Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1877)
- Date
- 1877-04-18
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447712--13627-2469502- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Suhl 1× ep/1045794
OCR text
378 Hilfe einer Geldverloosung zu Stande gebracht. Im guten Glauben, ein frommes Werk zu fördern, hat auch Schreiber dieser Zeilen zur Verbreitung dieser Synagogenbau - Loose eifrig und uneigennützig beigetragen. Zu nicht geringem Staunen und mit Verdruß ersehe ich nun aus öffentlichem Concurrenz - Ausschreiben zur Besetzung der pn- Stelle in dieser Synagoge, daß letztere auch mit einer Orgel versehen wurde. Mit Recht kann man hier fragen, ob dies nicht ein reines Hintergehen derjenigen Loosabnehmer und Verbreiter ist, die nie und nimmer den Bau einer Orgel-Synagoge, als eine anti-religiöse Institution, gefördert haben würden? Ist ja die Orgel in der Synagoge dasjenige Instrument, daß die orthodoxen und reformistischen Glaubensgenossen am untrüglichsten von einander scheidet! Da wäre es wohl am Platze gewesen, daß die Gemeinde-Repräsentanz mit dem Rabbiner an der Svitze gleich bei Einführung dieser Loose und der Aufforderung zu deren Verbreitung öffentlich erklärt hätten, daß es sich um eine Orgel-Synagoge handle. Vielleicht wäre dies anderseits wieder eine Lockspeise zur Förderung des Unternehmens auf reformistischer Seite gewesen! oder glaubte man daran nicht? nun dann hätte es um so eher gesagt werden müssen! Haben nun' diese Zeilen auch für vorliegenden Fall keinen praktischen Erfolg, da eine Reclamation zwecklos sein würde, so mögen dieselben wenigstens in dieser Beziehung zur Vorsicht mahnen, nur für den Aufbau solcher Synagogen zu wirken, wo Garantie geboten, daß es sich auch wirklich um eine Synagoge im Sinne unseres heil. Religions- Gesetzes handelt. (Auch dem Redacteur d. Bl. hatte man eine Anzahl Loose zugeschickt; auf unsere Anfrage, ob die Synagoge dem jüdischen Religionsgesetze entsprechend eingerichtet würde, erhielten wir keine Antwort; wir schickten daher die Loose zurück. Red.) Berlin. Dom Pedro, der Kaiser von Brasilien , besichtigte neulich die neue Synagoge in der Oranienburgerstraße. Vor dem Betreten des Gotteshauses sagte er zu dem Kastellan: „In meiner Heimath ist es Sitte, bei dem ersten Besuche einer Kirche etwas Wasser und Salz zu genießen. Ich bitte Sie, mir Beides zu reichen." Nachdem dieser Aufforderung schnell Folge gegeben worden, besichtigte der Kaiser die Synagoge genau, ließ sich die heilige Lade aufschließen und eine Thora aufrollen. Er zeigte sodann, daß er nicht nur auf dem Gebiete modernen Wissens heimisch ist, sondern auch die orientalischen Sprachen versteht, indem er auf der aufgerollten Stelle eine ganze Kolumne laut und im hebräischen Urtext ablas. Es schien ihm dieser Besuch so viel Vergnügen bereitet zu haben, daß er, nach reichlichem Bedenken der Armenbüchsen, für Freitag einen erneuten Besuch mit feiner Gemahlin in Aussicht stellte, der aber unterblieb. Berkach bei Meiningen. Am 10. d. M. hat sich folgender traurige Fall ereignet. Der Sohn des hiesigen Schuhmachers Jakob Heßberg. Louis H e ß b e r g, ein braver, intelligenter, junger Mann, 20 Jahre alt, der 6 Jahre in einem Hause in Suhl conditionirt und sich nicht nur das volle Vertrauen seines Principals, sondern auch die Achtung und Liebe der Umgegend erworben hatte, wurde am genannten Tage, Abends gegen 8 Uhr, zwischen Zella und Suhl. a/4 Stunde von letzterem Orte, ermordet und seiner Baarschaft, etwa 600 Mark, beraubt; die Mörder, die ihn mit seinem eigenen Sacktuche erdrosselten, sind noch nicht entdeckt. Die tiefbetrübten Angehörigen finden allgemeine Theilnahme. py -pnu am« OM' oipon Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. In einer der jüngsten Sitzungen des Wiener Gemeinderaths gelangte folgende Zuschrift zur Verlesung: „Hochwohlgeborner Herr Bürgermeister! In der Absicht, den freudigen Gefühlen, welche die Geburt eines Sohnes in meinem Herzen angeregt hat, einen materiellen Ausdruck zu verleihen, sehe ich mich veranlaßt, für das Kinderspital in der Leopoldstadt eine Bettstiftung zu errichten. Dieselbe soll auf den Namen meines Sohnes, Georges Anselm Alphonse Freiherr v. Rothschild, lauten und knüpfe ich hieran die einzige Bedingung, daß der Genuß der Bettstiftung armen Kindern ohne Unterschied der Confession zugewendet werden soll. Ich dotire die Stiftung mit dem Betrage von 3000 fl., welche ich mich beehre, in der Anlage Ihnen, hochgeehrter Herr Bürgermeister, zu überreichen, und ersuche ich Sie, gefälligst das Weitere in dieser Angelegenheit veranlassen zu wollen. Indem ich Ihnen für die hiebei erwachsende Mühewaltung, die Sie zu wiederholtenmalen in so liebenswürdiger Weise zu bethätigen die Güte hatten, meinen verbindlichsten Dank ausspreche, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ganz ergebener Albert Freiherr v. Rothschild m. p. Wien, 9. April 1877. Die Versammlung drückt durch Erheben von den Sitzen den Dank aus.