Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1877)
- Date
- 1877-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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298 Sohn eines unsrer geachtelten Gemeinde-Mitglieder. Der Verblichene, Siegmund Lehmann, starb in einem Alter von noch nicht 23 Jahren, und hatte sich schon die allgemeine Achtung unsres ganzen Städtchens erworben. Der Trauerfall erregte daher die größte Theilnahme. Die Leiche wurde von einem Gefolge begleitet, wie es wohl selten in einer so kleinen Stadt, einem jungen Manne in diesem Alter zu Theil geworden ist. Außer allen Mitgliedern unsrer n'rnp,' ftf)loffen sich viele Bürger, darunter der ganze Kaufmännische Verein, dessen Mitbegründer der Dahingeschiedene war, dem Trauerzuge an. Am Grabe hielt unser Lehrer, Herr Sommer, eine ergreifende Rede, in welcher er die vielen Verdienste, die sich der junge Verblichene schon um unsere Stadt erworben hatte, schilderte. Derselbe hatte sich unter Anderm rastlos bemüht, den Bau einer Brücke über! die Weser in der Nähe Verdens bewerkstelligen zu lassen. „Wenn demnächst," so sagte Herr Sommer, „die Pulsader Norddeutschlands bei Verden überbrückt sein wird, die Bewohner der beiden Ufer, sich bei dem Einweihungsfest auf dieser Brücke die Hände reichen, und Verdens Handel dadurch gefährdet sein wird, daß der Verkehr nicht mehr gehemmt sein wird, durch die Fluthen der Weser, dann wird auch in vollster Anerkennung unsres theuren Dahingeschiedenen gedacht werden, der ja quasi den Grundstein zu dieser Brücke legen half." Der Redner erwähnte auch, daß ihm viele Freunde als Zeichen der Anerkennung Kränze zur Zierde des Grabes gesandt habe, daß aber unsere Religion einen derartigen Schmuck verbiete, die Blumen» gewinde, die ihm aber als Kränze der Liebe und Zuneigung bleiben würden. Die Rede des Herrn Sommer machte einen tiefen Eindruck auf die Herzen der Zuhörer. Der Kaufmännische Verein widmete dem Todten einen Lorbeerkranz und ehrte sein Andenken in der heutigen Generalversammlung durch Erbeben von d>n Sitzen. Da, wie schon erwähnt, der dahingeschiedene Jüngling in Allen Klassen d>.r Bevölkerung geliebt und geachtet war, i:l ihm ein dauerndes Andenken gesichert. r/'yW'r. Italien. Rom. Herr I)r. Berliner aus Berlin befindet sich gegenwärtig dahier und copirt in der päpstlichen Bibliothek im Vatican einige ihm zur Verfügung gestellte, für das Judenthum wichtige Schriftstücke. (W. Jsr.) Serbien. Die K. Z." veröffentlicht jetzt die den serbifch-türkischen Frieren betreffenden Aktenstücke. Das erste Sclriftstück enthält die von den beiden serbischen Delegirten Christitch und Matitsch Unterzeichnete Antwort auf die Forderungen der Pforte, das zweite, das eigentliche Friedensprotokoll, das dritte, das zustimmende Telegramm des Fürsten Milan und No. 4 den bereits erwähnten Firman des Sultans. Neues erfährt man aus diesen Dokumenten nicht und nur folgende Stelle aus i dem zuerst genannten Schreiben verdient hier! wiedergegeben zu werden. Es heißt dort nämlich: Die'hohe Pforte wünscht, daß „unabhängig! von der religiösen Freiheit die gregorianischen! und katholischen Armenier und die Israeliten in > Serbien die gleichen Rechte und gleichen Privij legien wie die anderen Einwohner genießen sollen." Auf den von der Hoben Pforte so hochsinnig kundgegebenen Wunsch religiöser Duldung haben die Unterzeichneten erwidert, daß die innere Ge. setzgebung keine Ausnahmen kennt, die auf Grund des .Religionsbekenntnisses gemacht würden, daß cs in Serbien niemaks gregorianische oder katholische Armenier gegeben hat, daß alle serbischen Staatsbürger dieselben bürgerlichenund politischen Rechte genießen, daß die israelitischen Unterthanen in Serbien, mit Ausnahme einer einzigen Einschränkung (!), die ihre Niederlassung im Innern des Landes betrifft, nicht mehr ausgeschlossen sein würden, als es in Zukunft diejenigen serbischen Bürger sein werden, die einem anderen christlichen Ritus angehören, als dem orthodoxen. Die Unterzeichneten schätzen sich glücklich, somit zeigen zu können, daß das große Princip der Religionsfreiheit, welche der inneren Negierung des Fürstenthums inne wohnt, zu jeder Zeit allen serbischen Staatsbürgern ohne Unterschied des Cultus zu Gute gekommen ist. Sie schätzen sich glücklich, in der vorhin angegebenen Weise das vollkommene Einvernehmen zwischen der Hohen Pforte und der fürstlichen Regierung hergestellt zu haben in allen denjenigen Punkten, dir den vorher besprochenen 8tatu8 quo betreffen. Daß die „einzige" Einschränkung, welcher die Israeliten in Serbien unterworfen sind, alle übrigen Freiheiten illusorisch macht, verschweigen natürlich die serbischen Delegirten und die Pforte läßt sich diese Täuschung gefallen. Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XV. Die Rückkehr des Rabbiners von Bialeh in seine Wohnung gestaltete sich zu einem wahrhaften