Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-05-02 · Heft 18 (2.5.1877) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 18 (2.5.1877)
Date
1877-05-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447714--13666-2469543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

419 ersten Male öffentlich Zeugniß von ihrer THL-- tigkeit abgelegt. Der Bericht über die Prüfung der fremdsprachlichen Klasse gehört nicht in dieses Blatt, während die Prüfung der hebr. Unterrichtsklasse auch die Leser des „Israelit" intereffU ren dürfte. Es wurde in allen obengenannten Gegenständen geprüft. In Pentateuch mitNaschi's Commentar wurden mehrere Verse aus den Sidra's: Wajözöh und Wajischlach durchgenommen, und zwar gelesen, übersetzt und ihrem Inhalt und Zweck nach gründlich besprochen. In der hebr. Grammatik zeigten die Schüler die Kenntniß der persönlichen Fürwörter nebst ihrer Deklination, ferner die Conjugation des regelmäßigen Zeitwortes; den Schluß bildete ein Diktat in p"nb. Die Prüfung in Mi sch nah zeigte zunächst die Kenntniß von dem Verfasser der Mischnah, der Zeit ihrer Abfassung, von «pn und nepd, ferner von wn ndp und 6nna *on u. s. w. Hierauf wurden verschiedene Mischnoth aus Babah Meziah gelesen, übersetzt und ihrem Inhalte nach ausführlich besprochen. Aehnlich wurde es mit der Prüfung im Talmud gehalten. Hier kam Traktat Bezah, fol. 25, pag. 1 und pag. 2 zur Vorführung. Die Schüler zeigten sich in allen Gegenständen gut unterrichtet und machte die Prüfung auf das anwesende Publikum sichtlich einen freudigen Eindruck. Da ein derartiger Unterricht hier lange Zeit geschlummert hatte, so wurde das Erwachen desselben mit der freudigen Hoffnung begrüßt, daß er weiter gedeihen möge! So besitzt denn das kleine Städtchen Lengsfeld eine Schule, wie sie ein so kleiner Ort sich nicht besser wünschen kann, und wir haben sicher nicht zu viel gesä t, wenn wir behaupteten, sie stehe in ihrer Art einzig da. Möge sie der Stadt wie bisher so auch ferner mit ihren neuen Einrichtungen zum Segen gereichen! Zu wünschen wäre freilich, daß eine solche Anstalt auch weiteren Kreisen zugänglich würde, und möchte es vielleicht mancher jüdische Vater freudig begrüßen, wenn der Landrabbiner und der Israel. Lehrer des Ortes sich bereit erklären würden, auswärtige Zöglinge gegen entsprechende Pension bei sich aufzünehmen und ihnen so die Segnungen einer guten Schule auf nicht zu kostspielige Weise darzubieten, wie denn auch wirklich schon einige Israel. Schüler von benachbarten Dörfern die Schule besuchen. Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen. D e n t s ch l a n d. Gütersloh (Westpfahlen), 25. März. Der „Westphälische Merkur" schreibt: Er ist eine gerichtliche Untersuchung gegen den hiesigen protestantischen Pastor Greve im Gange. Derselbe hatte auf einer conservativen Wahlversammlung am 21. Januar der Wahl Marcard's unter Anderem damit empfohlen, daß er dessen Bestrebungen um der^ Schutz des Bauernstandes gegen das Aussangesystem des Judenthums lobend hervorhob, Bestrebungen, die Marcard den Titel „Judenfresser" eingetragen hätten. Wegen der Art und Weise, wie der Herr Pastor in dieser Rede die Juden behandelt hat, haben diese, wie es scheint, jetzt den Rechtsweg beschritten, während anfänglich verlautete, die Juden hätten von der Anhängung eines Jnjurienproceffes Abstand geonmmen, dagegen sich aber entschlossen, den Vorfall beim Consistorium anzumelden. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Aus Mähren. Die ,Narodny Llsty" erzählen folgende Geschichte: „Am 27. Februar d. I. starb in Tachebin, die sehr arme Wittwe M. Matschka, welche nichts anderes hinderließ, als vier Waisen, von denen die älteste Tochter erst 14 Jahre zählt. Als die Wittwe gestorben war, ging das Töchterchen zum Herrn Pfarrer und bat ihn, daß er die geliebte Mutter zum Grabe geleiten möge. Der Herr Pfarrer frug zunächst, wie viel Geld sie bei sich habe. Das Mädchen antwortete weinend, sie habe keines. „Aber Ihr habt doch ein Schwein' meinte der Pfarrer „oder die Mutter hatte doch irgend ein Federbett." Das Mädchen: Wir haben kein Vieh, aber einige Bettpolster besitzen wir." Pfarrer: „So verkauft sie und bezahlt mich." Das Kind bat den Pfarrer mit dem Versprechen, daß es in den Dienst gehen und den ersten Verdienst ihm überbringen werde. Der Pfarrer fertigte es ab mit den Worten: „Wer wird denn so lange warten; ich bin schon alt und was dann, wenn ich sterben würde?" Kurz, er wollte nicht begraben, bevor er das Geld hätte. Das Mädchen nahm die Federbetten und trug sie zum Juden in Versatz. Den alten Juden rührte das zu Thränen und er schenkte dem Kinde soviel Geld, als es für das Leichenbegängnisse benöthigte. So wurde die arme Wittwe auf den Friedhof gebracht, wo der Pfarrer das Grab mit Weihwasser besprengte. Der Bundesrath fragte die Regierung an, ob der Dekretsvorschlag betreffend Einbürgerung der Israeliten, resp. Erhebung der israelitischen Korporationen von Endingen und Lengnau zu besonderen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.