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Der Israelit · 1877-03-28 · Heft 13 (28.3.1877) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 13 (28.3.1877)
Date
1877-03-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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296 zwar einwenden, daß sie nicht bemittelt genug sei, einen Lehrer mit Familie zu unterhalten. 'Aberist es denn so ganz erwiesen, daß ein lediger Lehrer der Gemeinde weniger Kosten verursacht? Ich glaube nicht im Jrrthum zu sein, wenn ich der Ansicht bin, daß ein geordnetes Familienleben, wenn nicht billiger, doch keineswegs theurer ist, als das Leben eines Junggesellen. Ich kenne einen Lehrer, der eine Stelle inne hat, welche seit vielen Jahren von unverheiratheten Herren versehen wurde. Dieser Mann hat mit seiner aus acht Personen bestehenden Familie von seinem Einkommen noch übrig, wahrend die Vorgänger damit nicht ausreichten und Schulden machten. Bei uns in Württemberg weiß man von solchen Dingen, oder besser Undingen, nichts; da sind die Dienst- Verhaltnisse der Lehrer und Vorsänger bestens geordnet und die hohe Behörde hat sich darum sehr verdient gemacht. Hoffen wir, daß es sonst auch bald besser wird. S. Berlin. Die jüdische Gemeinde hat den Herrn vr. P. M. Frankl, bisherigen Secretärder „Wiener Israelitischen Allianz" als Prediger berufen. Aus Königsberg. 11. d. M.. wird der Berliner Volkszeitung geschrieben: Das Begräbnis von Johann Jakoby hat heute unter der allgemeinsten Betheiliqung der Bevölkerung stattgefunden. Um die Mittagszeit hatte sich vor dem Trauerhause in der Gartenstraße eine dicht gedrängte Menschenmenge versammelt, die sich weithin über den Platz an der Universität erstreckte. Gegen 1 Uhr wurde der Sarg auf den Leichenwagen gebracht, : nd nun entfaltete sich ein endloser Zug von Leidtragenden, wie ihn Königsberg wohl nur selten gesehen hat. Hinter der Leiche, die von sechs schwarz gekleideten Trägern begleitet wurde, schritten zunächst zwei Verwandte des Verstorbenen, dann die von auswärts gekommenen Deputationen, worauf die Theilnebmer aus allen ständen und Berufsclaffen, Bürger und Beamte. Professoren und Studenten folgten. In den Straßen, durch welche der Zug sich nach dem Königsthore zu bewegte, waren die Fenster der Häuser mit Menschen besetzt und auf den Seitenwegen die Zuschauer so zahlreich, daß es oft der Mahnung zum Ausweichen bedurfte, um dem Zuge Raum zu verschaffen. Es war freilich Sonntag, aber die Witterung war keineswegs fo freundlich, daß sie zum langen Stehen auf der Straße einlud; es schneite unaufhörlich, und ein ziemlich schneidender Wind trieb sein Spiel mit den fallenden Flocken. Auf dem jüdischen Friedhofe angekommen, mußte der Zug eine zeitlang Halt machen, da sich jetzt erst die Zugänge öffneten und die begleitende Menge sich ungestüm hlndurchpreßte, um einen Platz vor der Leichenhalle zu gewinnen. Nach einer Recitation des Vorsängers in hebräischer Sprache nahm ba Rabbiner, Herr vr. Bamberger, das Wort zur Trauerrede. Er schilderte in einem sehr ansprechenden, würdevollen Vorträge den Verlust, der/ die Stadt, der Staat und die ganze gesittete Welt durch den Tod Johann Jakoby'S erlitten; er bezeichnete mit treffenden Zügen den Charakter des Dahingeschiedencn, seine unbeugsame Festigkeit, seine Selbstlosigkeit, seine unvergleichliche Selbstbeherrschung. An dem Grabe erfolgten die letzten Gebetssprüche, wie es der jüdische Ritus vorschreibt, und dann nahmen einige Redner von social-demokratischen Deputationen, zuletzt Herr Sonnemann aus Frankfurt, das Wort, um ihren Trauergefühlen um den Verstorbenen Ausdruck zu geben. Die ganze Feierlichkeit verlief mit dem würdigsten Ernste, getragen von dem Gefühle, einem großen Todten die letzte Ehre erwiesen zu haben. Crefeld, 15. März. Wer Gelegenheit hatte, am Montag den Verhandlungen des Zuchtpolizeigerichts in Düsseldorf beizuwohnen, wird von interessanten Zuständen in der hiesigen israelitischen Gemeinde gehört haben, welche dort Gegenstand einer Anklage gegen einige Mitglieder derselben bildeten. Nach unserer Information ist die Sache folgende: Mehrere, namentlich der älteren Gemeindemitglieder, welche mit den Tendenzen und Neuerungen des Herrn Oberrabbiners, als im Gegensatz des Althergebrachten stehend, nicht einverstanden sind, wohnten seit längerer Zeit nur dem Gottesdienst an und verließen vor Beginn der Predigt die Synagoge. Dieses Verlassen des Tempels mag einen demonstrativen Charakter oder auch nur den Anschein eines solchen gehabt haben, die Absicht einer Demonstration hat indeß fern gelegen, die Mitglieder wollten sich nach erfüllter religiöser Pflicht, welche nach Beiwohnung des Gottesdienires beendet ist, einfach entfernen, weil sie die Predigt nicht hören wollten. Um nun zu verhüten, daß sich derartige Vorgänge, welche eine gewisse Peinlichkeit Hervorrufen mußten, nicht wiederholten, wurde nach Beschluß des Gemeindevorstandes, beim Gottesdienst, und zwar zehn Minuten vor Beginn der Predigt, die Synagoge geschlossen und dadurch die Anwesenden verhindert, sich zu entfernen. Einige der älteren Mitglieder, welche sich eines Tages ihrer Gewohnheit gemäß nach dem Gottesdien t entfernen wollten, kamen

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