Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1877)
- Date
- 1877-05-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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418 richtet. Der erste Lehrer ist Rector und Leiter der Schule. Einer der fünf Klassenlehrer ist ein israelitischer. (Da die Zahl der israel. Kinder mit der Zahl der Gemeindemitglieder leider bedeutend abgenommen hat, so genügt jetzt ein israel. Lehrer, während zu Anfang deren zwei waren.) Am begierigsten werden die Leser sein, zu erfahren, in welcher Weise der Religionsunterricht ertheilt und wie die Sabbat- und Festtage beider Confessionen ' berücksichtigt werden. Und das ist allerdings einer derjenigen Punkte, wegen deren unsere Simultanschule ein Unicum genannt zu werden verdient. Es hat diese Schule eben gezeigt, daß bei gutem Willen diese Schwierigkeiten sich auf die einfachste Weise lösen lassen. Der jüdische Religionsunterricht wird hier nicht nebenher an Tagen und Stunden ertheilt, welche sonst unterrichtsfrei sind; jüdische Kinder sind nicht etwa nur „auf besonderen Antrag der Eltern" vom Unterricht an Sabbat- und Festtagen dispensirt, sondern der ganze Stundenplan ist eben auf dem Princip der vollständigen Gleichstellung aufgebaut. Der israel. Lehrer der Schule ist Klassenlehrer einer vereinigten Schulklasse (und rückt selbstverständlich gleich seinen christl. Collegen mit dem Dienstalter klassenweise auf); gleichzeitig ist er aber Religionslehrer für die israel. Schüler aller Klassen. Die erste Stunde eines jeden Schultages ist für alle Klassen Religionsstunde. Die die israel. Religivnsklaffe bildenden Kinder haben dieselbe natürlich bei dem israel. Lehrer und in dessen Klasscnlocal; die christl. Kinder aus der Klasse des israel. Lehrers haben während dieser Zeit ihren Religionsunterricht bei einem der vier christl. Lehrer, der dadurch frei wird, daß die sonst in Knaben- und Mädchenklassen getrennten Oberklassen im Religionsunterricht wieder'vereinigt werden. — Nach der Religionsstunde tritt eine kleine Pause von etwa 5 Minuten ein, während welcher die israel. Schüler sich in ih e verschiedenen Klassen vertheilen Mnd die christl. Schüler der Klasse des israel. Lehrers. wU auch die jetzt wieder getrennten Oberklassen sich in ihre Klassenlocale begeben. Von jetzt an ist während des ganzen Tages Simuitanunterricht. Am Sonnabend haben nur christl. Lehrer und Schüler Unterricht, und zwar in der Weise, wie in den Religionsstunden der Woche, jedoch mit der ausdrücklichen Bestimmung, daß nur iu Religion und kirchlichem Gesang unterrichtet wird, .die israel. Schüler also nichts versäumen. Am Sonntag dageg n hat die israel. Religionsklasse bei ihrem israel. Lehrer ebenfalls nur R eligions-, resp. hebr. Unterricht und zwar jetzt drei Stunden, so daß mit den fünf Stunden der Wochentage auf den israel. Religions- und hebr. Unterricht zusammen acht Stunden kommen. Betreffs derjenigen Festtage, die nicht in die Ferien fallen, ist es ähnlich eingerichtet, wie am Sonnabend und Sonntag. An den jüdischen Festtagen haben nur die ch r i st l. Kinder bei ihren Religionslehrern Unterricht mit der Bestimmung, daß im Lehrgang nicht fortgefahren, sondern nur repetirt werden darf; an christl. Festtagen dagegen hat die israel. Religionsklaffe bei ihrem Religionslehrer Unterricht Die Störung, die der Gang des Unterrichts durch diese Unterbrechungen erleidet, scheint auf den ersten Anblick sehr schädlich zu sein, hat sich aber in der Praxis als sehr unbedeutend herausgestellt. So besteht die Schule in Stadt-Lengsfeld nun bald 27 Jahre. Keine der beiden vereinigten Gemeinden würde auf Befragen eine Aufhebung des Vereinigungsvertrags wünschen; denn es stellen sich mit jedem Jahre mehr die Vortheile der Einrichtung heraus. Das gute Einvernehmen zwischen Christen und Juden ist sichtlich gestiegen seit dem Bestehen der Schule. Jeder einsichtsvolle Bürger muß sich sagen: Das kleine Städtchen hat nicht viel Bemerkenswerthes aufzuweisen außer seiner Schule; wer seinen Kindern auch an irdischen Gütern nicht viel hinterlassen kann, dem ist durch die vereinigte fünfklassige Bürgerschule doch Gelegenheit geboten, ihnen eine Ausbildung geben zu lassen, wie sie ohne dieselbe niemals möglich wäre. Die Anerkennung der beaufsichtigenden Behörden hat denn auch der Schule niemals gefehlt. Freilich hat die Schule auch stets das Glück gehabt, Rectoren und Lehrer zu besitzen, die vom richtigen Simultangei st e beseelt waren und sind, so daß von „Rischus" niemals eine Spur zu entdecken; namentlich gebührt in dieser Beziehung dem jetzigen Rector wohlverdiente Anerkennung. In neuester Zeit sind nun der Simultanschule noch zwei Einrichtungen angefügt worden, die derselben nur zum Nutzen gereichen werden. Es sind das zwei fakultative Unterrichtsanstalten: Die eine unterrichtet ihre Schüler in den fremden Sprachen: Lateinisch, Französisch und Englisch und hat sich zur Aufgabe gestellt, ihre Schüler für die Tertia der Gymnasien re. vorzubereiten. Die andere ist eine fakultative hebr. Unterrichtsklasse. In ihr unterrichten der Herr Landrabbiner und der israel. Lehrer der Simultanschule in Pentateuch mit Raschi, in hebr. Grammatik, Mischnah und Talmud. Beide Klaffen haben erst ein Jahr ihres Bestehens hinter sich und haben in diesem Jahre zu Ostern zum