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Der Israelit · 1877-04-25 · Heft 17 (25.4.1877) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 17 (25.4.1877)
Date
1877-04-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XY1II. Jahrgang. Erste Seilage zu Ilr. 17 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e n t s ch l a n d. Heilbronn <*. N. Am 1. April d. I. war die große Mehrzahl der israelitischen Gemeinden Württembergs durch Deligirte vertreten,’ welche eingeladen waren, nach dem Muster großer Städte in Bayern einen oder mehrere Unterstützungsverbände für arme durchreisende Israeliten zu gründen, um den unwürdigen Straßen- und Hausbettel zu verscheuchen, junge und kräftige Bettler zu lohnender Arbeit zu zwingen und bedürftigen Wanderern eine größere Gabe von einer zu andern Centralstation ein - bis zweimal im Jahre verabreichen zu können. Der hiesige schon seit 16 Jahren bestehende Aunenunterstützungsverein hat für das erste Probejahr die Funktion des Vororts vom I.Juli d. I. an übernommen in der Hoffnung, daß die Verbandgemeinden, welche fortan von den bettelnden Wanderern nicht besucht werden, jedenfalls keine direkten Gaben in die Hand solcher fremden Bettler verabfolgen lassen, einen entsprechenden Jahresbeitrag in die Vorortskasse leisten und die Borortsfunklionen abwechselnd auch von andern Städten an der Eisenbahnlinie übernommen werden. — Die Statuten nach dem Muster der hiesigen und Fürther Satzungen bereits gedruckt, kommen bald zur Vertheilung und sind geeignet, den Eintritt sämmtlicher württ. Gemeinden und Vereine zu erwirken, resp. weitere Verbände ins Leben zu rufen. Dem ordentlichen Nechenschaftsbericht der hiesigen nny man, welcher andern Tages erstattet wurde, entnehmen wir folgende Notizen: Die Zahl der Armengaben im Jahre pro Nissan 18^ 6/7, hat gegen das Vorjahr um 384 zugenommen und so die Höhe von 1367 erreicht, wofür 3538 Mk. 70 Pf. aufgewendet worden sind. Während aus Württemberg und Baden zusammen nur 210 Armen zur Kasse gekommen sind (Württemj berger gar blos 67), hat uns das ferne östliche! Ausland leider wieder 1175 reisende Armen gesendet. Wir hoffen, daß das deutsche Gesetz über den Armenunterstützungswohnsitz mehr und mehr seine gute Wirkung entfalten und jede Gemeinde nach Kraft, Ehre und Pflicht dahin streben werde, ihre Ortsarmen so zu unterstützen, daß sie nicht oder j höchst selten nur den Bettelstab in die Hand neh- I men und von Ort zu Ort wandern müssen, um sich, Weib und Kind vor Hunger zu bewahren. Tip» 53Kn o ted hingegen sollten j insbesondere diejenigen jungen Männer, Frauen! und Jünglinge beherzigen, welche in der Lage sind, ihre körperliche und geistigen Kräfte lohnend zu verwerthen. Köln, 17. April. Mit August 1874 hat man mit. der Reorganisation unseres Volksschulwesens begonnen und ist heute damit noch nicht zu Ende. Zwar ist den Volksschulen der confessionelle Charakter genommen, aber die Simultanschule ist noch nicht durchgeführ, ebenso auch noch nicht überall die sechsklassige Schule. Die geistlichen Schulvorstände und Lokalschulinspektoren hat man beseitigt. Dafür hat man eine Schuldeputation gebildet, einen städtischen Schul-Jnspektor eingesetzt und als Leiter der einzelnen Schulbezirke Hauptlehrer zu Retoren ernannt. Diese neue Einrichtung hat viel böses Blut unter der Bevölkerung abgesetzt, namentlich unter der katholischen. Die größte Aufregung hat aber jetzt unter der Bürgerschaft Die Thatsache hervorgerufen, daß man mit der Durchführung der Simultanschule Ernst macht. Dieselbe hat bei den lokalen Verhältnissen ihre Schwierigkeiten. Das katholische Element überwiegt zu sehr das evangelische und israelitische. Die Katholiken sind selbstredend principiell gegen die Simultanschule. Aber auch unter den Evangelischen und Israeliten hat dieselbe hier viele Gegner. Diese befürchten wegen ihrer Minderheit einen nachtheiligen Einfluß von der Simultanschule. Der Unterrichtsminister und die hiesige Regierung haben es in verschiedenen Nescripten ausgesprochen, daß man da, wo die confessionellen Elemente nicht stark gemischt seien, von der Einführung der Simultanschule absehen und überhaupt mit Schonung der bestehenden Verhältnisse zu Werke gehen möge. Bisher wurde denn auch nur eine evangelische Schule mit einer katholischen zu einer paritätischen verschmolzen. Dies fand die Zustimmung der kgl. Regierung, weil die betreffende katholische Schule nur einen kleinen Bezirk umfaßt. Dabei war man aber doch noch genöthigt, den Bezirk der evangelischen Schule bedeutend zu erweitern, um nur einigermaßen eine gleiche Zahl katholischer und evangelischer Schüler in diesem Bezirk zu vereinigen. Die Schuldeputation hat

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