Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1877)
- Date
- 1877-04-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447712--13613-2469488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
364 - werden konnte. Ferner glaubte ich auch, daß die Zeit von ny? man wo man bis man mcht gerade mit Fasten zugebracht hatte, sich nicht eigne, auf Erörterung solcher Fragen einzugehen, insbesondere da eine Verschiebung dieser Fragen um so weniger nachtheilig sein dürfte, als es sich ja nicht um sofortige Einsammlung von Mitteln zu dem einen oder andern Zwecke handeln konnte, was in der Regel durch eine gehobene Stimmung erzielt wird; denn, wenn gleichwohl die Orthodoxie kräftig vertreten war, von einer gleichen Vertretung des Capitals war keine Spur. Etwas ganz anderes ist die jetzige Aufforderung des Herrn Roos, diese Angelegenheit eingehend im „Israelit" zu besprechen, welcher Aufforderung ich gerne, so weit als mir möglich, hiermit nachzukommen suche. Die vorgeschlagene Errichtung eines jüdischen Spitals in Würzburg ist ein längst gefühltes und anerkanntes Bedürfnis und wurde schon vor vielen Jahren von unserm für alles Gute hochbegeisterten Herrn Distr.-Rabbiner S. B. Bamberger in Angriff genommen, indem er eine desfallsige Subscriptionsliste eröffnete und selbst colportirte, welche eine Zeichnung von ca. 25,000 Gulden ergab. Diese Summe reichte aber bei Weitem nicht einmal zu einem Anfangsversuch aus, weshalb sie auch nicht einkassirt wurde. Wenn nun zu jener Zeit, als die Welt noch in besseren Verhältnissen lebte, dieses Project als unausführbar sich erwies. so dürfte die Jetztzeit um so weniger geeignet erscheinen, so bedeutende Summen herbeibringen zu können, welche zur Gründung eines Spitals nöthig sind. Einen schlagenden Beweis liefern ja die jahrelangen Sammlungen für ein Spital in Jerusalem, ein Project, für welches doch, so zu sagen, das ganze Judenthum einstehen sollte, und doch ist das Resultat bis dato noch nicht derart, daß man nur mit einem Anfang beginnen konnte. Ich will hiermit keineswegs gesagt haben, daß man nicht noch einmal einen Versuch damit machen soll, aber auf baldige Realisirung ist durchaus nicht zu rechnen. Gesetzt jedoch, daß dieses Project ausführbar sei, so wäre doch der eigentliche Zweck, den Herr Roos im Auge hat, nicht erreicht. Ein Spital ist durchaus keine Irrenanstalt, wie dieses sa selbst das großartige Julius-Spital zu Würzburg zeigt. Dieses Spital nimmt zwar Geistesschwache für kurze Zeit auf, um zu sehen, ob in kurzer Zeit Heilung zu erhoffen ist, und ist dieses nicht der Fall, dann gibt das Spital selbst die Geistesschwachen der Irrenanstalt ab. Herr Roos sagte uns in seinem Vortrage, daß leider über 90 jüdische Geisteskranke in der Irren- Anstalt zu Werneck sich befinden, und schilderte in grellen Farben die häufigen und mannigfachen Gewissensbisse dieser Unglücklichen wegen des Zwanges, nichtkoschere Kost genießen zu müssen, und wie diese Aufregung und Gewissensunruhe ihre Heilung erschwert oder gar unmöglich macht. Meine unmaßgebende Meinung wäre nun, dahin zu trachten, in der Anstalt zu Werneck eine Küche mit koscherer Einrichtung zu ermöglichen. Die Erlaubniß hierzu dürfte bei der allgemein anerkannten humanen Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg zu erlangen sein, und zwar umsomehr, als der Herr Director der Anstalt zu Werneck die Zweckmäßigkeit einer solchen Einrichtung hoffentlich begutachten würde, weil hierdurch die Hausordnung eingehalten werden könnte, ohne das Gewissen der jüdischen Geisteskranken zu beunruhigen und weil hierdurch mehr Hoffnung gegeben wäre, daß die Heilung der Unglücklichen keine Störung durch Gewissensbisse erleidet. Es würde sich sodann nur um die Einrichtungskosten der Küche handeln, ebenso um die Kosten für eine jüd. Köchin und einige jüd. Diener, allenfalls noch um den etwaigen Mehrbetrag des Koscherfleisches gegen den Preis des Fleisches in der Anstalt. Diese Betrage dürften jährlich leicht aufzubringen sein, umsomehr, als selbst die großen Städte, welche im Besitze eines Spitals find, dennoch zu diesem Zwecke beisteuern dürften, da, wie schon erwähnt, ein Spital noch keine Irrenanstalt ersetzt. Mit der Zeit könnte man auch ein Capital einsammeln, damit der ganze Bedarf ohne jährliche Beisteuer von dessen Zinsen gedeckt würde. Dieses Project wollte ich der öffentlichen Besprechung hiermit unterbreiten und wenn sich dieses der allgemeinen Zustimmung zu erfreuen haben würde, dann müßte man zur Realisirung vorläufig ein provisorisches Comite bilden, welches die Sache kräftig in die Hand nimmt und Statuten entwirft. E. R. Rosen bäum. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der bekannte Literat Leopold K ompert, der seiner Gesundheit halber sich eine Zeit lang in Rom aufhielt, wünschte den Papst zu sehen. Als man ihm, bevor er zur Audienz zugelassen wurde, bedeutete, daß er im Empfangssaale knieen müsse, verzichtete er auf die hohe Ehre, da er als Jude vor dem Papste nicht knieen könne. ' (W. JSr.) Prag, Ip.März. In derVoraussicht, daß esFreunde jüdischer Interessen mit besonderer Freude erfüllt, wenn sie von rascher und kräftiger Förderung derselben vernehmen, scheint es am Platze, eines Vereines zu erwähnen, der in unserer Universitätsstadt