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Der Israelit · 1877-04-18 · Heft 16 (18.4.1877) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 16 (18.4.1877)
Date
1877-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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366 Am 27. Januar c. erschienen 6 Israeliten: Baruch sin Strul, Schneider, David Mendel, Aepfelhändler, Joine Meidain, Klempner, Meir Ghelber und Peisich sin Avram, Bäcker, vor dem Gericht von Roman, unter der Anklage, einen gewissen Gheorghie Jancu thätlich angegriffen zu haben; zwei andere Israeliten, Jtrul Benglas und Peisich sin Avram, waren einer bei diesem Anlasse gegen die Polizei geübten Widersetzlichkeit beschuldigt. Das Gericht'verurtheilte nach kurzer Berathung die sechs erstgenannten jeden zu 6 Monaten, Benglas zu 14 Monaten und Avram zu 2 Jahren Gefängniß und außerdem alle zusammen zu 500 Fr.,Entschädigung an Jancu für die ihm ertheilten Schläge. An demselben Tage, dem 27. Januar c., hatte dasselbe Gericht einen H. Gheorghie Pastravanu, der den Israeliten Dude sin Leiba und dessen Frau Nach« mißhandelt hatte, zu richten und verurtheilte ihn zu 5 Fr. Strafe an den Fiscus. (Die Israeliten von Serbien.) Die 1l isr. Familien, welche aus Semendria ausgewiesen werden sollten, haben den Ausweisungsbefehl noch nicht erhalten; man erklärt diese Milde durch die Lage des Landes, das sich nicht durch eine Judenverfolgung die Sympathien Europa's entfremden darf. Drei dieser Familien sind österreichisch-ungarischer Nationalität und haben die Intervention ihres Consuls in Belgrad reclamirt; dieselben werden unzweifelhaft weiter in Semendria bleiben dürfen. Verschiedene Zeitungen des Auslandes haben die Wahl eines israel. Deputirten, Namens Oserowstsch, in die nach Belgrad berufene Große Skuptfchina gemeldet. Das C.-Comite hat noch keine Bestätigung dieser Thatsache erhalten. (Die Israeliten der Türkei.) Die Pariser Verhandlung vom December pr., sowie verschiedene vom Bezirks-Comite gethane Schritte haben Sympathien für die Israeliten erweckt und die Verbesserung ihres Looses vorbereitet. So hat auf Veranlassung des H. Agiman, der berühmte englische^ Philantrop, Sir James Long, der Bulgarien bereifte, sich bereit erklärt, in Tatar Bazardjik ein Schulhaus für die Israeliten bauen zu lassen. Sowohl das C.-Comite als das Bezirks - Comitv der Türkei haben an Sir James Long Dankschreiben gerichtet. England. London. Die Woche vor dem Peßachfeste wurde die „East London Synagoge" unter den üblichen Ceremonien eingeführt. Oberrabbiner vr. Adler hielt die Weiherede. Das neue Gotteshaus enthält 580 Sitze und einen freien Raum für weitere 120 Plätze. Die Baukosten beliefen sich auf 28,000 L. (Jew. Ehr.) Rumänien. Bukarest, 8. April. Der Senat hat noch vor seinem Hinscheiden ein gutes Werk vollzogen. Die vertriebenen Juden aus Vaslui hatten sich, wie Sie wissen, an diesen Körper gewendet und um Abhilfe gebeten. Es ist nun officiell festgestellt, daß die Vertreibungen factifch stattgefunden haben. Der erste Delegirte des Ministers Vernescu, ein Advocat Namens Protopopescu Pache, der fast ausschließlich von jüdischer Clientel lebt, war nach Vaslui gegangen und hatte dis Stirne, Alles rundweg wegzuleugnen. Eine zweite Untersuchung des Herrn Pencovici bestätigte jedoch die Thatsachen und gab die Schuldigen an, darunter Herrn Lupascu und seine amtlichen Helfershelfer. Der Bericht Pencovici wurde jedoch verheimlicht, und Herr Rratianu ließ officiell in London und Paris durch seinen diplomatischen Agenten Schcndrea die Thatsache leugnen. Nun hat der Senat den Bericht an's Licht gezogen und der officiellen Lüge die Maske abgerissen. Zum Glück für die Würde des Landes fanden sich im Senate einige Männer, welche die Petition der Juden befürworteten. Der schließlich angenommene Antrag des Senators Casimir lautet: „Da der Senat aus den Acten des Ministeriums des Innern erfahren hat, daß eine Untersuchung stattgefunden und die Schuldigen eruirt worden sind , so fordert er, daß die Regierung die Schuldigen zur Verantwortung ziehe, und geht zur Tagesordnung über." Es bleibt abzuwarten, ob Herr Bratianu dieser „Forderung" willfahren wird. Herr Lupascu ist mittlerweile in der unverletzlichen Haut des Kammer-Abgeordneten. Rußland. Petersburg. Herr vr. I. Silberling, welcher seit 30 Jahren eine höhere Stellung im Cultusministerium eingenommen, erhielt vom Kaiser den Wladimirorden und wurde auch in den Adelsstand erhoben. Derselbe hat sich um die Erweiterung der Volksbildung in Rußland große Verdienste erworben und als Referent im Cultusminifterium stets die jüdischen Interessen gefördert. vr. S. hat sich nunmehr in Wien niedergelassen. Demnächst soll ein kaiserlicher Mas erscheinen, der allen russischen Juden, welche eine Mittelschule absolvirt haben, das Niederlaffungsrechi im ganzen russischen Reiche gestaltet. (W. Isr.)

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