Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1877)
- Date
- 1877-05-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- Avignon 1× ep/1047822
- Tunis 1× ep/1048155
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420 Ortsbürgergemeinden zur Behandlung gelangt sei oder in welchem Stadium sich derselbe befinde. Es wurde erwidert, daß der Dekretsvorschlag noch in den Händen der betreffenden Großrathskommission sich befinde, dagegen voraussichtlich in der nächsten Maisitzung im Großen Rathe zur Behandlung kommen werde. Frankreich. Paris. Im Tempel in der Straße la victoire bringt die Vermischung des portugiesischen mit dem deutschen Ritus die Andächtigen immer mehr in Verwirrung. Unsere alte Liturgie wird geopfert; sie verliert ganz und gar dadurch ihre Originalität, daß die traditionellen Sabbat- und Festesmetodien verlassen werden. Am 2. Tage des Peßachfestes ist der eine Theil einer min “i£D zur Erde hinabgerollt, ein ähnlicher Fall ereignete sich einige Tage vorher in der Synagoge in der Straße Notre-Dame-de- Nazareth. (Un. isr.) Paris. Der „Wien. Isr." entnimmt dem „Temps", daß der in Avignon verstorbene jüdische Kaufmann Crämieuxden isr., katholischen und pro-« testantischen Armen dieser Stadt je 200,000 Frs. hinterlassen habe. Afrika. Tunis. Bei Gelegenheit der Wiedergenesung des Premierministers hat derselbe an die Armen der Stadt größere Geld-Beträge vertheilen lassen, darunter auch )000 Piaster an die israel. Armen. (Un. isr.) F t n i l l t t o ii. Aus dem Mittelalter. Von Friedrich Rott. XII. Der Frühling war wiedergekehrt, in ihrem schönsten Schmucke prangte die Natur; der Herr-' liche Garten, der hinter Alexanders Wohnhause sich erstreckte, war erfüllt von dem lieblichsten Blumenduft. Auf der Rasenbank, in der Jasminlaube ruhte Dina, einsam, beraubt aller Derer, die ihr Herz mit der glühendsten Liebe umschlossen. Sie war noch bleicher als im vorigen Jahre, doch diese Blässe hatte ihre Schönheit nicht vermindert, und trotz derselben erschien sie noch immer um mehrere Jahre jünger als sie war. In Schmerz versunken, die Augen träumerisch auf die sinkende Sonne gerichtet, hatte sie keine Ahnung von der wunderbaren Schönheit ihrer Umgebung.' In dieser Laube, auf dieser Bank hatte Gabriel einst so gern geruht, und darum war hier jetzt ihr Lieblingsaufenthalt; an ihn dachte sie. während Thräne auf Thräne langsam die albastergleichen Wangen herniederglitt. „Gabriel" flüsterte sie, „süßes, schönes Kind, o könnt' ich Dir bald folgen! —" ihr Haupt senkte sich, sie barg das zuckende Antlitz in den schmalen durchsichtigen Händen — Arme, unglückliche Frau! sie hatte unsäglich gelitten und litt noch immer. Als im Herbst, an jenem Abend Alexander allein ohne ihr Kind heimgekehrt, da hatte er es für gerathen erachtet, ihr die fast ungeschminkte Wahrheit einzugestehen; war eS doch nur Liebe und innige The'ilnahme für den schönen Knaben, dessen Unglück er nicht länger mit anzufehen vermochte, und wußte er ihr seine Ueberzeugung, Gabriel werde durch nichts in seinem Glauben wankend werden, so plausibel darzustellen, daß sie bald ihre Befürchtungen als zu weit gehend betrachtete und dem fürsorglichen Freunde nicht zu zürnen vermochte. Es war an einem Sonnabend Abend, als sie ihr theures Kind zum letzten Mal gesehen. Montag Früh, noch bevor sie das Bett verlassen, war schon ein Bote da, der Alexander in's Kloster rief. Man hatte den Knaben vermißt, und so unglaublich man die Flucht deä Blinden hielt, das offenstehende Fenster, Spuren von Kinderfüßen im Sande vor dem Klosterhofe ließen nicht daran zweifeln. Doch weit konnte er unmöglich sein. Man folgte den Fußspuren, sie führten in die Nähe des Flusses, und richtig, dort mußte er gewesen sein; denn in dem Schilf des Ufers hing noch die Kappe. die er getragen. Kein Zweifel, der Knabe war verunglückt, er hatte ja beständig nach der Mutter verlangt, und Sehnsucht nach ihr hatten ihn zu dem wahnsinnigen Unternehmen getrieben — er wollte die Wohnung des Vetters erreichen, doch seine Blindheit hatte ihn dem Flusse zugeführt, kein Zweifel, die Wellen hatten ihn begraben. Im ersten Augenblick war Alexander wie erstarrt; sein Gewissen regte sich, eines Mordes hatte es ihn bisher noch nicht angeklagt, doch der Tod des Knaben lastete nun auf ihm. Er wußte sich jedoch bald zu fassen und in dem Ableben des Kindes kein allzugroßes Unglück zu erblicken. Jetzt war Dina ganz sein, kein Band gab es, das sie fesselte.