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Der Israelit · 1877-04-18 · Heft 16 (18.4.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 16 (18.4.1877)
Date
1877-04-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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367 Feuilleton. ftx KSniglichk NksidkNt. (Eine historische Erzählung.) XVIII. Im Norden unseres Erdtheils befindet sich ein Reich, welches zur Zeit unserer Erzählung auf der Höhe seiner Macht stand und zu den einflußreichsten Mächten Europas gezählt wurde. Während des dreißigjährigen Krieges halte sich Schweden zuerst in die europäischen Verhältnisse gemischt und hatte seitdem stets an Macht zugenommen. Dänemark, Rußland und Polen betrachteten schon ein halbes Jahrhundert lang die Überlegenheit, zu welcher Schweden gelangt war, mit Eifersucht und Neid. Dänemark hatte schon zweimal zu den Waffen gegriffen, um Schweden zu bekriegen, war aber beidemal durch des letzteren treuen Alliirten, durch Frankreich, daran verhindert worden; deßgleichen war Czar Alexi Michailowitsch mit dem Plane umgegangen, Narwa und Jngermanland den Schweden zu entreißen, und Polen hatte seine Könige bei jeder Thronoeränderung durch die pacta conventa zur Wiedererlangung der ihm entrissenen Länder verpflichtet, was vorzüglich das im Frieden von Oliva an Schweden abgetretene Liefland betraf. Jetzt schien der Augenblick günstig, Schweden zu demüthigen und zu schwächen. Frankreich, Schwedens treuer Verbündeter, war durch die spanischen Erbfotgestreitigkeiten verhindert, in die Action zu treten, da es sich seiner eigenen, verbündeten Feinde: England, Oesterreich und Holland, zu erwehren hatte. Auf Schwedens Thron saß ein achtzehnjähriger, unerfahrener Jüngling, Carl XU., der an der Bärenjagd und andern gefährlichen Abenteuern sich erlustigte, sich aber um Reich und Armee gar nicht kümmerte; mit ihm hoffte man, leicht und schnell fertig zu werden. Dagegen saßen auf den Thronen der andern nordischen Reiche tüchtige, kriegserfahrene Regenten. Czar Peter I. wollte um jeden Preis an der Ostsee einen Seehafen erwerben, um Rußlands Handel zu fördern und das große, noch wenig cultivirte Land zu civilisiren und zu einer Seemacht zu erheben. König Friedrich IV. von Dänemark wünschte nicht weniger glühend den für Dänemark so schimpflichen Vergleich von Altona, der ihm das Herzogthum Schleswig entzogen hatte, umzustoßen. König August von Polen endlich wollte nicht nur der übernommenen Verpflichtungen Nachkommen und Liefland für Polen znrückerobern, er wollte bei dieser Gelegenheit die sächsischen Truppen in'S Land ziehen, um das polnische Wahlreich in eine erbliche Monarchie umzuwandeln. So war denn Zündstoff genug anzehäuft. Den ersten Funken warf ein licfländischer Edelmann, Namens Patkul, und sogleich loderte die schreckliche Kriegsflamme empor. Patkul hatte aus seiner Heimath entfliehen müssen, um nicht in Schweden den Tod durch Henkershand zu erleiden; er war gegen den verstorbenen König.Carl XI, welcher mit großer Willkür die liefländischen Edclleute eines Theils ihrer Güter beraubt und diese in königliche Domänen verwandelt hatte, mit großer Heftigkeit aufgetreten und war der Majestätsbeleidigung angeklagt worden. Lange war er in Deutschland und der Schweiz, in Frankreich und in Italien umhergeirrt, bis er durch Graf Flammig beim Könige von Polen eingeführt, an dessen Hof einen Ort der Sicherheit und in dessen geheimen Rath eine Versorgung fand. Von Liebe zu seinem Vaterlande, das er so ungern verlassen hatte, und von Rachgier gegen den schwedischen Hof, d«'r ihn verfolgte, glühend, begeisterte er den König August zu einem Kriege gegen Schweden durch die Vorstellung. daß bei dem allgemeinen Mißvergnügen des liefiändischen Adels die Rückeroberung von Liefland für Polen eine Kleinigkeit sein würde. Nun wurde eine Trivpelallianz mit Rußland und Dänemark geschloffen. König August besetzte Liefland, König Friedrich rückte in Schleswig ein, und Czar Peter erschien mit einer ungeheuren Armee vor Narwa. Der Jüngling auf dem schwedischen Throne, der sich ohnehin wenig um Regierungsgeschäfte bekümmerte, schien verloren zu sein. ' Carl XU. kehrte gerade von einer Bärenjagd zurück, als er diese furchtbaren Nachrichten, daß;eine drei mächtigen Nachbnren ihn erdrücken wollten, erhielt. Diese Nachrichten machen den Knaben zum Manne, sie bringen seinen Character zur Reife, geben ihm Much und Besonnenheit. Von diesem Augenblicke an, hat kein Vergnügen Reiz mehr für den königlichen Jüngling; er lebt nur seiner Pflicht Schnell wird die Armee organisirt und schlagfertig gemacht; der Geringste unter den mächtigen Gegnern soll zuerst gedemüthigst werden. Er setzt nach Dänemark über, bombardirt die dänische Flotte vor Copenhagen, rückt dann zu Lande gegen die dänische Hauptstadt, so drohend, daß schon nach sechs Wochen der Friede von Travendal dem Feldzuge ein Ende macht. Dänemark ist gedemüthigt und muß seiner Allianz mit Polen und Rußland entsagen. Aber Carl

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