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Der Israelit · 1877-03-14 · Heft 11 (14.3.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 11 (14.3.1877)
Date
1877-03-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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243 Wort ergriff, dann aber mit Entschiedenheit und in schärfster Formulirung für die Verwirklichung der von ihm bekannten demokratischen Principien eintrat. Bei dem Empfange der Deputation, die dem König im November 1848 die Adresse überreichte, worin derselbe um Bildung eines volksthümlichen Ministeriums statt des eben ernannten Brandenburg-Manteuffel'schen ersucht wurde, richtete er an den König die Worte: „Das eben ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen." Im Jahre 1849 ward er wiederum in Berlin in die zweite Kammer gewählt, welche den 26. Februar eröffnet und den 27. April desselben Jahres aufgelöst wurde. Hierauf begab er sich nach Frankfurt am Main, trat hier an der Stelle F. v. Raumer's in die deutsche Reichs-Versammlung, nahm dann am Rumpf- Parlament Theil und fand zuletzt in Genf ein Asyl. Auf die wider ihn auf Hochverrath erhobene Anklage stellte er sich in Königsberg und ward vom Geschwornen-Gericht, 8. December 1849, freigesprochen. Noch in demselben Monat ward er von der westfälischen Stadt Koesfeld zum Abgeordneten für die erste Kammer gewählt, lehnte aber ab und kehrte zu seiner ärztlichen -Praxis und seinen physiologischen Studien zurück. Erft als der Sturz des Ministeriums Manteuffel-Raumer-Westfalen einen Umschwung der preußischen Politik versprach, betrat Jacoby wieder die polit. Bühne, und zwar mit einem Versuch, die völlig aufgelöste demokratische Partei in Preußen zu organisiren und zu erneuter thätiger Theilnahme am Staatsleben im konstitutionell-monarchischen Sinne hinzuleiten. Sein politisches Glaubensbekenntniß legte er in der Schrift dar: „Die Grundsätze der preußischen Demokratie" (Berlin, 1859). Die in Königsberg auf ihn gefallene Wahl zur zweiten Kammer lehnte er ab und trat erst, nachdem er bei den neuen Wahlen Ende Oktober 1863 vom zweiten Berliner Wahl-Bezirk wieder gewählt worden war, in dieselbe ein. Wegen einer im November 1863 im „Colosseum" gehaltenen Rede an seine Wähler, worin er auf Steuer- Verweigerung als das letzte Mittel zur Lösung des obschwebenden Conflicts hingedeutet haben sollte, verlangte die Regierung vom Abgeordnetenhause am 6. December die Genehmigung zur Einleitung einer Untersuchung gegen ihn, die aber verweigert ward, so daß er erst nach dem Schluß der Session in den Anklagestand versetzt werden konnte. Jacoby wurde wegen Majestätsbeleidigung zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt, die er in Königsberg verbüßte. Im Jahre 1866 trat Jacoby bei der Adreß-Debatte am 23. August im Namen der Volkspartei gegen den Sieges-Jnbel der „Regierungs-Partei" ein und verurtheilte den „im Bunde mit einer fremden Macht gegen Deutsche geführten Krieg als einen, der dem preußischen Volke weder zur Ehre, noch dem deutschen Volke zum Heile gereiche." Er stimmte mit 24 anderen Abgeordneten (den Polen und einem Theil der Klerikalen) gegen die Adresse, wie später in der! Sitzung vom 3. September gegen die Indemnität. I Während des Krieges mit Frankreich hatte Jakoby,! der inzwischen aus der Fortschritts-Partei ausgei treten und zur Volkspartei übergetreten war, mit! Eifer gegen jede gewaltsame Annexion französij schen Länder Gebiets protestirt und die Annahme j einer in einem solchen Proteste gipfelnden Reso-! lution auf einer Königsberger Volks-Versammlung! am 14. September 1870 befürwortet. Wegen die-! ser Rede wurde er auf Befehl des Gouverneurs! der Küsten-Provinzen, General Vogel v. Falken-! stein, am 20. September verhaftet, „weil durch! solche Demonstrationen in Deutschland die Fran-! zosen in ihrem Widerstande ermuthigt würden".; Mit anderen Gesinnungsgenossen wurde er in der? Festung Lötzen längere Zeit internnt gehalten, j Bei den allgemeinen Neuwahlen am 16. November 1870 wurde Jacoby von seinen so lange ihm i treu gebliebenen Wählern im zweiten berliner! Landtags-Wahl-Bezirk nicht wiedergewählt. Eine .! auf ihn gefallene Wahl zum deutschen Reichstage J im Wahlkreise Leipzig (Land) lehnte Jacoby ab.! Während seiner letzten Lebensjahre schloß er sich! mehr und mehr der social-demokratischen Richtung! an und ist, abgesehen von seiner Wirksamkeit als j Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung zu! Königsberg, dem öffentlichen Leben fern geblieben, j Im Jahre 1869 hatte der Herausgeber dieser i Blätter das Vergnügen, den weltberühmten Mann! persönlich kennen zu lernen und sich etwa eine Stunde lang mit demselben zu unterhalten. Alle seine Aeußerungen bekundeten, daß sein Herz warm für das Judenthum schlage. Wir wollen noch hervorheben, daß er die armen jüdischen Kranken (und wohl auch die nichtjüdischen) mit der größten Uneigennützigkeit und Hingebung unentgeltlich ärztlich behandelte und noch obendrein unterstützte, Als er im Jahre 1849 wegen Hochverraths angeklagt war und man seine Verurteilung zum Tode befürchtete, begaben sich arme ijüdische Frauen aus eigenem Antriebe nach dem isr. Friedhofe, um auf dieser geweihten Stätte Gott um Errettung des verehrten Mannes anzuflehen. Wir haben bereits oben mitgetheilt, daß! ein freisprechendes Urtheil erfolgte. Johann Jakoby gehörte zu jenen Characteren, welchen selbst der schärfste, politische Gegner, bezwungen von der Idealität und sittlichen Reinheit

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