Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1877)
- Date
- 1877-04-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Andenken in weiter Ferne erhalten bleibe. Am 3. v. ging Herr Mendel Philipp in ein besseres Jenseits über. Der Verblichene war einer jener ehrwürdigen Charaktere aus guter alter Zeit, die mit felsenfester Treue an dem reinen, unverfälschten Glauben unserer Väter festhalten. Sein Herz war erglüht und von der feurigsten Anhänglichkeit für das echte, orthodoxe Judenthum, wie wir es von unseren Ahnen und Urahnen überkommen haben. Er war von der innigsten Liebe zu den 'n nnao erfüllt, und bis zu seiner letzten Stunde vollzog er mit der genauesten Pünktlichkeit und mit der größten Freude, mit wahrer mso nnop die Gebote unserer hl. min. Der Verblichene hatte ein hohes Alter erreicht. Bor 15 Jahren feierte er sein 50jähriges Jubiläum als?mo, drei Jahre spater seine goldene Hochzeit und im Herbste des vorigen Jahres beging die Gemeinde Rheinberg, deren erster Vorsteher er seit Jahren gewesen, in feierlichster Weise seinen 80jährigen Geburtstag. Herr Philipp y'i gehörte zu jenen , die dieses hl. Amtes lediglich ,tsd owalten, er scheute bei Ausübung dieser mso weder körperliche Anstrengung noch finanzielle Opfer und unterstützte unbemittelte Eltern in vielen Fällen noch durch bedeutende Gaben. Er erfreute sich überhaupt wegen seiner Mildthätigkeit eines weiten Rufes; denn wo es galt, einen Bedürftigen zu unterstützen, war er es, der sich in hervorragender Weise auszeichneie. Galt es, ein Lehrinstitut zu gründen, oder eine Gesellschaft zu wohlthätigen Zwecken zu bilden, so war es wieder der Verblichene, der mit seltener Energie dafür wirkte und schaffte. Er hatte die Worte unserer Hk. Lehre -io^y io>? richtig zu würdigen verstanden, denn er hatte sich nicht nur selbst mit dem Studium unserer hl. Lehre befaßt, sondern dieselbe auch zu lehren und nach Kräften zu verbreiten gesucht Wie sehr ihm gerade letzteres am Herzen lag, bewies er wieder speciell dadurch, daß er in der letzten Zeit, als die Gemeinde Rheinberg keinen Lehrer hatte, trotz seines hohen Alters selbst die Kinder vom fünften Jahre an im Jüdischen unterrichtete. In welcher Achtung er wegen seines edlen und selbstlosen Charakters auch bei den nichtjüdischen Bürgern stand, dürfte am besten daraus zu erkennen sein, daß er lange Jahre hindurch Mitglied des Stadtrathes war. Ganz besonders zeigte sich die Beliebtheit dieses Mannes und die allgemeine Achtung und Verehrung, die er genoß, bei seinem Leichenbegängniß. Aus Nah und Fern waren Hunderte herbeigeeilt, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen, der Kriegerverein, der Gesangverein, sämmtliche Behörden, sowie die Elite der ganzen Stadt, hatte sich an dem Leichenzuge betheiligt. Auf dem Friedhofe hielt Herr Rabbiner Dr. Horwitz aus Crefeld die Grabrede. Als er das Leben und Wirken des Verblichenen geschildert, blieb kein Auge thränenleer. — Die Familie verliert in dem Heimgegangenen ein theures Mitglied, die Gemeinde einen ehrwürdigen, frommen Vorsteher, die Stadt einen treuen Bürger, die Armen einen Unterftützer und Helfer in ihrer Noth. rT3"y"j"n. Hamburg, 20. März Wieder einmal sehe ich mich in die angenehme Lage versetzt, Erfreuliches von hier mitzutheilen. Erfreulich insofern, als daraus zu ersehen ist, daß es trotz aller pessi« mitischen Ansichten noch immer Corporationen gibt, die das wahre Verdienst gebührend zu würdigen wissen und mit der öffentlichen Anerkennung desselben nicht hinter dem Berge halten. Unser allverehrter Obercantor, Herr H. Lewandowski, Bruder des in Berlin lebenden Componisten, feierte am 18. d. M. sein fünfundzwanzigjähriges Amts- Jubiläum. Gratulationen, Depeschen und Anerkennungsschreiben von Nah und Fern zeugten von der Allbeliebthcit des Jubilars. Der Synagogen- Verband überreichte dem Jubilar zwei Hamburger Goldmünzen Portugalöser, im Werthe von 1500 M. Von einem aus Gemeindemitgliedern bestehenden Comito wurde demselben die Summe in Werthpapieren von 3300 M. überreicht. Diese Summe wurde in sinniger Weise, nach einer von Herrn E. Rüben gehaltenen Ansprache dem Jubilar in einer kostbaren Mappe, worin sämmtliche Namen der Verehrer verzeichnet waren, dargebracht, welche oben in Goldbuchstaben folgende Widmung von dem bekannten hebräischen Literaten, Herrn I S. Wittkower in Altona, verfaßt, trug: p-oi nn:a ]D’j 'n 'a di' :ni3DNn .p"sb> —! "n "i Mit dem höchst gelungenen vis hat unser Herr W. wieder einmal wie schon oft einen glücklichen Griff gethan. Auch seine Collegen im Amte blieben nicht zurück, sondern schenkten dem Jubilar einen kostbaren silbernen Kiduschbecher. Möge sich bei dem würdigen Jubilar das '\t Pisd yi21 vollziehen jdn. — Der Israel. Feuerungsverein von 1855 hat den in seiner Generalversammlung am 15. d. M. erstatteten Bericht für 1876 veröffentlichen lassen. Danach nahmen an der Verloosung 1139 Mitglieder Theil, welchen 241 Portionen Feuerung im Betrage von M. 4931. 69 zur Verfügung standen. Das Capital des Vereins vergrößerte sich durch 3 Legate um M. 550 und betrug am Schluß des Jahres M. 17,127. 45 incl. des Cassensaldo'S von M. 277. 56. Die regelmäßigen Beiträge betrugen M. 4931 und die Ge-