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Der Israelit · 1877-03-21 · Heft 12 (21.3.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 12 (21.3.1877)
Date
1877-03-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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276 so ist, so mögen auch meine Frau und meine Kinder sterben. Aber mein Fluch treffe Denjenigen, der auch nur daran denkt, meine Tochter herbeizuschaffen. Um sollten Preis soll mein Leben und das der Meinigen nicht gerettet werden."" Als der Rabbi so sprach, war eine Wandelung mit ihm vorgegangen. Hochaufgerichtet stand er da, seine Augen sprühten Feuer, er glich den Propheten des Alterthums. Die Vorsteher brachen in lautes Weinen aus. Der Fürst blieb ungerührt. „Wie die Hunde heulen!" rief er verächtlich. * Da trat der Priester aus dem Hintergründe des Zimmers. Voll Staunen und Bewunderung hatte er den Rabbi betrachtet. Jetzt wandte er sich an den Fürsten und sprach: „ „Habt Erbarmen, gnädigster Herr, quält diese unglücklichen Leute nicht länger!"" Erstaunt blickte ihn Fürst Lubomirski an. Dann brach er in ein wieherndes Gelächter aus und rief: „Wie viel hat man Dir für Deine Fürbitte gezahlt, Pfaff?" Dann zog er an einer Klingelschnur und befahl dem eintretenden Diener: „Laß sofort den Rabbi da, seine Frau und seine Kinder in den Schloßhof führen. Dort sollen zuerst die vier Buben, dann das Weib und zuletzt der Rabbi aufgeknüpft werden." Noch war das Wort nicht verklungen, als die Thüre aufgerissen wurde, und Rabbi Bärmann, gefolgt von Salomon und Asarjah hereinstürzte. „„Mein Fürst,"" sagte er, „„ich verlange von Euch die Auslieferung des Rabbi und der Seinen!" " „Wer seid Ihr," schrie der Fürst, „der es wagt, in mein Schloß einzudringen?" „„Ich heiße Behrend Lehmann und bin der Resident Seiner Majestät, des Königs."" Der Fürst zog seinen Degen und wollte auf Rabbi Bärmann eindringen; da trat der Rittmeister von Crux herein: „Halt," rief er, „Sie sind mein Gefangener, mein Fürst! Streuben Sie sich nicht und zwingen Sie mich nicht, Gewalt zu brauchen. Meine 150 Reiter haben das Schloß besetzt, der Oberlieutenant von Zwengy steht mit 20 Mann an der Thüre. Also, im Namen Sr. Majestät des Königs, geben Sie mir Ihren Degen!" Wie vom Donner gerührt, stand der Fürst da; er reichte seinen Degen dem Offizier; dann sagte er zähneknirschend: „„Was hat das Alles zu bedeuten?"" „Ich weiß es nicht," sagte der Rittmeister, „der Königliche Resident, der Jude Behrend da, hat ein Handschreiben des Königs bei Seiner Excellenz, dem General Flamming abgegeben; darauf erhielt ich Ordre, mit 150 Mann hierherzureiten, Eure Fürstliche Gnaden gefangen zu nehmen und in Hochdero Schlosse zu bewachen, zugleich soll ich die gefangenen Juden in Freiheit setzen und vermelden, daß Seine Excellenz, der Oberstkammerherr Graf Vitzthum, baldigst hier erscheinen werde, um alles Weitere zu vermitteln." Mit geballten Fäusten trat der Fürst auf Rabbi Bärmann zu und schrie: „ „Also Dir habe ich das All s zu verdanken, verdammter Jude! Zittere vor meiner Rache!"" „Mäßigt Euch, mein Fürst," entgegnete Rabbi Bärmann, „nicht ziemt es einem Gefangenen, einen freien Mann zu bedrohen. Ich fürchte Eure Rache nicht; der allmächtige Gott, der diesen hartbedrängten Mann da durch meine schwache Kraft aus Eurer Hand befreit hat, wird auch mich beschützen." Dann nahm er den jungen Salomon bei der Hand und führte ihn dem Rabbi zu; lautweinend umarmte der Jüngling den geliebten Vater. „ „Herr Rittmeister von Crux," " sagte Rabbi Bärmann dann, „„ich bleibe in Eurer Schuld; ich werde Euch baldigst meinen Dank abtragen. Jetzt aber befehlt, daß das Weib und die Söhne des Rabbinen aus dem Kerker befreit werden." Der Rittmeister gab die nöthigen Befehle; Rabbi Bärmann und die Andern alle gingen in den Schloßhof, wo alsbald auch die Gefangenen erschienen. Das war ein freudiges Wiedersehen, ein Jubel, ein Dankgebet zum Allgütigen! Aber mitten in den Jubel mischten sich die Thränen der Mutter. Was war aus ihrer Tochter Bella geworden? Pater Dominic drängte sich heran. Erdrückte dem Rabbinen die Hand und sprach: „Ihr seid ein ehrwürdiger, ein heiliger Mann!" Dann sagte er zu Rabbi Bärmann: „„Der Fürst hat Euch Rache geschworen; er ist der Mann danach, Rache zu üben. Aber ich werde für Euch wachen; wenn ich die Rache vereiteln kann, so werde ich's thun." (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleb en's Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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