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Der Israelit · 1877-05-02 · Heft 18 (2.5.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 18 (2.5.1877)
Date
1877-05-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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414 zusammen: „homo homini deus est.“ — Es liegt mir fern den Versuch der wissenschaftenlichen Begründung dieser Ansicht hier zu kritisiren; ich will nur hervorheben, daß dieser Herr Professer Steinthal DKent an der „Hochschule für die Wissenschaft des JudenthumS ist und jüdische Ethik docirt. Ein Mann, der Gott und Unsterblichkeit, die Grundlage jeder positiven Religion offen läugnet, soll jüdische Ethik lehren, soll Jünger ausbilden, die einst als Rabbiner jüdische Lehre verbreiten, jüdisches Leben erwecken und kräftigen sollen. Kann Herr Professor Steinthal seine wissenschaftliche Ueberzeugung mit der Lehre des Judenthums nicht mehr in Einklang bringen, so möge er seine Stelle an der „Hochschule" niederlegen; aber die ersten Principien des Judenthums abläugnen und doch noch jüdische Ethik weiter dociren, das ist bis jetzt im Judenthum unerhört gewesen; der Herr Professor kann sich auf diese seine Erfindung ein Patent ausstellen lassen, ohne zu befürchten, daß ihm Jemand den traurigen Ruhm der Priorität streitig machen wird. ^Daß dergleichen hier möglich ist, ist ein trauriges Erkennungszeichen der hiesigen religiösen Zustände. Möchte doch die jüdische Gemeinde Berlin endlich aus ihrer Lethargie erwachen und einsehen, welche Institute sie mit ihren Steuern unterstützt, welche Lehre die mit ihrem Gelde unterhaltene Hochschule verbreiten hilft. So lange man aber die Herren am grünen Tische ruhig schalten und walten läßt, ist keine Hilfe möglich;'„jedes einzelne steuerpflichtige Mitglied der Gemeinde muß gegen einen solchen Ethrk-Docenten an einer jüdischen Hochschule laut und feierlich Protest einlegen!" (Jüd. Pr.) Leipzig. Am 23. März fand unter zahlreichem Trauergeleite die Beerdigung des Stadtraths Moritz Kohner statt. Die Spitzen der städtischen Behörden, der Vorstand der jüdischen Gemeinde und Hunderte von Leidtragenden aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung folgten im langen Zuge dem Leichenwagen. Rußland. Kowrro, den 22/3. April 1877. Nach den Forschungen des Herrn Afanassjew betrug die Einwohnerzahl Kowno'S 1857—22,969, und zwar waren darunter 1807 Griechisch-Orthodoxe, 100 Sektirer, 7861 Katholiken, 616 Lutheraner, 12,374 Juden. 1 Karäer und 210 Mohamedaner. — Demnach übertraf die jüdische Bevölkerung bezüglich ihrer Zahl nicht nur jede einzelne Confession, sondern bildete auch mehr als die Häfte der Gesammtbevölkerung. Nach derselben Quelle bildeten die Juden in demselben Jahre in der Kreisstadt Wilkomir 63 pCt., in Ponewesch t0 und im Kreise Telschi sogar 83 pCt., der Bevölkerung. So stellte sich das Verhältniß vor etwa 25 Jahren. Gegenwärtig nun muß dasselbe zu Gunsten der Juden noch bedeutend gestiegen sein. (Jüd. Pr.) Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XX. Der König hielt sich noch einige Tage in Radowow versteckt. Kundschafter wurden ausgeschickt, um über den Stand der Kriegsaffairen Nachricht zu bringen. Die brachten traurige Nachrichten; die ganze sächsische Artillerie war verloren, 6000 Mann waren gefangen. Carl hatte sich mit seinem Heere nach Krakau zugewandt; der Weg nach Warschau war frei. Dorthin fuhr der König in dem Wagen seines Residenten. August war der Verzweiflung nahe; Rabbi Bärmann tröstete ihn. „Majestät," sagte er, „wenn der schwedische König auch noch mehr Siege erficht, am Ende wird er doch erliegen. Es ist wahr, er ist ein Kriegsheld, ein geborener Feldherr, der selbst mit kleinen Armeen die überlegenen Feinde zu schlagen vermag; und dennoch fehlt es ihm an Allem, was die Erfolge sichert." „„Wie meinst Du das?"" fragt der König, der alle seine vertrauten Diener mit „Du" anzureden pflegte. „Es fehlt dem König von Schweden an der höheren Taclik; jung, tapfer, kühn und wild, wie er ist, versteht er es, einen Feldzug rasch zu beginnen und siegreich zu kämpfen; aber er versteht es nicht, einen Feldzug glücklich zu Ende zu führen. Er hat die Russen bei Narwa geschlagen; aber er hat seinen Sieg nicht weiter verfolgt: statt diesen Feind völlig unschädlich zu machen, hat er sich von seiner Rachsucht und seinem Hasse gegen Eure Majestät verleiten lassen, sich sofort gegen Polen und Sachsen zu wenden, ehe er noch mit

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