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Der Israelit · 1877-03-21 · Heft 12 (21.3.1877) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 12 (21.3.1877)
Date
1877-03-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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270 ligung" seine Anwendung. In zweiter Linie wird der Ausdruck „Heiligung" für jede Beschränkung sinnlichen Genusses gebraucht, und deßhalb heißt es am Schluffe der Speisevorschriften Dnanpnm □’ipnp Drpvn, „und ihr sollt euch heiligen und ihr werdet heilig sein," und ferner: „und heilige Männer sollt ihr mir sein, und Fleisch, auf dem Felde, zerrissenes und gefallenes, sollt ihr nicht essen;" daher sagen auch unsere Weisen: xnpj rrjynp pjpvpi vap, „Wer seinen Körper durch Fasten kasteiet, wird heilig genannt;" oder: *p irrO -joyy tcnp, „es ist dir gestattet, dich durch Entziehung erlaubter Genüsse zu heiligen". Wir sehen also, daß die Entfernung von dem Sinnlichen den Menschen heiligt; in Bezug auf Gott bedeutet der Ausdruck „Heiligkeit" das Entferntsein von allem Sinnlichen, nr220; alle Körper haben eine dreifache Ausdehnung, wie das an der Würfelgestalt am Leichtesten w-hrzunehmen; daher rufen die Engel dreimal „heilig", weil wir uns von Gott keinerlei sinnliche Vorstellung machen sollen; aber trotzdem ist Er der Herr Zebaoth, der Herr aller Naturkräfte, und die ganze Erde ist voll von Seiner Herrlichkeit. 'J22 cnpo 120 xppj .-12b Piv 'lü'ipo «in2*. Er ist der Ort der Welt; Gott erfüllt nicht nur das Wellall, sondern das Weltall ist in Ihm. Nach diesen Auseinandersetzungen tritt die Frage um so stärker heroor: Wozu das Zeichen an den Pforten der Häuser der Israeliten, da Gott auszog, die Erstgeborenen der Egypter zu schlagen? Werfen wir einen Blick auf den Zustand unserer Väter in Mizrajim. Die Knechtschaft hatte, in natürlicher Folge, entnervend, entartend auf Israel gewirkt. Als Moscheh, dem das Elend seiner Brüder zu Herzen ging, sich unter ihnen umsah, da bemerkte er zu seinem schmerzlichen Erstaunen, daß fiederart durch die Knechtschaft entnervt waren, daß sie das Böse, das Schlimme, ja das Schlimmste sich ruhig von ihren Peinigern gefallen ließen, nti dpi pip ]sm w'x px ’P. „Und er sah sich um nach allen Seiten und nirgendwo war unter den Israeliten ein Mann zu finden, nirgendwo gab es unter ihnen mannhafte Gesinnung, mannhaften Muth, mannhafte Widerstandskraft; ja, noch schlimmer: feiger Verrath verrieth den Peinigern den edlen Helfer -oin jnu px. Dabei hatte der egyptische Götzendienst Eingang bei Israel gefunden, so daß es den Egyptern gegenüber bezeichnet wird als'N Ppp2 'U, als ein Volk, das inmitten eines götzendienerischen Volkes von demselben Wahn war befangen worden. In der Wüste, bei der Anbetung des goldenen Kalbes, zeigte es sich deutlich, wie sehr der egyptische Thierdienst Einfluß gewonnen hatte auf Israel. Und nun sollte mit Israel eine ganze Umwandelung Vorgehen. Da mußte zunächst die Furcht vor den Egyptern schwinden und unbedingtes Vertrauen auf Gottes unendlichen, unaufhörlichen Schutz Platz greifen. Die Israeliten mußten sich; selbst erst geistig von den Egyptern und ihrem Eini fluffe emancipiren, ehe die Emancipation von der egyptischen Knechtschaft stattfinden konnte. Das Lamm war einer der Hauptgötzen Egyptens. Noch mehr als tausend Jahre später, als! Egypten römische Provinz geworden war, waren die Verehrung und Anbetung der Thiere so mächtig, daß, als ein römischer Soldat, einer der Ge-; walthaber und Herrscher, ein Thier tödtete, dieser! vom Volke in Stücke gerissen wurde und ein Aufruhr gegen die römische Herrschaft entstand. Und Gott befiehlt den Israeliten, daß sie vor; den Augen von ganz Egypten die Lämmer neh-; men, sie schlachten und endlich das Blut der ge-! schlachteten Götzen an die Pfosten und die Ober-- schwelle der Hausthüre streichen! Das war eine / mächtige und durchgreifende Emancipation vom! egytischen Götzendienste, das war ein Trotzbieten den Egyptern gegenüber, wie es kaum größer ge- 1 dacht werden kann, das war eine Bewährung des! Mannesmuthes, wie er nur aus dem unerschütter-; lichen Vertrauen aus Gottes allgewaltigen Schutz! zu erwachsen vermag. Ja, noch mehr: um Israels I willen werden die Erstgeborenen der Egypter er-! schlagen, um Israels willen erschallen die Wehklagen in allen Häusern der Egypter, und die Israeliten sollen noch durch das Blutzeichen die Häuser bemerklich machen, in denen sie sich befinden, und! sollen sich nicht fürchten, sollen vielmehr unwandelj bar vertrauen auf Gottes Schutz.! acy anx 1L7X d’püpi bp PNX> OPb Din 'vn j „Und das Blut soll euch sein zum Zeichen auf i den Häusern, in welchen ihr euch befindet." j DP’by ’nriDPi du nx irvxn | „Und wenn Ich dann sehe, daß jede Furcht! vor den Egyptern von euch gewichen und ihr das j bethätigt, indem ihr durch das Blut des geschlachi teten Götzen eure Häuser bezeichnet, dann seid ihr i Meines Schutzes werth und Ich werde über euch! hinwegschreiten, da ich die Erstgeborenen Egyptens! erschlage."! Damit ist die von uns aufgeworfene Frage i beantwortet. Nicht der allgegenwärtige, allwissende; Gott bedurfte jenes Zeichens: mxp' dp^> dipi ''Pv,; für euch soll sein das Blut zum Zeichen, daß ihr durch das Vertrauen auf Gottes Schutz euren Peinigern gegenüber den Mannesmuth wiedergej funden habt.

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