Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1877)
- Date
- 1877-05-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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416 gen möge, die Anschläge der Bösen zu nichte zu machen. „Ihr seid der Resident des Kurfürsten von Sachsen, der Jude Rehrend Lehmann?" fragte ihn Carl. Rabbi Bärmann verneigte sich. „Ihr seid ein Nachkomme derer, die einst den Heiland gekreuzigt haben?" „„Nicht doch, Majestät, das haben die Römer gethan, die damals die Herrschaft in Palästina führten, wie Eure Majestät gegenwärtig in Polen. Es war die Macht des Eroberers, die den Römern das Recht verlieh über Leben und Tod."" Der König lächelte. Als er schwieg, fuhr Rabbi Bärmann zu reden fort: „„Aber ich bin ein Stammesgenosse derjenigen, welche den Stifter der christlichen Religion geboren hat."" Carl sah ihn überrascht an. „Das ist wahr," sagte er. „Das ist wahr. Es ist auch lediglich der Wunsch, mich mit einem solchen Manne zu unterhalten, was mich veranlaßt, Euch die Audienz zu gewähren; denn Frieden will ich mit August nicht schließen, bis ich ihn vollständig gedemütbigt habe, bis ich chm die polnische Krone entrissen und ihn gezwungen habe, den König. den ich einsetzen werde, anzuerkennen." Als Carl so sprach, konnte Rabbi Bärmann sich nicht mehr zurückhalten. Die mühsam bewahrte Fassung verließ ihn; Thränen entstürzten feinen Augen. „Was ist Euch, Mann?" fragte der König. „Geht Euch das Schicksal Eures Herrn so zu Herzen?" „„Maiestätsprach Rabbi Bärmann, sich mühsam fassend, „„es heißt in der heiligen Schrift: Das Herz der Könige ist in der Hand Gottes. O, möge Gott Euer königliches Herz lenken, daß Ihr den Fürsten Lubomirski nicht auf den Thron von Polen erhebt."" „Ihr wißt?" „„Als ich in das Vorzimmer trat, rief mir der Fürst zu: Alle Juden sollen meinen Zorn empfinden! Bin ich erst König von Polen, so will ich sie alle ausrotten!"" „Ihr kennt den Fürsten von früher?" „„Einst habe ich ihn gehindert, unschuldiges Blut zu vergießen. Er wollte ein Mädchen am Hochzeitstage rauben, und als ihm das mißlang, wollte er die Eltern und Brüder des Mädchens «mbringen lassen."" „Ihr bringt da schwere Anklagen vor, Jude. Habt Ihr gelogen, so gilt es Euren Kopf." „„Ich bin bereit zu sterben, wenn ich ein unwahres Wort gesprochen.""- Der König zog an einem ^>chellenzuge. „Der Fürst Lubomirski soll hereinkommen." sagte er dem eintretenden Kammerdiener. Der Fürst erschien alsbald. „Habt Ihrredete Carl ihn an, „diesem Manne gedrobt, als er in das Vorzimmer trat?" „„Es war nur ein Scherz, Majestät."" „Habt Ihr einst ein Mädchen am Hochzeitstage rauben, und als Euch dies mißlang, Eltern und Brüder des Mädchens tödten lassen wollen?" „„Die Drohung war nicht ernst gemeint, Majestät." " „In Schweden hätte Euch die Geschichte den Kopf gekostet, mein Fürst. In Polen scheint man solche Dinge leichter zu nehmen. Ihr müßt Euch übrigens solche Scherze abgewöhnen. Die ziemen einem Könige nicht." Rabbi Bärmann hörte mit Entsetzen die Worte des Königs. So war also Alles umsonst gewesen; Carl hatte also den Gedanken, den Fürsten zum Könige zu proclamiren nicht aufgegeben. Da faßte er einen verzweifelten Entschluß. „Majestät," rief er, „soll ein Mann auf den polnischen Thron erhoben werden, der sein Weib aufgegeben hat, um sie dem König August als Buhldirne zu überlassen?" Lubomirski erblaßte. Man hatte diese Thatsache dem Könige von Schweden sorgfältig verborgen gehalten, da man die Reinheit seines Charakters , die sittliche Strenge seiner Anschauungen kannte. Carl war aufgesprungen. „Ist das wahr?" schrie er. Lubomirski antwortete nicht. Rabbi Bärmann aber sprach: „Die Rcichsfürstin von Teschen hieß ehemals Fürstin Lubomirska." „ „Geht!"" herrschte der König den Fürsten an. Dieser warf einen haßerfüllten Blick auf Rabbi Bärmann und ging. Wenige Tage nachher wurde Stanislaus Leszinski, der Woywode von Posen, zum Könige von Polen erwählt und zwei Monate darauf auch gekrönt. Carl selbst sah irroo§rrito zu, wie man feinen König krönte. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. GottSleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).