Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1877)
- Date
- 1877-04-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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342 Dourle einem Interpellanten im englischen Parlamente die Antwort gab, daß das Cabinet der rumänischen Regierung Vorstellungen über die jüngsten Judenverfolgungen in Vaslui gemacht und Entschädigung für die Vertriebenen verlangt habe. Es sind, sagte Deschliu im Laufe seiner Rede, einige Wochen schon verstrichen, seitdem die Juden von Vaslui sich gegen die Uebergriffe desPräfec-- len Lupaschcu beim Senat beklagt; wir haben sofort eine parlamentarische Enquete verlangt, damit Europa nicht glaube, daß bei uns religiöse Verfolgungen Vorkommen; die Angelegenheit ist hierauf einer Commission übergeben worden, welche aber nichts gemacht hat. Dies hatte die Interpellation im englischen Parlament und die Antwort Bourke's zur Folge, worin behauptet wird, daß man unserer Regierung die nöthigen Ermahnungen zugehen ließ und Entschädigung heischte. — Der Ministerpräsident leugnete in seiner Antwort den officiellen Charakter der Depesche. Oft, sagte er, geschieht dies, daß ein Minister Erklärungen abgibt,' um die Opposition zu beschwichtigen; Bourke wird außerdem blos gesagt haben, daß er alle möglichen Maßregeln ergriffen, nicht aber, daß er ermahnt habe. Die rumänische Regierung hat keinerlei Ermah- «ung erhalten, wohl aber dürften die hiesigen fremden Vertreter die Untersuchung der Sache verlangt haben. Selbst wenn wir, fährt Bratianu fort, eine ähnliche entehrende Note bekommen hätten, würden wir den Schutz der gesetzgebenden Körper nur dann verlangt haben, wenn wir eine Flotte und eine Armee zum Kriege bereit stehen hätten. Was die Vorgänge in Vaslui betrifft, sagte der Minister, hat der frühere Minister Vernescu zwei Enqueten ernannt, von deren Resultaten jeder Senator und jeder Staat Kenntniß erhalten hat. — Deschliu entgegnete darauf, daß, so oft die liberale Partei an's Ruder komme, so komme auch die Judenfrage wieder, was der Idee der Verfolgung, die man uns zuschreibt, einige Autorität verleiht. Wir müssen uns daher rechtfertigen. Der Herr Minister, schließt Deschliu, hat uns weder etwas über die Präfecten von Vaslui, die der Verfolgung bezichtigt sind, noch etwas über die Erlschädigungen, die man von London verlangt, gesagt. Wir haben daher nicht einmal die Beruhigung, zu wissen, ob man im Auslande erfahren werde, daß unsere liberale Regierung auf die gegen sie erhobenen Ankagen nicht antworten könne. Der Ministerpräsident replicirte darauf, er glaube nicht, daß man diese Frage officiell behandeln dürfe. Man hat Enqueten ernannt für Vaslui; der Präfect, constatirte man, stünde ganz außerhalb oer Frage und w^s die anderen Forderungen der Israeliten betrifft, so seien sie Sache des Gerichtes . . . Ein Mitglied der erwähnten Commission theilte zum Schluffe mit. daß in Kürze der bezüglich der Petition der Juden gefaßte Beschluß dem Senate vorgelegt werden würde. — Die nichtssagenden Ausflüchte des Herrn Bratianu, bemerkt hierzu treffend ein Korrespondent der „N. Fr. Pr.", widerlegen nicht nur nicht den Inhalt der Londoner Depesche, sie bestätigen ihn auf das Kräftigste, und daß die englische Note eine ziemlich eindringliche sein müsse, geht klar aus den Stoßseufzern über den Mangel' einer großen Flotte und Armee hervor. Die Behauptung , daß der Präfect Lupaschcu außerhalb der Frage stünde, gehört zu den größten Unverfrorenheiten des Herrn Bratianu. Wie aus Bukarest vom 29. d. M. gemeldet wird, haben übrigens neuerdings wieder Verfolgungen stattgefunden. In den' Langemeinden des Distrikts Tekutsch wurde von den dortigen Unterpräfecten und Maires die Austreibung von Juden, sowie sie Lupaschcu in Vaslui verübte, angeordnet. Der zur Constatirung der Thatsachen dahin abgesendete Delegirte der Wiener „Alliance Jsr." kehrte am Mittwoch mit der authentischen Liste von über hundert verfolgten Judenfamilien zurück. Afrika. Algier. Nach einem von Herrn A. Crömieux in Paris an den Präsidenten des hiesigen Consistoriums, Herrn S e y m a n, gerichtete^ Telegramme haben die israel. Soldaten wegen des Peßachfestes einen 14tägigen Urlaub erhalten. (Un. Jsr.) Feuilleton. Irr Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XVII. War das ein Freudentag für ganz Halberstavt, als die lange und sehnsüchtig erwarteten Gäste endlich eintrafen! Am Burkhardi - Thor war der Triumphbogen erbaut worden, und fast sämmtliche Einwohner der Stadt, Juden wie Christen, waren versammelt, die Einen, die verehrten Gäste zu begrüßen, die Andern, um an dem seltenen Schauspiele Theil zu nehmen. Da standen die Vorsteher, die Aeltesten und alle Familienhäupter, da standen die Lehrer mit ihren Schülern und Schü-