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Der Israelit · 1877-04-06 · Heft 14 (6.4.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 14 (6.4.1877)
Date
1877-04-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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324 meiner Vaterstadt die Thora viele Jahre lang lehrt und daß Ihr meine Gemeinde gestaltet zu einer Ir meleoh Chachomim Weßophrim, zu einer Stadt voller Gelehrter und Schriftkundiger."" Die beiden Männer umarmten sich. „Aber," sagte Rabbi Hirsch, „ich habe eine Bedingung zu stellen." „ „O, sprecht, wenn es in meiner Macht steht, so sei sie im Voraus gewäbrt."" „Rabbi Moscheh Brisk hat mein Schwiegersohn nicht werden können; es ist Gottes Wille nicht gewesen; allein ich liebe ihn wie meinen eigenen Sohn; auch kann ich ihn nicht entbehren; er erleuchtet meine Augen durch die Fülle seines Wissens und hilft mir die Bürde des Amtes tragen " „„Er soll mit Euch ziehen; er soll Dajon*) in Halberstadt werden." " „Vorausgesetzt, daß er einwilligt." „„Und wenn er nicht einwilligt?"" „So müßt Ihr mich meines Worte-entbinden; von Rabbi Moscheh kann ich mich nicht trennen." Rabbi Moscheh wurde hereingerufen. „Mein Sohn," sagte der Rabbiner, „Rabbi Bärmann, mein Lebensretter, mein Wohlthäter bietet mir das Rabbineramt in Halberstadt an. Ich habe versprochen, mit ihm ^u gehen, unter der Voraussetzung, daß Du mich dorthin begleitest. Willst Du mit uns ziehen in das ferne Land?" Rabbi Moscheh antwortete mit den Worten der Ruth. „„Rabbi,"" sprach er, „„wohin Du gehst, will auch ich gehen, wo Du übernachtest, will auch ich übernachten; Dein Vaterland sei mein Vaterland; ist doch Dein Gott auch mein Gott. Wo Du stirbst, will auch ich sterben und auch dort begraben sein."" „So wünsche ich Dir Masel tow^),"" sprach der Rabbi, „„Rabbi Bärmann wird Dich als Dajon anstellen." „Ich danke Euch, Rabbi Bärmann," sprach der Jüngling; „aber es hätte dessen nicht bedurft. Ich bin zufrieden, wenn ich bei meinem Rabbi bleiben darf." War das ein trauervoller Abschied, als Rabbi Hirsch von Bialeh fortzog. Die ganze Gemeinde folgte weinend dem großen Reisewagen, der den Rabbiner und die Seinen davon trug. Aber noch weit größer als die Trauer in Bialeh, waren die Freude und der Jubel in Halberstadt, als die Nachricht eintraf, daß Rabbi 2) Rabbinatsassessor. 3) Gutes Glück. Bärmann zurückkehre und daß er einen großen und berühmten Rabbinen mitbringe, der die Stellen in Minsk, Krakau und Lemberg ausgeschlagen, um dem Königlichen Residenten nach Halberstadt zu folgen. Ueberall. in der Bakenstraße, in der Judenstraße, am seidenen Beutel, an der scharfen Ecke, im Rosenwinkel, überall in der Unterstadt, standen Gruppen, die das freudige Ereigniß besprachen. Eine Gemeindeversammlung wurde abgehalten, und es wurde beschlossen, am Burkharoi-Thor, durch das die Erwarteten einfahren würden, eine Triumphpforte zu bauen. Eine Deputation wurde an den Oberbürgermeister Dieterich abgesandt, um die hohe obrigkeitliche Erlaubniß dazu einzuholen. „Euren künftigen Rabbinen," sagte derOberbürgermerster, „kenne ich nicht; habe auch kein Urtheil darüber, was es mit dessen angeblicher großer Gelehrsamkeit für eine Bewandtniß hat — aber vor Eurcm Bärmann allen Respekt! Der hat sich mit dem Kurfürsten und der Kurfürstin unterhalten, wie wenn sie seinesgleichen wären. Für den dürft Ihr meinetwegen eine Ehrenpforte erbauen, und da kann ja der Rabbiner mit durchschlüpfen. — Wie steht's denn mit Eurer Synagoge, wird sie bald fertig werden?" „Bald, Herr Oberbürgermeister," " entgegnete Rabbi Bunnem Eger, einer der Vorsteher der Gemeinde. ..„Wir hoffen, daß Sie uns zur Einweihung die Ehre Ihres Besuchs schenken werden." " „„Ja, wir rechnen sicher darauf/ fügte Wolf Präger, der zweite Vorsteher, hinzu, „daß Hochdero Wenigkeit der Feier anwohnen werden." " „V as," fragte der Oberbürgermeister lachend, „hochmeine Wenigkeit?" „„Ja," sagte Wolf Präger, „Eure Wenigkeit! Man sagt doch ja. meine Wenigkeit, wenn man höflich sein will."" Der Bürgermeister lachte aus vollem Halse. „Ja," sagte er, „meine Wenigkeit wird kommen, wenn Eure Vielheit mich einlaben wird." Als die Beiden fortgingen, machte Rabbi Bunnem Eger seinem College» bittere Vorwürfe über sein thörichtes Geschwätz; dieser aber sagte voll Selbstgefühl: „Seid mauchel (verzeiht), Rabbi Bunnem, lernen mögt Ihr besser können als ich; aber was Höflichkeit und feinen Ton anbetrifft, da weiß ich besser Bescheid als Eure Wenigkeit." (Fortsetzung folgt). Hierzu zwei Beilage«. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhandlung. Z. GottSleben'L Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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