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Der Israelit · 1877-04-11 · Heft 15 (11.4.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 15 (11.4.1877)
Date
1877-04-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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339 um die Cholera nicht herüberzulassen, ließ man keinen Flüchtling herüber. Da war der alte ehrwürdige Minister von Schön, der Oberpräsident der Provinz Preußen, der sagte: „Schicken wir nur erst einmal Aerzte hinüber, die uns sagen mögen, was daran ifi." Der erste, der diesem Ruf entsprach, war Dr. Johann Jacoby. Er hat seine Pflicht gethan, er kam zurück mit der Ueberzeugung, daß an dieser Theorie, welche politisch war und medizinisch sein sollte, nichts Wahres sei. Die Wissenschaft bot ihm die erste Waffe gegen die Jmriguen des Staats. Schön empfing ihn mit Lvbsprüchen, er freute sich herzlich des tüchtigen eifervollen Arztes und dessen, was der Mann unter den schwierigsten Umständen vollführt hatte. „Ich werde auch nach Berlin darüber berichten" sagte er, „aber einen Orden, eine Auszeichnung wissen Sie, können Sie nicht bekommen. Sie sind Jude." Nun, an Orden und Auszeichnungen lag dem Manne nichts. Ein paar Jahre später hat er es seinem Könige in's Gesicht gesagt, indem er ihn daran erinnerte, daß äußere Auszeichnungen für ihn keinen Werth hätten. Aber es brachte ihn zum Sinnen: Wie kommt es, daß ein Staatsbürger, der Gelegenheit gehabt hat, sich auszuzeichnen, unter einem Banne liegt, der ihn unter jeden Andern, mag er thätig sein oder nicht, hinunterstellt? „In dieser Zeit fiel ihm eine Broschüre in die Hand von dem Geheimen Regierungsrath Streckfuß, einem feingebildeten Mann, als Ueberfetzer von italienischen Dichtern heute noch in gutem Ruf, in Allem der besten Gesellschaft angehörig, nur in Bezug auf die Judenfrage von jener kaltblütigen, naiven Ueberzeugung, in der sich heute noch viele moderne Kulturhistoriker befinden, daß wie die Rothhäute zu nichts Besserem bestimmt seien, als ausgerottet zu werden, so diese von Gott gezeichnete Rare nur eben dazu da sei, Paria- Dienste im Staate zu leisten. Dieser Broschüre bemächtigte sich Jacoby; es ist seine erste Schrift, sie ist heute noch werth gelesen zu werden. Sie zeichnet sich aus durch Ruhe, Kälte, dabei eine Schärfe, wie wir sie in wenig Flugschriften der Art haben." Der Redner entwarf dann ein Bild der politischen Thätigkeit des Verstorbenen und schloß .mit den Worten „Gesegnet sei sein Andenken" unter stürmischem Beifallsrufen der überaus zahlreichen Versammlung. Birkenfeld. Der Birkenfelder Landeszeitung wird über ein hier stattgehabtes Concert geschrieben: Die Meisterschaft des Herrn Eisenheimer aus Mainz auf der Violine hatten wir schon vor mehreren Jahren zu bewundern Gelegenheit gehabt. Sein schöner, gesangvoller Ton, die fast spielende Ueberwindung technicher Schwierigkeiten der auswendig vorgetragenen Piecen, überschreiten bei Weitem das Maß der Leistungen eines Dilettanten und übertreffen gewiß diejenigen so manchen Künstlers auf diesem schwierigen Instrument. Seine beiden kleinen Söhne von 9 und 10 Jahren scheinen die Erben seines seltenen Talents zu werden und erregten durch ihr Violinspiel schon gerechte Bewunderung. Zu enthusiastischem Beifall aber begeisterten die declamatorischen Vorträge des älteren der beiden Knaben, von dem wir besonders die vorzügliche Wiedergabe des Uhland'schen Gedichtes, „des Sängers Fluch", als eine in so zartem Kindesalter ganz außergewöhnliche Erscheinung bezeichnen dürfen. (Die beiden hier erwähnten Knaben sind Schüler der Unterrichtsanstalt der isr. Religionsgesellschaft zu Mainz.) Tarirowih (O.-S.), im Nissan. In diesen Tagen schied aus unserer Mitte einer von den Männern, die in unserer Provinz, da hier leider kein Ersatz zu erwarten ist, immer seltner werden. Am 4. Nissan hauchte ’i^n pn« -n"ino im 79. Jahre seines vielbewegten Lebens seine reine Seele aus, nachdem sein sonst rüstiger Körper in den letzten Wochen immer schwächer wurde und er mehrere Tage mit dem "Tode gekämpft hatte. Geboren in der damals als oni ~pj/ weit berühmten p"p im Tischri 5559, wurde er unter der Leitung von n"n erzogen, lernte zunächst fleißig in Zülz, dann in Hotzenplotz und besuchte endlich die des yV'i -lynsyj-wi nwo in Proßnitz. Später ließ er sich in Zülz nieder, grü dete dort ein Geschäft und war einen großen Theil des Jahres auf Jahrmärkten und Messen, deren Besuch bei den damaligen Verkehrsmitteln für den frommen Juden mit vielen Schwierigkeiten und Strapatzen verbunden war. Daneben war er Mohel und machte zu diesem Behufe mit der größten Aufopferung an Geld und Zeit oft anstrengende Reisen in die weitere Umgebung seiner Heimathsstadt. — In Zübe selbst bekleidete er viele Ehrenämter, wurde mehrere Male zum Stadtverordneten gewählt und war längere Zeit Vorsteher der Gemeinde und auch als Vorsteher der Chewra Kaddischa und anderer Vereine überaus thätig. — Als Kaufmann war sein Name weit und breit bekannt, und er war Ms solcher nicht nur darauf bedacht, seine Familie redlich zu ernähren und seine Töchter auszustatten, sondern auch sich selbst eine sorglose, unabhängige Zukunft zu gründen, was ihm auch gelang. Nachdem ihm seine Frau gestorben war und die inzwischen ganz veränderten

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