Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 12 (21.3.1877)
- Date
- 1877-03-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XVlIi. Jahrgang. Erste öeilage zu Nr. 12 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Bad Kisfingen, 8. März. Bezugnehmend auf die Mittheilung in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Zeitschrift aus Berlin, welche eine Einschränkung der Befreiung jüdischer Gefangener von der Arbeit an den vorletzten Tagen des Peßach- und Sukkothfestes enthielt, glaube ich es dem allgemein jüdischen Interesse schuldig zu sein, wegen des damit gegebenen Präjudizes den Lesern des „Israelit" nachstehenden Fall zur Kenntniß zu bringen. Im Laufe des Jahres 1875 hatte der Direktor des Gymnasiums zu Thorn dem dortigen isr. Bürger Herrn N. Leiser, der gewünscht hatte, daß sein Sohn, der das Gymnasium zu.Thorn besuchte, nicht nur, wie es der Director zugegeben, an den ersten Tagen unserer Di' D'aiD cd' aiD, sondern auch an den zweiten Tagen ’jtp diö dt vom Schulbesuche dispensirt werde, sein dahingehendes Gesuch abschläglich beschicken, eine Beschwerdeschrift an das Provinzial-Schulcollegium in Königsberg, der Vorgesetzten Behörde des Direktors, hatte den gleich ungünstigen Erfolg für den Petenten, es hieß eben in den betreffenden Rescripten, man erkenne nur die jüdischen Feiertage alttestamentarischer Bestimmung an und disp?nsire nur an diesen Tagen vom Schulbesuche. Auf Veranlassung des in Berlin wohnenden Schwiegersohnes des Hrn. Leiser beschloß Schreiber dieses nun, Abhilfe bei Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister Falk zu suchen; in einer mir bewilligten Audienz begründete ich nun dem Herrn Minister die altestamentarische Heiligkeit des \j:r aiö dt dadurch, daß ich demselben die Stelle citirte, wo es heißt iht -itw toa n»»jn, Du sollst Alles befolgen, was sie, nämlich unsere D'Dan Dich lehren werden, mithin seien auch die von denselben bestimmten Feiertage und Gesetze schon im Voraus alttestamentarisch — um den Ausdruck der betreffenden Schulbehörde zu gebrauchen — fanctionirt. 3 Ferner erklärte ich dem Herrn Minister, der mit großem Interesse der Auseinandersetzung Gehör schenkte, daß Gott die Monatseintheilung unseren Weisen übertragen habe und denselben die Festsetzung des MonatSbcginnes überwiesen; auch berief ich mich auf die Stelle in Wieses Werk über die preuß. Realschulen, in welchem derselbe ausdrücklich schreibt, daß den Schülern jüdischer Confession auf Verlangen der Eltern an Sonnabenden und an 15 weiteren Tagen des Jahres es freistehen soll, den Unterricht nicht zu besuchen und daß eben nur dann 13 Feiertage für uns vorhanden sind, wenn der 'iw aiü dt hinzugerechnet wird. Der Herr Minister sagte sofort aufs Freundlichste zu, sich der Sache anzunehmen und als ich demselben noch die Dringlichkeit der Sache auseinandersetzte — es war gerade acht Tage vor nwn vsn so beschiel) er mich die Bitte ihm sofort schriftlich nochmals vorzulegen, was ich auch natürlich sofort that. Ich ließ die Bittschrift von dem Verwandten des Herrn Leiser als im Aufträge des Herrn Leiser unterzeichnen und wurde derHr. Director noch vor nvn vm angewiesen, auch am 2. Tage ’jip a*D dt den jungen Leiser vom Schulbesuche zu dispensiren. Josef Fromm. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«. Unlängst berichteten die Blätter eine Bismarck-Anecdote. Ein Jude, Namens Flesch, bei welchem Bismarck anno 66 in Brünn gewohnt habe, sei nach Berlin gekommen und vomFürstea- Reichskanzler mit Auszeichnung empfangen worden, rc. rc. Der Sohn des Mannes verlangt nun — auf Grund des Preßgesetzes — eine gar possierliche Berichtigung. Sein „Papa" sei nicht mehr Jude, „er habe sich vor 25 Jahren getauft" und trage, „weil sich leider die Physiognomie nicht verleugnen lasse", ein Kreuz auf der Brust; das Kreuz auf der Brust protestire doch deutlich genug gegen die Nase im Gesicht, und sei es nur Böswilligkeit, den „Papa" noch immer als Juden zu bezeichnen. Als in Hamburg im Jahre 1834 bei einem Streite zwischen Juden und Christen die ersteren der Mehrzahl erlegen und aus dem Alster-Pavillon geworfen wurden, passirte es einem „Getauften", mithinausgeworfen zu werden. Auf sein Jammergeschrei, „er sei ja getauft," rief der Anführerder Pöbelhorde: „Smiet emwedder rinn!" (Schmeißt ihn wieder herein). — Ja, ja, die Physognomie, die wäscht das Taufwasser nicht fort.