Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1877-03-14 · Heft 11 (14.3.1877) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 11 (14.3.1877)
Date
1877-03-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447695-2447707--13503-2469373
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

247 so zu helfen, daß sie nicht nach bitterer Enttäuschung sich gezwungen sehen, das Land, auf welches sie alle Hoffnungen gesetzt, als Bettler wieder zu verlassen. — Wie man dem ..Jbri" mittheilt, wird die Einwanderungs-Commission auf eigene Kosten die Zurückbeförderung der Unglücklichen übernehmen. * (Jüd. Press.) Feuilleton. Der Königliche Nesident. (Eine historische Erzählung.) XIII. „Friedrich," sagte König August zu seinem Günstlinge, dem Oberst-Kammerherrn, Grafen Friedrich Vitzthum von Eckstädt, „ich bin der unglücklichste Mensch unter der Sonne." „„Majestät belieben zu scherzen,"" entgegnete der Oberft-Kammerherr. „Wie oft soll ich Dir sagen, daß Du alle Förmlichkeiten bei Seite lässest, wenn wir allein sind! Oder soll ich auch zu Dir Excellenz. Herr Oberst-Kammerherr sagen? Ich rede nicht zu Dir als Dein Herr und König zu seinem Höflinge, ich rede als Freund zu Dir, als Freund züm Freunde, zu Dir, dem Genossen meiner Jugend, dem Begleiter auf allen meinen Reisen, dem treuen Theilnehmer an tausend Abenteuern! Dem treuen Freunde will ich mein Leid klagen. Was helfen mir die Kronen von Polen und Sachsen, wennich Diejenige nicht besitze, die da die Perle beider Länder ist! Gestern war ich als Kapuziner verkleidet im Kloster der Urselinerinnen, wo die schöne Büßerin jetzt weilt. Ich habe sie nicht einmal sehen können. Ich bin sehr, sehr unglücklich, Friedrich." „ „Aber, Majestät . . " „Wenn Du nicht August und Du zu mir sagst, rede ich kein Wort weiter." „„August, mein Herzensbruder, gib den Gedanken an die Lubomirska auf. Ein Streit mit dem Fürsten würde Dich in böse Händel verwickeln; die kaum zertretene französische Partei würde ihr Haupt aufs Neue erheben, der Cardinal* Primas . . „Hör' auf, hör' auf! Habe ich jemals Dich um Rath gefragt, wenn's um Politik sich handelt? Du bist mein treuer Freund und Genosse, aber mein Minister bist Du nicht! Was kümmert mich die französische Partei, wenn ich mich unglücklich fühle." „„Nun, August, es ist das nicht das erste Mal, daß Du Dich unglücklich fühlst, weil Dein leicht entzündbares Herz . . ."" „Nein, diesmal ist es anders! So tief war mein Gefühl noch nie erregt." „„Das meinst Du jedesmal!"" „Du bist unausstehlich, Friedrich! Reife lieber, statt mir Moral zu predigen, zu diesem Lnbormirski auf seine Güter und versprich ihm, was Du willst, wenn er sich freiwillig von seiner Gemahlin trennen wird." „„Und glaubst Du . . August stampfte mit ^em Fuße auf den Boden; dann ergriff er einen silbernen Teller, der auf dem Tische stand, und rollte ihn wie ein Blatt Papier zusammen. Vitzthum unterbrach sich mitten in stiner Rede; er kannte den König gut genug, um zu wissen, daß jedes weitere Wort einen furchtbaren Ausbruch des Zornes veranlassen würde. „Geh", sagte der König, ,,1hu' wie ich Dir befohlen." Vitzthum ging. Im Vorzimmer des Königs traf er Rabbi Bärmann, der hier auf ihn gewartet hatte. „Excellenz," redete dieser ihn an, „ich habe Sie hier erwartet . . ." „„Ich habe keine Zeit, Herr Resident,"" antwortete der Graf, „„ich muß im Aufträge des Königs verreisen. Ha, Ihr wißt ja Alles, wißt Ihr vielleicht, wo die Güter des Fürsten Lubomirski, auf denen er sich jetzt aufhält, liegen?"" „Der Fürst befindet sich auf seinem Gute in Bialeh. Excellenz, gerade wegen dieses Fürsten wollte ich mit Ihnen reden. Derselbe hat sich eine schändliche Gewalttat erlaubt, er hat eine jüdische Braut während der Trauung rauben wollen, er hat * . „Was sagt Ihr? Seid Ihr recht berichtet? Der Fürst Lubömirski hat das gethan?"" „Jawohl, Excellenz, der Fürst Lubömirski! Das Mädchen ist entflohen, und der Fürst bedroht die Eltern und Brüder des Mädchens mit dem Tode!" „„Merkwürdig — der Fürst Lubömirski! Wartet hier ein wenig, Behrend, ich will dem Könige Bericht erstatten."" Er eilte hinein zum Könige; dieser fuhr zornig auf: „Schon wieder hier!" schrie er, mit dem Fuße stampfend. Vitzthum beachtete den Zorn des Königs nicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.