Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1877)
- Date
- 1877-05-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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413 Die belagerten Juden dagegen waren zur Genüge mit Wasser versehen und zwar durch unterirdische Leitungen, welche unter den Wällen der Stadt hindurchgingen und sich sehr weit in die Umgebung hinein erstreckten. So wurden auch während der Belagerung durch die Kreuzfahrer die Belagerer von entsetzlichem Durste gequält, während die Einwohner mit Wasser wohl versorgt waren. Gegenwärtig bilden die Cisternen das Hauptmittel, die Stadt mit Wasser zu versehen. Jedes Privathaus hat wenigstens eine oder mehrere Cifternen zur Aufnahme des Regenwassers, welches bei besonderer Sorgfalt rein und schmackhaft bleibt. Zu diesem Zwecke wird auf sehr große Reinlich» keit der Dächer und Höfe geachtet, und die Cisterne selbst von Zeit zu Zeit gereinigt. Auf diese Weise werden die größern Häuser gewöhnlich bis zur nächsten Regenzeit mit Wasser versehen. Durch einen Reichthum an Cisternen zeichnen sich die Klöster besonders aus Vorzüglich hat das lateinische Kloster so viele Cisternen, daß cs in Zeiten der Dürre im Stande ist, dem Bedürfnisse aller christlichen Einwohner abzuhelfen. In den kleinern, von Unbemittelten bewohnten Häusern dagegen, liefern die unbedeutenden und auch nicht gehörig unterhaltenen Cisternen ein nur sehr geringes, oft kaum füe ein paar Monate nach der Regenzeit ausreichendes Quantum Wasser, welches auch noch schlecht beschaffen und der Gesundheit nachtheilig ist. Die armen Bewohner der kleinen Häuser müssen daher häufig für Geld das Wasser kaufen, welches aus der Siloahquelle oder aus dem Nechemiasbrunnen in Schläuchen auf den Rücken von Eseln nach der Stadt transportirt wird. Die Schläuche, Kirbeh, bestehen aus dem Felle einer Ziege, welches derart zusammengenäht ist, daß oben am Halse eine kleine Oeffnung zum Füllen und Ausleeren frei gelassen ist. In Zeiten der Dürre nimmt der Preis einer Eselsladung von zwei Schläuchen eine für die Armen fast unerschwingliche Höbe an. Die katholische Geistlichkeit vertheilt in solcher Zeit das Wasser an ihre armen Glaubensgenossen unentgeltlich. Auch unter den Mohammedanern fehlt es nicht an wolthätigen Leuten, welche große mit Wasser gefüllte Gefäße auf die Straße stellen, die allen Vorübergehenden zur Labung dienen. Der Cisternenbau in Jerusalem reicht in das hohe Alterthum hinauf. Schon Kohelet spricht von einem Born mit einem Rade, der wahrscheinlich ähnlich der gegenwärtigen Cisterne beschaffen war. Nach Josephus hatte der Thurm Hippikus eine große Cisterne, die 20 Ellen tief war. Beim Weg- | räumen des Schuttes in der Stadt findet man nicht selten in einer Tiefe von 30 bis 50 Fuß antike Cisternen, die das Gepräge der alljüdischen Bauart an sich tragen. Eben so finden sich im Norden der Stadt, in der Gegend, welche einst von den Mauern eingeschlossen war, zahlreiche Ueberreste alter Cisternen vor, woraus kla^ersichtlich ist, daß Jerusalem von Alters her mittelst Cisternen mit Wasser versehen wurde. Da jedoch die Cisternen für den Wasserbedarf der Stadt nicht vollständig ausreichten, so legten die alten Israeliten große offene Wasserbehälter an, die zum öffentlichen Gebrauche dienten. Außer den Teichen Salomos, auf der Straße nach Hebron zum Nutzen Jerusalems angelegt, hatte die Stadt noch andere wasserreiche Teiche. Solche finden sich noch heute, sowohl im Innern der Stadt, als außerhalb der Stadtmauer. Sie sind meistens sehr massiv gebaut und liegen in Thälern, wo das Regenwasser in sie leicht hineinfließt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 22. März. Dieser Tage kam mir zufällig das letzte Heft (v. 1876) der „Zeitschrift für Völkerpsycholgie und Sprachwissenschaft", herausgegeben von Professor Lazarus und Professor Steinthal zu Gesicht. Ich las zuerst gleichgültig den ersten Aufsatz, der jedoch bald meine ganze Aufmerksamkeit fesselte. Herr Professor Steinthal stellt da in einer philosophischen Untersuchung über die höchsten Probleme der Wissenschaft, für einen jüdischen Professor gar eigentümliche Ansichten über Gott und Welt auf. Ich will nur einige Sätze anführen, die aber so vielsagend sind, daß sie jedes weiteren Commentars entbehren können. Nachdem Herr Dr. Steinthal einleitend bemerkt, daß er schon in dem Alter sei, in welchem man sich selbst und der Welt eine Rechenschaft über den Standpunkt zur Religion schuldig sei. sagt er auf einen früheren Aufsatz in d rselben Zeitschrift Bezug nehmend wörtlich Folgendes: ,.Jai habe in dem erwähnten Aufsatz des vorigen Bandes die drei Ideen Gott, Unsterblichkeit und Freiheit geläugnet!" Um aber den Lesernicht lange im Ungewissen zu lassen, was an die Stelle dieser geläugneten Ideen zu setzen sei, faßt Herr Professor Steinthal sein Bekenntniß in die Worte