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Der Israelit · 1877-04-11 · Heft 15 (11.4.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 15 (11.4.1877)
Date
1877-04-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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338 von Eroberern zerstört, hat sich trotz aller Katastrophen bis auf die Gegenwart erhalten, und obwohl weder durch Handel und Reichthum, noch durch Kunst und Glanz ausgezeichnet, ist ihr allgemein gefeierter Name unter allen Städten der Erde der am meisten ausgebreitete, an den immer heiße Gefühle hoher Verehrung und unschätzbare Erinnerungen einer glorreichen Vergangenheit geknüpft sind. Auf dem Rücken des Centralgebirges von Juda erhebt sich eine Kuppe, 2475 Fuß über den Meeresspiegel; hier liegt Jerusalem etwa 12 Stunden vom Mittelmeere und sieben Stunden vom Jordan entfernt. Die fetzigen Mauern Jerusalems sind vom Sultan Soliman im Jahre 1539 der gewöhnlichen Zeitrechnung ungefähr an derselben Stelle und in demselben Umfange erbaut worden, wo und wie sie im Mittelalter mehrfach zerstört wurden. An der Ostseite und an der Südostecke bildet die Ringmauer des Tempelplatzes zugleich die Stadtmauer. Diesen Theilen sieht man es deutlich an, daß sie nicht zu gleicher Zeit mit den anderen aufgebaut wurden und daß sie viel älter als die übrigen Theile der Mauer sind. Die riesenhaften Quadern dieses Baues, welche allen Zerstörungen getrotzt haben, stehen Mch immer aufrecht als die ewigen Zeugen einer glorreichen Zeit. Sie sind Wahrscheinlich Ueberreste der Ringmauer des Salomonischen Tempels. Jerusalem hat gegenwärtig fünf offene Thore: das Jaffathor auf der Westseite, das Damaskus- Ihor im Norden, das Löwenthor im Osten und das Düngerthor sowie das Zionsthor gegen Süden. Außerdem gab es früher zwei andere Thore, das goldene Thor auf der Ostseite und das Herodesthor auf der Nordseite, die jetzt durch Mauern verschlossen sind. Das Löwenthor wird von denMuhamedanern Bab el Sabat, Thor der Stämme genannt, weil durch dasselbe alle Stämme Israels dreimal im Jahre zu den Festen ihren Einzug in die Stadt hielten. Die über dem Eingänge an beiden Seiten in Stein ausgehauenen Löwenpaare wurden auf Befehl Solimans verfertigt. Dieser Sultan soll, nach einer Sage der Muhamedaner die Stadt, nachdem er sie erobert hatte, haben zerstören wollen; darauf habe er vier grimmige Löwen im Traume gesehen, die sein Traumdeuter als eine Drohung des Himmels deutete. In Folge dessen habe der Sultan nicht allein die Stadt geschont, sondern sie mit neuen Mauern versehen und daS erwähnte Thor mit zwei Löwenpaaren schmücken lassen. Das Düngerthor nsKwn wird mehrfach in Mischnah und Talmud erwähnt. Jeden Freitag werden zur Zeit des Gebets alle Thore Jerusalems von 12 bis 1 Uhr Mittags geschlossen, da nach einer alten, muhamedanischen Prophezeiung die Ungläubigen an diesem Tag" um diese Stunde sich der heiligen Stadt bemächtigen würden. Außerdem werden die Thore Abends nach Sonnenuntergang geschlossen und Morgens mit Sonnenaufgang wieder geöffnet. Das goldene Thor, von den jüdischen Einwohnern D’omn iytp, Thor des Erbarmens, genannt, soll noch ein Thor des heiligen Tempels und im Alterthum mit Gold bedeckt gewesen sein: Das Thorgebäude, 70 Fuß lang und 35 Fuß breit, ist ein architektonisches Kunstwerk; die Kuppeln, Kapitäler, Blumenverzierungen und Säulen erregen die Bewunderung der Sachverständigen. Seit vielen Jahrhunderten ist dieses Thor vermauert; es soll erst wieder geöffnet werden, wann der Messias seinen Einzug durch dasselbe halten wird; daher wohl auch der Name Q»omn nyzr, Thor des Erbarmens. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten & Correfpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 6. April. Am 2. d. M. fand hier eine Gedächtniß-Feier zu Ehren Johann Jacoby's statt; Herr Dr. Guido Weiß hielt die Gedächtnißrede; wir geben den Anfang derselben, welcher speciell jüdisches Interesse hat, hier wieder: Geehrte Versammlung! „Es war im Winter 1830 auf 31; ein edles unglückliches Volk kämpfte seinen Todeskampf in Polen. Zwei Feinde standen ihm gegenüber, die den Wettbewerb eingegangen waren, wer am Besten die Kriegführung verstehe: die Russen und die Cholera. Wo man hinsah in dem Land, Weg und Steg verheert, Haus und Hütte niedergebrannt; Leichen, Leichen, Leichen, wo man hinsah, vom Blei gefällt, von der Krankheit gefällt und' selbst der letzte Bote der Civilisation, der Todtengräber, war von dannen gegangen. Einsam schritt durch diese öde Landschaft ein junger jüdischer Arzt. Medizinische Theorien haben bisweilen einen politischen Hintergrund. In Preußen hatte man, ehe von der Cholera etwas Genaueres bekannt war, gefunden, daß das eine Krankheit sei, der man am Besten mit Truppen zu Leibe gehe. Die ganze Grenze wurde besetzt mit Truppenketten,

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