Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-03-21 · Heft 12 (21.3.1877) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 12 (21.3.1877)
Date
1877-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447708--13520-2469391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

271 So ward also unfern Voreltern das Peßach- Opfer zu einem Symbole des unerschütterlichen Vertrauens auf Gottes Schutz. nDD roi oniDw, und indem wir es aussprechen und somit die Bedeutung geistig erfassen, sollen auch wir alljährlich bestärkt und gekräftigt werden im Vertrauen auf Gottes Schutz. Wenn wir thun, was Gott zu thun uns geboten, dann brauchen wir nichts zu fürchten, dann werden wir stets ruhig, friedlich und glücklich leben im Vertrauen auf den Schutz des Allmächtigen, Allwissenden, Allgegenwärtigen, Allheiligen, dessen Herrlichkeit das Weltall erfüllt. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e n t s ch l a n d. Werneck in Bayern. Mit Spannung erwartete ich die in Nr. 6 d. I. von Ihrem Würzburger Referenten versprochene Fortsetzung seines Referates über den Verlauf des 5ojährigen Jubiläums des dortigen Dibbuk - Chaverim - Vereins. Da aber dieser Verfolg bis jetzt ausgeblieben ist, will ich's, dem Wunsche meiner Freunde entsprechend, versuchen, jenes Referat zu ergänzen Es sei aber weit entfernt von mir, mich hier in Lobeshymnen über das Festessen selbst ergehen zu wollen; es liegt blos in meiner Absicht,' der ernsteren Seite der Festfeier hier Ausdruck zu verleihen. — Es war nach Mitternacht des cntm -wy ni^on dieses Jahres, als ein großer Theil der Vetreter des orthodoxen Princips des Kreises Unterfranken und Aschaffenburg so fröhlich in Würzburg beisammen saß und sich bemühten, für das Wohl der gesummten Orthodoxie jenes Kreises wirksam zu sein. Herr Districts-Rabbiner Bamberger von Kissingen befürwortete seinen Vorschlag, zur Gründung eines Fonds behufs Verbesserung derrndmpv. Sein würdiger College, Herr Districts - Rabbiner Hirsch von Burgpreppach, dagegen begeisterte sich für die Gründung einer höheren Knabenschule, in bermin und Wissenschaft Hand in Hand gehen. Als der Dritte im Runde, versuchte es meine Wenigkeit, darzuthun, daß man dem orthodoxen Judenthume den größten Dienst erweisen würde, wenn man mit allen Kräften dafür einstände, in Würzburg, der Metropole der Orthodoxen jenes ü.r '.^es, ein jüdisches Spital zu gründen. — Zwe^ dieser Zeilen sei es nun, diesen meinen Antrag hier näher zu motoviren, indem ich mir die Worte unser r Weisen, D*Dt6f db6 wnscr np^no bi D’pnn'? nsiD, v<7 Augen halte, daher meinend, daß trotz dieser Meinungsverschiedenheit eine Verständigung der Parteien erzielt werden kann. Hier nun die Rechtfertigung meines Antrags. Meine Heimath Wern eck hat leider durch ihre musterhafte Kreis-Irrenanstalt eine traurige Berühmheit erlangt. Von Nahe und Ferne, von Bayern und den entferntesten Gegenden, bringt man Irre herbei, um sie hier curiren oder wenigstens doch in sicherm Gewahrsam halten zu lassen. Der Irrsinn ist eine traurige Krankheit; Edelleute theilen hier das gleiche Schicksal wie der gewöhnliche Taglöhner. Denn den edelsten Bestandtheil des Menschen bildet sein Geist, und verfällt er bei Erkrankung desselben wieder in die niederste Stufe seiner Entwickelung zurück. Ein Geisteskranker erfordert die strengste Disciplin; kein Wunder daher, wenn sich der Vorstand einer Irrenanstalt stets auf seine Hausordnung beruft. Diese Hausordnung aber erschwert jedem gesetzestreuen Israeliten die Frequenz einer solchen Anstalt, ja macht sie ihm unzugänglich. Kraft dieser Hausordnung ist der Kranke verpflichtet, die in der Anstalt bereitete Kost nn'D.v nv?DNQ zu genießen, und können blvs unsere Feiertage eine Ausnahme gestatten. Es ist ferner eine ausnahmslose Bedingung, daß Jeder, der in einer solchen Anstalt dasZeitliche segnet, dem Secirmesser verfällt, wodurch eine mno unmöglich wird und ncn eintritt. Und dennoch bringen Israeliten ihre Angehörigen in jenen Anstalten unter, dennoch Pfründen israel. CultusgeMeinden ihre Irren in solche Anstalten ein! Fragen wir aber, wie ist es möglich, daß orthodoxe Juden sich so leicht über das strenge Verbot, ms“>ö zu sein, hinwegsetzen? Dann wird unsere Antwort eine zweifache sein. Erstens ist es eine allgemein verbreitete falsche Ansicht, daß man sich unter Geisteskrankheit immer Tobsucht denkt und zur Entlastung seines Gewissens jenen Kranken die Zurechnungsfähigkeit abspricht, während die wenigsten Insassen der hiesigen Anstalt tobsüchtig, die meisten aber blos gemüthskrank, also noin? D^ny D’Pn D’ny sind. Diese Personen nun sind es hauptsächlich, die unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken, deren Lage eine Verbesserung erfordert, für jene unglücklichen Glaubensgenossen sollten wir mit allen unfern Kräften einstehen, um ihnen ihr an und für sich trauriges Schicksal erträglicher zu machen, nP «3 es gibt hier einzelne Kranke, die sich der rwcs zu Liebe mit dem Genüsse von Brod und Eier begnügen; aber kann der Geist gesunden, wenn der Körper siecht? Viele wollten sich schon jener Hausordnung widersetzen, aber zu ihrem körperlichen Wohle wurden sie gewaltsam, von der sonst sehr humanen Direction, dazu angehalten, verbotene Speisen zu sich zu nehmen. Gar Mancher hat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.