselben Absicht eine andere Kammer, fand aber kein Geld, sondern nur Königsschmuck und Kleinodien; als er weiter zu den Grabkammern Davids und Salomos Vordringen wollte, erzählt der genannte Geschichtschreiber, brach eine Flamme hervor , die ihn von seinem Vorhaben abhielt. Zur Sühne errichtete Herodes bei dem Eingänge des Grabes ein kostbares Denkmal aus weißem Marmor. Josephus berichtet ferner, daß weder Hyrkanus , noch Herodes zu den Sarkophagen der Könige selbst gelangten, weil diese unter der Erde durch eine Vorrichtung so bestattet waren, daß kein Eintretender sie bemerken konnte.