Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1877)
- Date
- 1877-03-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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299 Triumphzuge. Von allen Seiten kamen sie herbeigeströmt, Männer, Frauen und Kinder, um den geliebten, dem Tode entronnenen Rabbiner zu sehen, um ihm unter Freudenthränen die Hand zu küssen oder den Saum seines Gewandes. Die so lange verödete Rabbiner-Wohnung wurde geöffnet, und die Frauen der Vorsteher beeilten sich, Speise und Trank zu senden, um die Halbverhungerten zu erquicken. Mit unbeschreiblicher Ehrfurcht blickte Alles ^u Rabbi Bärmann empor, dem Helfer in der Roth, dem Erretter vom Tode, zu dem Manne, von dessen Reichthum und dessen hoher Stellung man schon vorher fabelhafte Dinge erzählt und der nun den ihm vorausgeeilten Ruf so glänzend bewährt hatte. Keiner wußte, Keiner ahnte, — selbst Rabbi Bärmann hatte nicht die geringste Vermuthung darüber — welch eigenthümliche Verhältnisse den König veranlaßt batten, so energisch zu Gunsten des Nabbinen von Bialeh und der Seinen einzuschreiten. Der Fürst von Lubomirski aber sollte setzt durch den Oberst-Kammerherrn Grafen von Vitzthum darüber aufgeklärt werden. „Graf", schrie den Eintretenden der Fürst an, „was nimmt sich dieser neugebackene König, dieser sächsischeParvenu heraus? Weiß er nicht, daß ich an der Spitze der französischen Partei stehe, weiß er nicht, daß der Kardinal Primas der Oheim meines Weibes ist? Will er die eben erst gewonnene Krone wieder verlieren? Noch kein König von Polen hat Solches gewagt gegen einen Magnaten des Reichs." „„Ruhig, mein Fürst,"" antwortete Vitzthum; „die Sache verhält sich wesentlich anders als Ihr meint. Vor allen Dingen wisset, daß, was hier geschehen, die Zustimmung des Cardinal-Primas erhalten hat. Er zürnt Euch, weil Ihr den Eid gebrochen, den Ihr ihm geschworen habt. Gleich als der Jude Bchrend . . „Gott verdamme ihn! er soll meine Rache fühlen!' „„Gleich als der Jude Behrend uns den Sachverhalt berichtete, ließ der König den Cardinal zu sich rufen. Der Zorn des Cardinals kannte keine Grenzen, und er billigte die Maßregeln des Königs vollkommen. Er fuhr selbst in das Kloster der Ursulinerinnen, um Eure ehemalige Gemahlin von Allem zu benachrichtigen."" „Was, meine ehemalige Gemahlin?" - „„Wohl, mein Fürst. Seine Majestät, der König wünscht, daß Eure Ehe getrennt werde; der Cardinal ist damit einverstanden." " „Und Ursula?" „„Auch sie wünscht es aufs Lebhafteste."" „Die Schändliche!" „„Seine Eminenz, der Cardinal, hat ein Schriftstück aufgesetzt, durch welches Seine Heiligkeit der Papst gebeten wird, Eurer fürstlichen Gnaden Ehe für null und nichtig zu erklären. Hier ist das Schriftstück, schon trägt es die Unterschrift der Fürstin und Ihr braucht nur die Eure darunter zu setzen. Dann wird ein Eilbote die Schrift nach Rom bringen, und sobald dieser zurückkehrt, seid Ihr Eurer Haft entlassen."" Vitzthum reichte dem Fürsten die Schrift. Dieser nahm siej und schleuderte sie bis an das andere Ende des Saales. „Nimmermehr," schrie er und stampfte dabei mit den Füßen. Vitzthum holte die Schrift zurück und sagte: „„Besinnt Euch, mein Fürst! Es ist das Klügste, was Ihr thun könnt, wenn Ihr diese Schrift so bald als möglich unterschreibet; Ihr werdet um so früher Eurer Haft entlassen. Eure Gemahlin habt Ihr so wie so verloren. Die Ehe bindet also nur Euch und hindert Euch an der Wiederverheirathung. Und was Eure Partei betrifft, so ist auch diese für Euch verloren. Sie folgt blindlings dem Cardinal-Primas, der jetzt Euch ein unversöhnlicher Feind ist." " Der Fürst sank, wie vernichtet, in einen Lehnstuhl. „Ich werde es dennoch nicht unterschreiben," sagte er. „„Besinnt Euch,"" entgegnete Vitzthum. „Ihr werdet bald zu besserer Einsicht kommen. Jetzt aber laßt mir zu essen geben; ich habe heidenmäßigen Hunger."" Der Leser sieht, daß diese Eröffnungen, welche Graf Vitzthum dem Fürsten Lubomirski machte, es klar herausstellten, daß die Befreiung des Rabbinen von Bialeh und seiner Familie ebensowenig dem Einflüsse und dem hohen Ansehen Rabbi Bärmann's zu verdanken war, wie dem Edelmuthe und den Herrschertugenden des Königs. Ohne die Neigung, ja Leidenschaft desselben für die Fürstin Ursula. hätte er die Klage des Residenten kaum augehört , und niemals hätte er sich entschlossen, so energisch gegen einen der Großen des kaum gewonnenen Reiches vorzugehen. „Das Herz der Könige ist in der Hand Gottes" Selbst die unlautere Leidenschaft des Königs mußte dazu dienen, den bedrängten Frommen Rettung und Hilfe zu bringen. Wir wollen unserer Erzählung hier ein wenig vorgreifen und gleich berichten, daß sich Fürst Lobumirski noch entschlossen hat, das ihm von