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Der Israelit · 1877-03-21 · Heft 12 (21.3.1877) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 12 (21.3.1877)
Date
1877-03-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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275 Feuilleton. Der Königliche Resident. (Eine historische Erzählung.) XIII. Auf seinem Schlosse in Bialeh, im Ahnensaale, in welchem an den Wänden die Bilder der Vorfahren des Fürsten Lubomirski hingen, lief Fürst Georg im vollen Zorne auf und ab; alle seine Bemühungen, den Aufenthalt der schönen Bella und ihres Bräutigams zu erkunden, waren vergeblich gewesen. Jetzt erwartete er denNabbi, den ihm vorzuführen er befohlen hatte. Die Thüre öffnete sich, und Rabbi Hirsch wurde von den Dienern hereingeführt. Rabbi Hirsch sah sehr angegriffen aus; seine Gestalt war gebrochen, sein Haar war während der wenigen Wochen, die er im Kerker hatte zubringen müssen, erbleicht. „Jude." schrie ihn der Fürst an. „weigerst Du Dich noch immer, mir den Aufenthalt Deiner Tochter zu nennen?" „„Gnädigster Herr,"" antwortete der Rabbi, „„kein Mensch käun sagen, was er nicht weiß. Ich kenne den Ort nicht, wo meine Tochter sich befindet. Aber würde ich ihn auch kennen, ich würde ihn doch nicht nennen."" „Du wagst mir zu trotzen, Hund von einem Juden!" „„Ich Euch trotzen, gnädigster Herr? Das sei fern von mir! O wenn ein Fünkchen Trotz in meiner Seele gelegen, Ihr hättet ihn ausgelöscht durch die Qualen, die Ihr mir bereitet habt. Gnädigster Herr, ich bitte Euch, bedenket Eure Handlungsweise! Ihr glaubet doch auch an Gott, den Allmächtigen, der das Gute belohnt und das Böse bestraft . . ."" „Schweig. Jude! Ich werde mir von Dir nichts vorpredigen lassen. Wenn ich nicht in den Besitz Deiner Tochter komme, undzwar in kürzester Zeit, so werde ich Dich, Deine Frau und Deine Sühne aufhängen lassen." „„Aber, gnädigster Herr, wie könnt Ihr von mir das Unmögliche verlangen, wie kann ich . . „Du lassest die Vorsteher der Gemeinde zu Dir kommen und befiehlst ihnen, Deine Tochter und den Hund, der es gewagt hat, Hand an mich zu legen, herbeizuschaffen." „„Gnädigster Herr . . " „Keine Widerrede! Ich habe die Vorsteher schon bestellt: sie werden gleich hier sein. Sie thun Alles, was Du ihnen sagen wirst.. Das > Hundepack gehorcht Dir mehr als mir, seinem Herrn." Ein Diener meldete die Vorsteher der Gemeinde. „Die Hunde sollen hereinkommen!" rief der Fürst. Die Vorsteher traten herein. Sie bückten sich vor dem Fürsten, bis ihre Häupter die Erde berührten; dann ergriffen sie den Saum seines Gewandes und küßten ihn. Als sie dann die gebeugte Gestalt, das vergrämte, abgehärmte Antlitz und den grau gewordenen Bart ihres Rabbinen erblickten, entrannen Thränen den Augen der Männer. „Ich habe Euch rufen lassen." sagte Fürst Georg, „um Euch mitzutheilen, daß ich gewillt bin, diesen Mann da, seine Frau und seine Brut aufknüpfen zu lassen, wenn Ihr mir nicht die Tochter des Mannes und den Kerl, der nach mir geschlagen, herbeischant" „ „Gnädigster Herr," sagte der älteste Vorsteher. „wir können die Flüchtigen nicht hcrbeischaffen, wir wissen nicht, wo sie sind."" „Ihr werdet sie zu sinden wissen." „„Gnädigster Herr, habt Erbarmen! Unser geliebter, guter, frommer Rabbiner, der nie in seinem Leben Jemanden beleidigt, dessen ganzes Streben ist, in Tugend, Frömmigkeit und Heiligkeit zu leben, in . . Thränen erstickten die Stimme des Vorstehers; er sagte sich, trocknete seine Thränen und fuhr zu reden fort: „ „Gnädigster Herr, ich weiß es, ich bin nur ein armer Jude, ein Wurm, den Ihr zertreten könnt — auch mein i'eöen ist in Eurer Hand, und dennoch wage ich es, Euch an den himmlischen Richter zu erinnern. Seht, hier an den Wänden sind die Bilder Eurer Ahnen; sie alle waren immer gütige Beschützer meines verfolgten Stammes. Ans Chamil, der wilde Kosackenhettmann. so unsägliches Unglück über Polen brachte, da mordete er die Juden wie die Edelleute. Edelleute und Juden haben in Polen stets zusammengehalten — und Ihr, Ihr wollt eine so entsetzliche Gewaltthat begehen? Und meint Ihr, solche Gewaltthat bliebe ungerügt? Ein Schrei des Entsetzens wird sich erheben in ganz Polen, wenn Ihr diesen großen und berühmten Rabbinen tödten lasset, er wird dringen bis an die Stufen des Thrones, der König wird einen solchen entsetzlichen Mord . . „Ha, ha, der König! Ich lache Eures Königs! Hier bin ich Herr und habe die höchste Gewalt. Genug des Geschwätzes. Rabbi, befehlet den Vorstehern, Eure Tochter herbeizuschaffen." „..Meine Brüder,"" sagte Rabbi Hirsch, „ich bin bereit zu sterben. Wenn es Gottes Wille

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