Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 18 (2.5.1877)
- Date
- 1877-05-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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411 nicht gerade auf Grund dieser Stelle dieser Verleumdung entgegentreten und sagen: Wenn die jüd. Toleranz so weit geht, selbst Euere Gottesleugnung zu dulden, wie muß diese Toleranz erst uns zu Gute kommen, die wir Gott wieder eine Stätte bei seinem Volke gründen wollen! Das ist ein hswn vby jw iDirv bp, der alle Frieden triefenden Citate ad absurdum führt. Daß alle diese Argumente kaum diesen Namen verdienen und in der That ja auch für die gedankenlose Masse berechnet sind, liegt auf der Hand. Diese wenigen Proben mögen für diesmal genügen , um den Austritt aus der Gemeinde vom Standpunkte des süd. Gesetzes zu würdigen. Das jüd. Gesetz ist nun einmal auf Seiten der Neu- Orthodoxen, oder umgekehrt die sog. Neu-Orthodoxie steht vollständig aus dem Boden des jüd. Gesetzes. Wollen aber die Panegyriker des Gemeindezwangs trotzdem fortfahren, den Austritt aus der Gemeinde als eines der Kriterien der Neu-Orthodoxie zu bezeichnen, so müssen sie die ersten Anfänge des neuorthodoxen Ordens wenigstens um 200 Jahre zurückverlegen. War aber 'in* ddpi also auch schon Neu- und Hyperorthodox, nun dann dürfen wir es auch sein, und machen uns eine Ehre daraus. —n— Die heilige Stadt und ihre Bewohner.*) IV. Der Oelberg, von den Arabern Dschebel el- Tur genannt, ist der höchste Berg in der Umgegend von Jerusalem und liegt im Osten der Stadt, nur durch das enge Thal Kidron von ihr getrennt. Er hat drei Gipfel, von denen der mittlere und höchste gerade der Stadt gegenüber liegt. Der südlich sich hinziehende Theil des Berges, ein niedrigerer Rücken dem Nechemiasbrunnen gegen- I über, wird im zweiten Buche der Könige „Har hamaschchith", Berg des Aergernisses genannt. Nach Norden zu erhebt sich ein anderer Gipfel, der fast eben so hoch wie der mittlere ist. Die Erhebung des mittleren Gipfels über das Meer ist 2555 Fuß oder 415 Fuß über dem Thale Kidron. Jenseits des nördlichen Gipfels biegt sich der Rücken des Oelberges nach Westen zu und breitet sich nördlich von der Stadt aus. Die Straße nach Nablus geht über diese Anhöhe hinweg, von deren Spitze man das etwa eine halbe *) Die heilige Stadt und ihre Bewohner. Bon Dr. Bernhard Neu mann. Zu beziehen durch die Poppelauer'sche Buchhandlung in Berlin. Preis 10 Mark. Stunde entfernte Jerusalem übersehen kann. Diese ^Anhöhe ist der Scopus des Josephus, auf welchem sowohl Cestius, als auch später Titus, in einer Entfernung von 7 Stadien von Jerusalem ihr Lager aufschlugen, und, auf dem auch der letztere die Ansicht der herrlichen Stadt und des prachtvollen Tempels zuerst genoß. > ''luf der Höhe des Oelberges liegt das Dörfchen Tur und eine kleine Moschee mit einem Minaret, dessen Spitze eine höchst interessante Aussicht auf Jerusalem nebst der Umgebung bietet. Jenseit des Kidronthales hebt sich innerhalb ihrer Zinnermauer die Stadt mit ihren unzähligen Kuppeln und Terrassen empor, und ihre Gebäude, alle aus Quadersteinen aufgeführt, leuchten weißgelb im Sonnenglanze. Zunächst fesselt das Auge der große grüne Raum, mit Riesencypressen und Palmen beflanz^, der hinter der Stadtmauer sich! ausdehnt. Dies ist der Gipfel des Moriah, wo einst der Tempel in seiner Herrlichkeit glänzte, jetzt aber die Omarmoschee mit der blaugrauen Kuppel und dem goldnen Halbmond und die Aksa mit dem langen Giebeldach sich erheben. Zur Linken überragt die ganze Stadt der Berg Zion. Hier liegt die Moschee Nebi Daud, das Grab König Davids, und daran reiht sich das jüdische Viertel mit seinen meistens kleinen Häusern, unter denen die beiden neuen Synagogen mit ihren kühn gewölbten Kuppeln hervorragen. Noch ' mehr zur | Linken sieht man die hohe malerische Citadelle,! einst Burg Davids. Blickt man weiter in die j Stadt hinein, so zeigt sich das Viertel der Christen j auf Akra mit den höhern Mauern der zahlreichen Klöster, in deren MiNe die Grabkirche mit ihren großen Kuppeln sich erhebt. Die Umgebungen sind bis an die gezackten Mauern hinan nackt und voll von Gräbern. Unten tief im Thale, das den mit alten Olivenbäumen bepflanzten Oelberg von der Stadt scheidet, ist der alte Bach Kidron und die Siloahquelle, die eine Anzahl grüner Gartenvierecke mit ihren Feigenbäumen und Granaten befeuchtet. Weit hinaus zur Rechten erhebt sich ein grünender Berg, Ramah. Geburtsort und Grabstätte des Propheten Samuel. Nach Osten breitet sich der funkelnde Spiegel des todten Meeres aus; der schwarzblaue Streif bezeichnet den Lauf des Jordan, und hinter ihm heben sich die Berge Moab empor und verbergen dem Auge die Sandwüste. Mit dem physischen Auge allein gesehen, ist dieser Anblick freilich wenig geeignet, ein außerordentliches Interesse zu erregen. Weder die Stadt, noch die Landschaft bergen jetzt einen besonders mächtigen Zauber für denjenigen Reisenden, dem das Auge des Glaubens nicht geöffnet ist. Dieser