Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1877)
- Date
- 1877-04-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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363 daß es den Intentionen der Israeliten in Deutschland entsprich!, wenn die Kinder ihrer Glaubensgenossen in Palästina für das von ihnen gespendete Geld in diesem Geiste unterrichtet werden. Ferner bin ich durch meine Stellung darauf hingewiesen, das Verlernen der deutschen Sprache bei meinen Schutzgenossen nicht zu gestatten. Meine Instructionen sind in dieser Beziehung ganz gemessen, und machen die Fortbewilligung des deutschen Schutzes ausdrücklich von der Erhaltung der deutschen Sprache abhängig. Ich habe diesen meinen Standpunkt den Mitgliedern meiner israelitischen Schutzgenossenschaft gegenüber wiederholt, \a seit Uebernahme dieses Amtes fortwährend betont, und ihnen vorgestellt, daß es doch keinen Sinn habe, wenn einmal eine Sprache Unterrichtssprache sei, diese Sprache nicht auch richtig anzuwenden, und daß mit der Hebung der Bildung des Volkes dessen Religion gar nicht gefährdet sei, im Gegentheil sich die Begriffe der allgemeinen Sittlichkeit auch heben müßten. Gegen Verbesserungen auf diesem Gebiete wenden mir meine jüdischen Familienväter immer die Mittellosigkeit der Talmud-Thora-Schule ein. Ich knüpfe daher hier wieder an, Verehrtester Herr Doctor, indem ich es als sehr wünschenswerth bezeichnen muß, wenn sich die großartige Wohlthätigkeit der europäischen Israeliten mehr auf die Schulen würfe. Nur müßte dabei auch gleichzeitig dafür gesorgt werden, daß die Schulen' sich auch wirklich heben. Ich bitte mich hier ja nicht mißzuverstehen, als ob ich etwa religiös-reformatorischen Bestrebungen huldigte. Dies liegt mir vollständig ferne. Im Gegentheil muß die Ausbildung der Jugend sich hier streng auf dem Boden des orthodoxen Glaubens halten, sollen nicht alle Verhältnisse auf den Kopf gestellt werden. Aber beweisen denn nicht Hunderte und Tausende von frommen Israeliten in Deutschland, daß man sich sehr gut eine wissenschaftliche, ja gelehrte Bildung aneignen kann, ohne darum gleich ein Spinoza zu werden? Mir liegt es, Verehrtester Herr Doctor, daran, daß meine jüdischen Landsleute hier nicht, sit vonia. vsrbo! verpolen. Sie find leider dazu auf dem guten, oder vielmehr üblen Wege. Mit dem polnischen Costüm haben sie polnische Ignoranz und polnischen — Schmutz hier eingeführt. Wenn sie aber den Schutz eines großen und wahrhaften Culturstaates genießen wollen, so mögen sie sich auch dessen würdig zeigen. Und dies ist meiner Ansicht eggenwärtig Rabbiner in Kolomea in Galizien, die Rede, und der von diesem gepredigte Grundsatz lautet: „Jüdisch-Deutsch ist die allein heilige Sprache Israels, jede andere ist gottlos*. nach nur durch Hebung des Schulwesens zu erreichen. Mein innigster Wunsch geht daher dahin, daß die israelitische Wohlthätigk'eit in Deutschland nebst Bewilligung der nöthigen Mittel den hiesigen Schulen eine Organisation verleihe, welche die Heranwachsende Generation von dem polnischen Schmutze, innerlich und äußerlich, rein wasche und sie, nicht zu Freigeistern, sondern zu frommen Israeliten, aber rechtlichen und tüchtigen Staatsbürgern erziehe. Mit der vorzüglichsten Hochachtung bleibe ich Eurer Ehrwürden ganz ergebenster Frhr. v. Münchhausen, Kaiserlich Deutscher Consul in Palästina. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u l s ch l a n d. Würzburg. In Nr. 12 des „Israelit" bringt Herr E. I. Roos aus Werneck einen Ergänzungsbericht über den Verlauf der 50jährigen Jubiläumsfeier des hiesigen Dibbuk Chaverim- Vereins, indem er nach seinen eigenen Worten der „ernsten Seite des Festes" Ausdruck verleihen will. Herr Roos berichtet nun, wie rosn mx1? sich ein Wettstreit entspann zwischen Herrn Distr -- Rabbiner Bamberger in Kissingen, welcher die Gründung eines Vereins zur Verbesserung bez. Herrichtung von nwpo anregte, Herrn Districts- Rabbiner Hirsch aus Burgpreppach, welcher mit Energie für Gründung einer höheren Knabenschule, wo mm und Wissenschaft Hand in Hand gehe, eintrat, und ihm, welcher mit eindringlichen Worten die Nothwendigkeit eines jüdischen Spitals auseinandersetzte. Wenn nun gleichwohl alle drei Anträge ihre Berechtigung hatten, und jeder Jehudi Hrincipiell damit einverstanden sich erklären wird, so fand ich doch die Zeit und den Ort nicht geeignet zur Erörterung dieser hochwichtigen Fragen und erlaubte mir auch in diesem Sinne gegen alle drei Anträge, wie solche gestellt waren, zu sprechen. Zuvörderst setzte ich auseinander, wie äußerst schwierig es sei, solche neue Einrichtungen in's Leben zu rufen, wie ich selbst die Erfahrung machen mußte bei dem von mir vor vielen Jahren projectirten mr; lOir? - Verein, welcher uns in religiöser Beziehung das bringen sollte, was die „All.Jsr." zu Paris in politischer Beziehung leistet, daß diese Idee nach jahrelangem Ringen, trotzdem sie allgemeine Billigung gefunden, dennoch nicht ausgeführt