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Der Israelit · 1877-04-25 · Heft 17 (25.4.1877) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 17 (25.4.1877)
Date
1877-04-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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394 nun einen Plan entworfen, wonach sämmtliche evangelische Schulen und die israelitischen Gemeindeschulen mit den katholischen Schulen verschmolzen werden sollen, jedoch so, daß eine möglichst gleiche Anzahl von Schülern jeder Konfession in einer solchen Simultanschule zusammenkommt. Diesen Plan hat die Schuldeputation der Regierung im vorigen Monat zur Genehmigung eingereicht. Diese hat sich aber nicht in der Lage gesehen, denselben zu genehmigen, weil die evangelischen Schulen und die israelitischen Gemeindeschulen schon mehrklassige seien und weil zur Einführung der Simultanschule eine starke Mischung der Konfessionen in den betreffenden Stadttheilen erforderlich sei. Gegen diesen ablehnenden Bescheid beantragte nun die Schuldeputation bei dem Stadtverordnetenkollegium Rekurs beim Unterrichtsminister zn ergreifen. Dieser Antrag kam gestern Abend zur Verhandlung und wurde nach langer und mitunter erregter-Debatte mit 22 gegen 5 Stimmen angenommen. In der Bürgerschaft wird für Petitionen gegen die Durchführung der Simultanschule agitirt. Afrika. Mpgador. Unter den hiesigen Israeliten herrscht große Aufregung. Der hier ansässige englische Pastor wendet alle Mittel und Wege auf, um die Israeliten zum Christenthum zu bekehren. Obgleich sich einige angesehene Israeliten dieserhalb beschwerend an den Landesfürsten gewandt haben, fährt dieser Missionsjäger in seinem Seelenwaidwerk ungestört fort und hat es besonders auf die armen Juden abgesehen, die er durch Verabreichung von Geldunterstützungen u. s. w. zu gewinnen sucht. (Arch. isr.) Feuilleton. Aus drm Mittelalter. Von Friedrich Rott. XI. Als Gabriel seine Mittheilungen geendet, lehnte er erschöpft zurück und ein leichtes Beben erschütterte seinen Körper; er hatte im Erzählen so manchen tief erregenden Moment noch einmal durchlebt, die übergroße Anstrengung und Aufregung der verflossenen vierundzwanzig Stunden wären auch nicht spurlos an ihm vorübergegangen, und überdies war eine plötzliche Aenderung im Wetter eingetreten; die fast sommerliche Milde des Tages war einer empfindlichen Abendkälte gewichen; ein rauher Wind hatte sich erhoben und scheuchte die niederfallenden Regentropfen den Reisenden in's Gesicht. Rabbi Pineas hüllte den Knaben in den eigenen Mantel und bemühte sich, durch erheiternde Gespräche den Erregten zu beschwichtigen. Er erzählte ihm von der Heimath, der sie entgegenfuhren, von seiner Gattin, die mit Mutterliebe für ihn sorgen und ihn pflegen werde, von den Kindern, die er Gabriels Geschwister nannte, und wußte durch trauliche Schilderungen des Familienkreises, dem er nunmehr angehören sollte, die aufgeregte Fantasie des Kindes mehr und mehr zu beruhigen. Endlich hatte man das Ziel erreicht, der Wagen hielt vor einem der ersten Häuser der Stadt, und gleichdarauf vernahm man auch schon die Stimmen jubelnder Kinder, die einander zum Hause hinaus drängten, den heimkehrenden Vater zu begrüßen. Dieser rief ihnen schon vom Wagen hinaus freundliche Worte entgegen; sie mußten jedoch länger als gewöhnlich warten, bevor sie sich an ihn hängen konnten; denn vorsichtig hob er seinen kleinen Reisegefährte herunter und, ihn fest an der Hand haltend, schritt er mit ihm und dem Hunde dem Hause zu. Neugierig blickten die Kinder auf den fremden Knaben, doch waren sie zu wohlerzogen, um in seiner Gegenwart über ihn zu fragen; in der Hausflur jedoch trat auch die Mutter, dem Heimkehrenden entgegen und, indem die Gatten einander herzlichst begrüßten, traten alle in das freundliche stamilienzimmer. wo im Kamin ein Helles Feuer brannte, eine angenehm wohlthuende Wärme verbreitend. Rabbi Pineas half dem blinden Knaben sich des schweren Mantels entledigen, dann führte er ihn zu seiner Frau. „Liebe Zippora" sprach er, „hier bringe ich Dir einen neuen Sohn, ich habe versprochen, ihm Vater zu sein und zweifle nicht, daß auch Du ihn wie eine Mutter lieben wirst, denn er ist ein braver wackerer Knabe." Freundlich zog Zippora das zitternde Kind an sich, doch ihr Blick wandte sich in fragender Verwunderung dem Gatten zu. In wenigen Worten theilte dieser mm das Hauptsächlichste aus den Erlebnissen des Knaben mit. Tief ergriffen drückte Zippora einen innigen Kuß auf Gabriels

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