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Der Israelit · 1877-04-06 · Heft 14 (6.4.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 14 (6.4.1877)
Date
1877-04-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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320 Taufe auf den nächsten Charfreitag festgesetzt war. In einer kleinen Stadt bleiben solche Vorgänge nicht lange Geheimniß. Es wurden Versuche gemacht, das Mädchen von seinem unheilvollen Vorhaben abzubringen; allein alle Schritte blieben erfolglos, \a bestärkten das Mädchen unter dem Einflüsse seiner „Freunde" nur in seinem Entschlüsse. Da wandte sich der Vorsteher der jüd. Gemeinde, Herr Fröhlich, an den hiesigen Rabbiner. Derselbe begab sich mit dem Vorsteher zum Bürgermeister, und beide verlangten den „gesetzlichen Schutz gegen die Verleitung eines minorennen Mädchens, zum Uebertritt zu einer andern Religion." Das Mädchen wurde auf die Amtsstube gerufen und setzte nun hier Anfangs den eindringlichen Reden und Ermahnungen des Rabbiners gut auswendig gelernte Sprüche aus dem neuen Testamente mit großer Geläufigkeit und Keckheit entgegen, brach jedoch schließlich' in Thränen aus und bekannte, wie sie von der gedachten Lehrerin und dem Kaplan überredet worden, und wie selbst der Beigeordnete G. ihr plausibel zu machen gesucht, ihren Glauben gegen einen weit bessern zu vertauschen und willigte ein, sofort Brühl zu verlassen und mit einer zu dem Ende schon herbeigeeilten Tante nach deren Heimath K. zu reisen. Vom Bürgermeister wurde nun über diese Verhandlung ein Protokoll ausgenommen und hierauf verließ das tief erregte Mädchen in Begleitung des Rabbiners und der Tante das Rathhaus. Bor demselben hatten sich Hunderte von Menschen v.rsammelt, ungeduldig des Ausgangs harrend, aus deren Mitte sowohl Zeichen und Rufe des Unwillens als auch des Beifalls laut wurden; denn die liberalen Einwohner freuten sich, daß dem dunklen Treiben jener klericalen Clique die Freude verdorben und die bereits gewonnene Seele wieder entführt worden. (Jsr. Bote.) —s. Aus dem Großherzogthum Weimar, im März. Es wurde in diesem Blatte vor einiger Zeit „aus Thüringen" erzählt, daß in dem Städtchen Lengfeld seit dem Wirken des jetzigen Landrabbiners wieder ein rechtes „Kehillah -Leben" im Entstehen begriffen sei. Da das Kehillah-Leben in diesem Orte wirklich Jahrzehnte lang mehr oder weniger geschlummert hat, so ist es vielleicht für manchen Leser dieses Blattes nicht uninteressant, dann und wann Züge aus demselben zu hören. Für heute berichte ich zunächst Folgendes: Der hier bestehende Verein „Bikkur chaulim" feiert schon seit mehreren Jahren den Geburts¬ und Sterbetag von n"y um nwo am ms* 't durch Recitiren von 10 Psalmen und seit Anwesenheit des Landrabbiners auch durch Vortrag. In diesem Jahre waren gerade an genanntem Tage einige Mitglieder der Chewreh und wurde deshalb die Feier in das Trauerhaus verlegt. Hr.vr. K. hob in seinem Vortrage vor verhältnißmäßig zahlreicher Zuhörerschaft zunächst hervor, daß es Wohl zu den Seltenheiten gehören dürfte, das -iSO.i des -hk in einem Trauerhause zu feiern. Hierauf ging Redner zu dem eigentlichen icdh über, indem er mit Bedauern daraufhinwies, daß auch das verflossene Jahr ans der jüdischen Gelehrtenwelt seine Opfer gefordert. Als die bedeutendsten seien folgende drei zu nennen: Lazarus Ottensoser in Höchberg, Dr. Enoch in Fulda und Äkiba Lehren in Amsterdam. Jeder von ihnen sei ein Verlust auf einem besonderen Gebiete des jüdisch-religiösen Lebens. — L. Ottensoser, allgemein unter dem Namen „Reb Loser" bekannt, ist dadurch auf dem Gebiete der Schule von großer Bedeutung gewesen, daß er einer der ersten war, der in seiner Schule neben jüdischem auch weltliches Wissen lehrte und Tüchtiges darin leistete. — Dr. Enoch leistete neben der Erfüllung seiner Pflichten als Bezirksrabbiner von Fulda noch Bedeutendes als Schriftsteller und was endlich R. Akiva Lehren betrifft, so beschäftigte sich derselbe nicht nur viel mit mm und nnwy, sondern ganz besonders auch mit onon indem er Vorstand der D'TpB für pv« war. Diese Thätigkeit, die von seiner Zeit und seinen Kräften so viel in Anspruch nahm, sichert ihm einen ehrenvollen Platz neben den genannten bedeutenden Rabbinen und Gelehrten. Der Vortrag machte auf die Anwesenden einen sichtlich erhebenden Eindruck. Ein weiteres Stück des alten „Kehillah-LebenS" brachte uns der diesjährige 'mm na». Es veranstaltete nämlich die hier bestehende zweite Chewrah mm 'NQinach aller Sitte eine nam de« Herrn Dr. Kroner. , Vorgetragen wurde ivp nyiv, fol. 13, Pag. 1 Mischnah va mit daran anschließender tnm. In richtiger alter Weise wurde dieses bekanntlich nicht allzuleichte Stück nach allen seinen Theilen* zergliedert, Schwierigkeiten aufgeworfen und gelöst und das alles in klar verständlicher, ansprechender Weise. Die Anwesenden gingen auch hier sichtlich befriedigt nach Hause. Wenn der geneigte Leser schließlich ^fragt: Ist es denn der Mühe werth, solche Sachen in einem öffentlichen Blatte zu erzäh'.en? Kommen Dieselben nicht alljährlich in vielen anderen Orten auch vor? so ist darauf zu erwiedern: Wohl ist die Sache an und für sich nicht von großer Bedeutung und kommt sicher sehr häufig vor. Aber

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