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Der Israelit · 1877-03-14 · Heft 11 (14.3.1877) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 11 (14.3.1877)
Date
1877-03-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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248 „„August,"" rief er, „„das Schicksal kommt Dir zn Hilfe; dieser Fürst LubomirSki.. „Ist er gestorben?" „„Nein, er hat ein Judenmädchen rauben wollen!"" „Was geht daS mich an?" „ „Höre, August, eS geht Dich mehr an. als Du meinst. Ich habe in Deinem Interesse ein wenig spioniren lassen. Die Fürstin ist nicht freiwillig in's Kloster gegangen. Der gute LubomirSki war eifersüchtig geworden, deinethalben; da hat es eine Scene gesetzt; der Cardinal-Primas kam dazu; der hat Frieden gestiftet. Ursula mußte in's Kloster, der Fürst auf seine Güter, vorher aber mußte ec einen schweren Eid schwören, daß er das Judenmädchen, dem er schon früher nachstellte, nicht weiter behellige. Nun hat erden Eid gebrochen. Jetzt Hetzen wir ihm den Cardinal auf den Hals; der Primas selbst muß sich in Rom dafür verwenden, daß der Papst die Ehe löse, und die schöne Ursula wird frei."" i,Du bist ein vollendeter Hofmann, Vitzthum! Aber woher hast Du die Nachricht, daß LubomirSki seinen Eid gebrochen?" „„Im Vorzimmer wartet der Jude Behrend; er will Deine Hilfe anflehen für die vom Fürsten bedrohten Juden. Das Mädchen ist nämlich entflohen, LubomirSki hat ihre ganze Sippschaft einkerkern lassen. Lasse den Juden hereinkommen. Mein hochherziger König wird von allen Schweinefleifchhassern als Beschützer der bedrängten Unschuld gepriesen werden"" „Friedrich, Du bist ein Prachtkerl! Komm', laß Dich umarmen! So, jetzt fahre zumCardinal- Primas und bringe ihm die erbauliche Kunde! Mache Deine Sache gut, Friedrich, und schicke mir den Juden gleich herein!" Der Oberstkammerherr ging. „Behrend," sagte er zu dem wartenden Residenten, „Ihr sollt zum Könige kommen, ich habe dem Herrn schon Alles berichtet. Er wird solche Gewaltthaten in seinem Lande nicht dulden." „„Meinen heißesten Dank, Excellenz. Wenn ich irgendwie dienen kann . . „Nein, nein, Behrend, solange ich Glück im Spiele habe, brauche ich kein Geld zu borgen." Graf Vitzthum war ein leidenschaftlicher Spieler; er spielte Tag und Nacht, aber stets mit ungeheurem Glück und verdankte dem Spiele ein fürstliches Vermögen Rabbi Bärmann ging mit hochklopfendem Herzen in das Kabinet des Königs. „Ah, Herr Resident," sagte dieser, „der Oberstkammerherr hat mir schon erzählt. Berichte Er mir Alles noch einmal ganz ausführlich." Rabbi Bärmann erzählte, was ihm der junge Salomon mitgetheilt hatte. Der König hörte aufmerksam zu. Als der Resident seinen Bericht geendet hatte, ging August an den Schreibtisch und schrieb eine Ordre. ,'Hier," sagte er, „nehme Er diese Ordre und gebe Er sie beim General Grafen Flemming ab; der wird einen Rittmeister mit 150 Mann zu Seiner Verfügung stellen; die sollen sofort nach Bialeh reiten, den Rabbinen, seine Frau und seine Kinder in Freiheit setzen, den Fürsten aber gefangen nehmen und in feinem Schlosse bewachen." „„Majestät, wie kann ich genug danken!"" „Keinen Dank, Behrend! Es ist nur Ge-> rechtigkeit, die ich übe. Ich dulde in meinen Staaten keine Gewaltthätigkeit. Alle meine Unterthanen ohne Unterschied des Standes und des Glaubens sollen meinen königlichen Schutz genießen. Ich schätze mich glücklich. Behrend, ein huldvoller Beschützer der Unschuld sein zu können!" Der König winkte mit der Hand. Rabbi Bärmann ging. Vor dem Palais erwartete ihn sein Wagen, in welchem Asarjah und Salomon saßen. Rabbi Bemann rief dem Kutscher zu: „Zum General Grafen Flemming!" Dann sprang er in den Wagen, umarmte den jungen Salomon und rief: „Danke dem allgütigen Gott! Dein Vater, Deine Mutter, Deine Brüder, Deine Schwester, sie alle sind gerettet; der Fürst aber wird ob seiner Schandthaten zur Verantwortung gezogen." Salomon war keines Wortes mächtig. Er fing an laut zu weinen; aber es waren Freudenthränen. Rabbi Bärmann gab die Ordre des Königs beim Grafen Flemming ab. Eine Stunde später war die Abtheilung Soldaten, der Rittmeister von Crur an der Spitze, unterwegs. Den Reitern folgte ein Reisewagen, in welchem Rabbi Bärmann, Asarjah und Salomon saßen. (Fortsetzung folgt.) Hier-« drei Beilsgen. Verantwortliche Redaetion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben'S Buchdruckerei in Mainz (Mainzer Anzeiger).

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