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Der Israelit · 1877-04-11 · Heft 15 (11.4.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 15 (11.4.1877)
Date
1877-04-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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340 Verhältnisse in Zülz ihm nicht mehr zusagten, da zog er zu seinen Kindern nach Oppeln. Damals schien Dr. Wiener noch fromm zu sein nyer mina 'vi wie der Verschiedene oft sagte, und daher traten Beide in einen regen Verkehr mit einander. Als sich aber Dr. W. in seiner wahren Gestalt entpuppte, da zog sich der Verblichene immer mehr von ihm zurück und richtete sich ein besonderes ■po ein — Als aber endlich die Reformen in O. überhand nahmen und die nicht mehr zuverlässig erschien, da entschloß sich der in seinem Gewissen Beunruhigte i» seinem 70. Jahre nochmals sein Domizil zu verändern. Er wählte nun Tarnowitz zu seinem Wohnorte, weil er hier viele Bekannte und Freunde hatte. Es war wahrlich kein kleines Opfer, das er seiner besseren lieberzeugung brachte, indem er die Bequemlichkeit bei feinen Kindern verließ und sich hier im hohen Alter ganz allein einen eignen Haushalt gründete, wo er für Alles selbst Sorge tragen mußte. — Hier lebte er nun einsam und eingeschränkt von den Zinsen seines mühsam erworbenen kleinen Vermögens nnd da seine Ansprüche, wie überhaupt sein ganzes Wesen, sehr bescheiden waren, so blieb ihm noch eine ziemlich große Summe zu wohlthätigen Zwecken und zur Unterstützung dürftiger Familienmitglieder übrig. Zu gleicher Zeit versah er in der uneigennützigsten und bereitwilligsten Weise alle Rabbinatsfnnctionen in der Gemeinde. Sein Körper war rüstig- und kräftig bis nahe an's Lebensende und so war er theils mit Besorgung seines Haushalts, theils mit mLvi min stets beschäftigt. Bis vor einigen Wochen gehörte er zu den dh"du d’O’dpd und als er durch zunehmende Schwäche auch am am Synagogenbesuch verhindert war, versicherte er, sich nicht zu erinnern, am p"t? jemals -nasa rften versäumt zu haben; las er am Morgens nu“in «-tpo d»jbt, so schloß er sich, um ungestört zu sein, ein und öffnete Niemandem, bis er damit fertig war. Man muß, wie Schreiber Dieses das Glück hatte, diese seltene Persönlichkeit genau gekannt haben, um die Charaktergröße dieses Mannes, seine wahre, ungeheuchelte Frömmigkeit, seine Menschenliebe und Freundlichkeit, seine erhabenen Geistesvorzüge, seine immense Gelehrsamkeit richtig würdigen zu können. Das Leichenbe^ängniß am 6. Nissan gab ein beredtes Zeugniß von der Hochachtung und Verehrung, die er weit und breit genoß. Da wir in den p'i na» stehen, so konnte Schreiber Dieses nur eine kurze Anrede an die Leidtragenderem Sterbehause richten und ihnen den Grund seine Verhinderung zu einer wirklichen Trauerrede, wie sie der biedere und gottesfürchtige Mann verdient, anführen. Doch behielt sich derselbe vor in den ersten Tagen des Jjar, also noch in den 30 Trauertagen einen der seltenen Persönlichkeit angemessenen isv.i in der hiesigen Synagoge zu halten. — Es ist wahrhaft traurig, wie der alte Stamm des Judenthums und jüdischen Wissens in unsrer Provinz abstirbt, während seine Aeste und Zweige schon lange vorher verdorrt sind und kein Nachwuchs zu' erhoffen steht. Möge a'"Ev, die Verhältnisse bald zum Besseren wenden. Dr. L. Heilbut. Cölrr. Dem Rechenschaftsbericht des Vereines zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrer- Seminars in der Rheinprovinz für das zehnte Jahr seines Bestehens, entnehmen wir: „Unsere im Jahre 1867 von Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfeld, jetzigem Oberrabbiner in Poseu, im Verein mit dem sel. Herrn S. H. Prag und anderen wackeren Männern in Düsseldorf errichtete Lehrerbildungsanstalt besteht seit ihrer Gründung in ununterbrochener segensreicher Wirksamkeit, und es ist eine für die Zeit ihres Bestehens große Anzahl von kenntnißreichen, geschickten und gewissenhaften Lehrern aus derselben hervorgegangen. „Seit unserer jüngsten Berichterstattung haben 13 Zöglinge die staatliche Prüfung bestanden und das Befähigungszeugniß erhalten. „In Folge der Harff'schen Stiftung wurde die Anstalt von Düsseldorf nach Ehrenfeld und von da zu Anfang vorigen Jahres nach Cöln verlegt. „Bei allen seinen äußeren Wanderungen ist unser Seminar seiner ursprünglichen wissenschaftlichen und religiösen Tendenz unwandelbar treu geblieben. „Wir wollen berufstüchtige und berufsfreudige, dem Staatsgesetze wie dem Religionsgesetze mit gleicher Treue ergebene Lehrer heranbilden, deren speciell jüdische und allgemein wissenschaftliche Bildung auf gleicher Höhe stehen müssen, wenn sie ihren Doppelberuf erfüllen und als Volks- und Religionslehrer den ewigen Anforderungen des Gottesgesetzes und den gleichfalls berechtigten und unabweisbaren des gebildeten Zeitbewußtseins in Lehre und Leben, in Gesinnung und That in gleichem Maße und mit gleich glücklichem Erfolge im thätigen Berufsleben entsprechen sollen. — „Mit der zu Anfang des vorigen Jahres erfolgten Verlegung der Anstalt nach Cöln, dem Hauptsitze des Curatoriums, begann eine regere segensreichere Wirksamkeit für die Interessen des Vereins und so hat trotz der traurigen wirthschaftlichen Zeitverhältnisse unsere financielle Lage im verflossenen Jahre sich günstiger gestaltet, als je zuvor. — „Ganz besonders hervorzuheben haben wir die außerordentliche Thätigkeit unserer beiden Vorstandsmitglieder, des Herrn Rabbiner ^Dr. Frenkel in Frankfurt a. M. und des Herrn W. I. Dünner in Cöln, sowie die unseres Vereinsmitgliedes des Herrn I. M. Marx in Cöln. „Wir gedenken ferner mit innigem Dank der

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