Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1877)
- Date
- 1877-03-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447695-2447709--13560-2469432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
310 nanntes Werk auch nur oberflächlich durchstudirt, dann gehen sie zu einem jener Herren, die sich als iwwi miD geriren, — in dem Eingangs erwähnten! Districte W. gibt es allein 3 solcher — unterziehen sich bei diesem einer Prüfung, schlachten auch wohl in deren Beisein einige rrsiy, entrichten ihr Honorar — das Geld spielt ja heutigen Tages, und besonders bei solchen Vorgängen, eine Hauptrolle mit — und der junge Mann ist für sein ganzes Leben ein gemachter Schochet, denn einer! Wiederholungsprüfung sich bei einem ordnungsmäßigen Rabbiner zu unterwerfen, — was kjhd mindestens alle 2 Jahre geschehen muß — daran denken in D. nur äußerst wenige D’üdie'. Es sind uns deren eine Masse bekannt, die in 15—20 Jahren sich nicht haben ddje sein lassen. Das sind die wahren '~i n-o Duron D’Jüp D'byw m«2s, die, wenn man sie über ihr reliqionswidriges Verfahren zur Rede stellt, sich gewöhnlich mit den Worten zu entschuldigen suchen: der sel. Rabbiner Sutro p"s": habe sie zur Prüfung der Schochtim resp. zur Ausstellung von rn^ap' autorisirt. In Wirklichkeit aber verhält sich die Sache so. Wie bekannt . kann ein Rabbiner unmöglich die ganze Provinz W. überwachen, der Sprengel ist ein zu ausgedehnter undweitläufiger. Deßhalb hatte der sel. Rabbiner S. in verschiedenen Bezirken seines Sprengels ornnro bestellt, denen er auch die O'vPiiV zur Prüfung zugewiesen hatte; niemals aber hatte er einen derselben zur Ertheilung, noch weniger zur Ausstellung von nitop autorisirt. Wir sehen uns zu dieser Bemerkung schon darum veranlaßt, weil wir es nicht ertragen können, daß solche Leute «O’Picn ojib sind. Doch für heute genug von diesem unerquicklichen Zustande. Es ist leider in W. schon so weit gekommen, daß fromme Leute aus anderen Gegenden, die nach W. kommen, Anstand nehmen, daselbst Fleischspeisen zu genießen. Von vielen Beispielen, womit wir dem Leser aufwarten könnten, hier nur ein Factum, das wir aus sicherer Quelle erfahren haben. Zu der vor etwa 7* Jahre in Neheim bei Arnsberg stattgefundenen Synagogen - Einweihung war ein auswärtiger Rabbiner berufen worden. Derselbe hätte dem Rufe auch Folge geleistet und die Functionen sogar unentgeltlich verrichtet. Dagegen hat er dort nicht einmal Fleischspeisen genießen wollen, weil er gehört hatte, daß ein Metzger dort am pMw verkauft. Auch hatte er große Messer gesehen oder untersucht, die ihm nicht zugesagt hatten, ja, man erzählt noch viel mehr und der Herr Rabbiner soll über diese Erscheinung seinen größten Unwillen kund gethan haben. WaS sagst Du, lieber Leser, zu solchen Zuständen? j Möchte denselben doch recht -bald Abhilfe gefche- I hen! Das gebe Gott!! Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Beuthen (O.-S.) Der Hierselbst seit dem Jahre 1874 bestehende israel. Jungfrauen-Verein hat den Zweck, die geistige Fortbildung seiner Mitglieder zu befördern und hilfsbedürftigen isr. Mädchen Behufs Begründung einer eigenen Selbir-! ständigkeit die nöthige Unterstützung zu gewähren. Es ist in der Thal ein erfreuliches Zeichen, daß junge Damen, welche von den Schattenseiten des Gebens noch unberührt sind, sich derartige ernste Aufgaben stellen, und in welch reichem Maße sie dieselben zn lösen bemüht sind, davon gibt der Rechenschaftsbericht aus dem verflossenen Jahre wiederum den deutlichsten Beweis; der Verein hat im Jahre 1876 an Unterstützungen für junge Mädchen, welche sich einem selbstständigen Berufe widmen wollen (beispielsweise Ausbildung zum Lehrfache) den ansehnlichen Betrag von 582 Mark gewähren können. Hoffen wir, daß der Verein unter der bisherigen bewährten Leitung immer mehr und mehr seine Aufgaben erfüllen möge, und die Früchte eines solchen anerkennenswerthen Strebens werden sicher nicht ausbleiben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Heute den 21. d. Mts. um 2 Uhr erschien der Kaiser von Brasilien unangemeldet im isr. Blinden-Jnstitute auf der hohen Warte und wurde von dem Director S. Heller empfangen. Se. Majestät fragte sogleich, wo die Zöglinge jetzt beschäftigt seien und verfügte sich, von dem Director geleitet, in die Werkstätte, wo der Kaiser mit großem Interesse den verschiedenen Arbeiten folgte und sich lebhaft um die gewerbliche und literarische Ausbildung der Zöglinge erkundigte. Hierauf versammelten sich die Zöglinge im Musiksaale und producirten mehrere Musik- und Gesangsstücke, welchen der Kaiser mit sichtbarer Bewegung folgte und wiederholt seinen Beifall zu erkennen gab. Im Prüfungssaale hatten die Zöglinge Gelegenheit, ihre Kenntnisse in den verschiedenen Unterrichtsgegenständen zu zeigen. Besonderes Interesse bezeigte der Kaiser für die Art. wie die Blinden die verschiedenen Thiere unterscheiden und für das Hebräisch Lesen, in welchem Gegenstände der Kaiser einen Zögling selbst prüfte und ihn lächelnd einen Fehler cörrigirte. Auch die Modelirarbeiten besichtigte der Kaiser mit Befriedigung. Im Betsaal stand er einen Augenblick vor der Bundeslade still, und als der Director dieselbe öffnete, sprach der Kaiser mit Bewegung: „Die Thora! Die Thora!"