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Der Israelit · 1877-05-02 · Heft 18 (2.5.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 18 (2.5.1877)
Date
1877-05-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XV1I1. Jahrgang. Erste Oeilage zu Ar. 18 des Israelit. Leitender Artikel. Die Simiiltanschalc m Sta-t-Lcagsftld. —s. „Wie sollen die israel. Gemeinden ihre Schulen in unserer Zeit einnchten? Wie soll der Religionsunterricht der israel. Schüler in den öffentlichen Schulen dem Stundenplan eingefügt und ertheilt werden? Sind öffentliche Confesskonsfchulen oder Sirnultanschulerr für die Israeliten das Ziel, wonach sie zu streben haben?" Diese und ähnliche Fragen hört man heutzutage gar vielfach ventiliren und discutiren. Wir wollen in gegenwärtigem Aufsatz nicht etwa obige Fragen entscheidend beantworten, jondern nur denjenigen, die über dieselben Nachdenken oder gar berufen sind, an der Entscheidung darüber mitzuarbeiten und einen Einfluß auszuüben, etwas Material darbieten. Mag sich dann jeder Leser sein Urtheil selbst bilden. Wir wollen eine Schilderung einer bestehenden Simultanschule geben und zwar einer solchen, in welcher Protestanten und Israeliten vereinigt sind. Wir schicken voraus und glauben, daß der geneigte Leser am Schluß der Lektüre dieser Schilderung uns beistimmen wird: Die zu schildernde Simultanschule ist ein Uni cum. Sie steht einzig da sowohl hinsichtlich ihres Alters, als auch hinsichtlich der Art ihrer Einrichtung und ihrer Leistungen. Der Ort, der diese Schule aufzuweisen hat, beißt Stadt- 'engöfeld und liegt im Eisenacher Kreis des Großherzogthums Sachsen-Weimar- Eise nach. Es war im Jahre 1850, als sich in genanntem Orte das Bedürfniß herausstellte, regierungsseitig für das Schulwesen des Ortes etwas zu thun. Es bestand am Orte eine zweiklassige christliche (protestantische) und eine ebenfalls zweiklassige jüdische Schule. Für die christlichen Kinder reichten zwei Lehrer nicht aus; der Ort war zu arm, um die Besoldung für einen dritten christlichen Lehrer aufzubringen; die Regierung wurde um Hilfe angegangen. Zu dieser Zeit befand sich aber im Cultusdepartement des Großherzoglichen Staatsministeriums ein sehr einsichtsvoller, tüchtiger Mann, der (inzwischen verstorbene) Geheime Justizrath Zwez. Derselbe war zu Anfang , seiner Dienstzeit in Stadt-LengSfeld Justizamtmann i gewesen und kannte die Verhältnisse der Stadt I sehr genau. Dieser Mann wurde als Commiffar von der Staatsregierunq nach Lengsfeld geschickt und zwar mit dem Aufträge, den Lengsfeldern zu erklären, die Regierung werde sich nur dann einer besonderen Verbesserung des hiesigen Schulwesens auuehmen, wenn eine Vereinigung der bisherigen christlichen mit der bisherigen' israelitischen schule des Ortes erfolge und zwar so, daß eine fünfklassige vereinigte Bürgerschule daraus werde. Es wurde eine Commission aus christlichen und jüdischen Bürgern der Stadt erwählt, mit welcher der genannte Großherzogliche Commiffar verhandelte. Es würde zu weit führen, die Verhandlungen hier ausführlicher zu schildern. Daß dieselben nicht so ganz glatt von Statten gingen, läßt sich denken; jede Gemeinde mußte sich möglichst vorsehen, bei dem Vereinigungsvertrage nicht in Nachtheil zu kommen. Aber der Geheime Justizrath Zwez hatte sich einmal vorgenommen, die Vereinigung zu Stande zu bringen und — sie kam zu Stande. Am 6. Oktober de« Jahres 1850 wurde das Lehrercollegium der vereinigten Schule durch die Schulinspection, zu welcher auch der Landrabbiner gehörte, verpflichtet, und damit war die Vereinigung perfect. Das Lehrercollegium bestand aus drei christlichen Lehrern und zwei israelitischen. Der erste christliche Lehrer und Rector war der jetzige Königlich Preußische Kreisschulinspector Dr. Gustav Fröhlich zu St. Johann (bekannt durch schriftliche Aroeiten auf pädagogischem Gebiet), zweiter christlicher Lehrer war der jetzige Eisenacher Seminarlehrer Pickel und der dritte der jetzige Rector der Schule. Schl ei ch e rt. Die beiden israel. Lehrer waren: Der («»zwischen verstorbene) auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete sehr tüchtige, auch durch einige Schriften bekannte Hirsch Löwenheim und der jetzige Prediger in Chicago: Liebmann Adler. ' Die Geschichte der Simultanschule hat für weitere Kreise des Interessanten nicht viel; wir übergehen dieselbe deshalb und gehen zur Schilderung der Einrichtung der Schule über, wie sie nach fast siebenundzwanzigjährigem Bestehen heute sich darbietet. Die Schule ist, wie erwähnt, fünfklassig. Je zwei Jahrgänge bilden eine Klasse; in den zwei letzten Jahren werden Knaben und Mädchen getrennt, in den übrigen Klassen combinirt unter-

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