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Der Israelit · 1877-05-02 · Heft 18 (2.5.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 18 (2.5.1877)
Date
1877-05-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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415 Czar Peter Frieden geschlossen. Auch in Polen hat er seine Siege nicht dazu benutzt, einen ehrenvollen Frieden zu schließen; er will Eure Majestät vernichten, er will die polnische Königskrone von dem Haupte Eurer Majestät reißen." „„Ich fürchte, es wird ihm gelingen."" „Und wenn ihm auch das für kurze Zeit gelingen sollte, so wird er doch nur solange siegen, biS eine einzige Niederlage seine Macht vernichtet, und dann werden Eure Majestät mit Leichtigkeit die polnische Königskrone wieder erlangen. Darf ich mir erlauben, Eurer Majestät einen Rath zu geben?" „„Rede nur, Du bist klüger als irgend ein Mensch, den ich kenne."" „Es ist mit Bestimmtheit vorauszuseben', daß Carl einen andern König wird einsetzen lassen. Das ist nicht zu verhindern. Aber verhindern könnte man, daß er einen solchen König proclamirt, der Aussicht hat, die Krone zu behaupten. Da sind vor Allem die beiden Prinzen Sobiesky, die Söhne des verstorbenen Königs." „„Ha, ich will sie unschädlich machen; ich lasse sie gefangen nehmen und auf den Königstein bringen. Sie leben gegenwärtig irt Oesterreich, in Breslau. Der deutsche Kaiser ist mein Freund und Bruder; er wird mir das gestatten."" „Die Prinzen Sobiesky sind die gefährlichsten Gegner; dann aber wäre es die Aufgabe, daß der Schwedenkönig einen Edelmann auf den polnischen Thron setze, der ohne Anhang und Familienunterstützung sofort vom Throne fiele, sobald sein Protector die Hand von ihm abzöge." „„Du bist ein Juwel von einem Manne, Behrend. O, könnte ich Dich zu meinem Minister ernennen! Es wäre ein Glück für Polen und für Sachsen. Allein, ich weiß es, Du liebst Deine Religwn und würdest Dich niemals laufen lassen. Und ein Jude Minister — das geht nicht, das Würden sie sich nicht gefallen lassen meine unduldsamen Katholiken, meine halsstarrigen Lutheraner! Aber diese Mission mußt Du ausführen! Du mußt dafür sorgen, daß, wenn Carl einen andern König proclamirt, daß es ein solcher ist, den ich nicht zu fürchten habe."" Als der König in Warschau ankam, wurde er von seinen Getreuen mit großem Jubel empfangen; man hatte nicht anders geglaubt, als daß er gefangen sei. Der König befolgte dcn Rath seines Residenten. Alsogleich schickte er ein Detachement seiner Truppen nach Breslau, um die Prinzen Sobiesky aufzuheben. Diese waren mit dem deutschen Kaiser verschwägert und fühlten sich in dessen Staaten ganz sicher; allein August entschuldigte sich bei seinem Freunde, dem Kaiser Joseph I., mit dem Gebote der Noth, und der Kaiser ließ diese Entschuldigung gelten. Die Prinzen wurden nach Leipzig auf die Pleißenburg gebracht und später nach dem Königstein, woselbst sie länger als ein Jahr gefangen gehalten wurden. Unterdeß hatte König Carl den älteren der beiden Prinzen, Jacob, zum Könige ausrusen lassen; dieser aber war schon ein Gefangener, ehe er die Nachricht von seiner Erhebung erhielt. Nachdem wiederum alle Versuche, den Friede» zu erlangen, gescheitert waren, schlug Carl auf's Neue die Sachsen auf das Haupt, bei Pultowsk; jetzt gerieth auch Warschau in seine Gewalt, und Nichts hinderte ihn mehr, einen andern König einzusetzen. Um diese Zeit kam Rabbi Bärmann nach Warschau, angeblich um im Aufträge König August'S den Frieden auf's Neue zn erflehen, in der That aber, um auf die Königswahl einzuwirken. Carl hatte sich mit dem Fürsten Primas in Verbindung gesetzt, und dieser hatte den ehemaligen Gemahl seiner Nichte, den Fürsten LubomirSki, mit dem er sich wieder ausgesöhnt batte, für den erledigten Königsthron in Vorschlag gebracht. Carl, dem es ganz qleichgiltig war, wer König von Polen werden würde, und dem es nur darum zu thun war, August zu entsetzen, war bereitwillig auf diesen Vorschlag eingegangen. Da kam Rabbi Barmann nach Warschau, überreichte feine Vollmachten und ließ sich beim Könige melden. Der König von Schweden wollte zwar keinen Frieden schließen; aber er war neugierig, einen Juden näher kennen zu lernen, denn in Schweden gab es damals keine Juden. Im Vorzimmer des Königs fand Rabbi Bärmann zu seinem Schrecken den Fürsten Lubomirski. „Ha," schrie dieser, als er Rabbi Bärmann erblickte, „bist Du es, Jude, der es einst gewagt hat, mich zu beleidigen und zu verhöhnen! Zittere, Jude, nicht allein Du, sondern alle Sprossen Deines verfluchten Volkes sollen meinen Zorn empfinden. Bald werde ich König von Polen sein, und dann wehe Euch, Ihr Juden. Wer sich dann nicht taufen läßt, wird gehängt, geviertheilt, gerädert oder doch aus dem Lande gejagt." Rabbi Bärmann erschrak furchtbar; doch hatte er nicht Zeit, ein Wort zu erwidern; der Adjutant des Königs erschien und forderte ihn auf, in das Cabinet des Königs einzutreten. Zitternd und bis in das Innerste seines Herzens erbebend, trat Rabbi Bärmann vor den jugendlichen Helden. Was er eben vernommen hatte, erfüllte ihn mit Entsetzen, und herße Gebete sandte er empor zum Herrn des Weltalls, daß es gelin-

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