Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1877)
- Date
- 1877-03-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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242 siegreich. Wenn man einen Blick hinauswirft in das Leben und sieht, wie so mannigfach der Abfall, welche Verheerungen im Laufe der letztverslosseneri Jahrzehnte im religiösen Leben sind angerichtet worden und wie diese Verheerungen noch immer mehr um sich greifen, da entsinket dem ernstmeinenden Juden schier der Muth. Aber mit jedem jungen Jahr erscheint das Peßachfest, ein gottgefandter Bote, unfern Muth, unser Vertrauen'aufs Neue zu beleben; die Natur erwacht aus ihrem Winterschlafe und mit den sonnigen T.gen und mit den sich wiederum belebenden Fluren zieht die Hoffnung auf's Neue ein in unser Herz. Erlösung und Erlösung ist das Losungswort. Es hat schon einmal schlimmer, viel schlimmer gestanden um Israel. Das war damals in Aegypten, als unser Volk zum ewigen Helotenthum verdammt schien; als die Kinder getödtet wurden, die Erwachsenen geknechtet waren; als der egyptische Aberglaube, der egyptische Götzendienst sich auch Israels bemächtigt hatte; als unser Volk die Thora noch nicht besaß, an der es sich heulzutage immer wieder und wieder emporrichten kann; als Israel verurtheilt schien, in hartem Sclav.'udi-'nst, im finstern Wahn zu Grunde zu gehen. Mit einem Male wurde es anders; nach der finstern Nacht ging die Sonne der Erlösung auf; mit starkem Arm befreite der allmächtige Gott Sein Volk und trug es empor zu Sich. Deßhalb na nisnb dix 2"li -im -in >21 onseo XL' xn idsip, in jedem Zeitalter sind wir verpflichtet, uns so zu betrachten, wie wenn wir selbst die Erlösung aus Egypten erlebt hatten. Das unerschütterliche Vertrauen auf Gottes Schutz, auf Gottes Hilfe, auf Gottes Gnade, das wir damals erworben, ist uns geblieben für alle Zeiten, und für dieses dreifache Vertrauen gibt uns unser Fest drei Symbole: nnoi nso ddd, das Peßachopfer, das ungesäuerte Brod und die bitteren Kräuter. Daher Pflegte Rabban Gamaliel zu sagen: lnain H’ XL' x> nos3 onai nvbv iöx xbw r>2 ES ist Pflicht, diese drei Dinge zu nennen, das heißt, nicht blos sie zu genießen, sondern sie auch durch das Wort zu bezeichnen, sie in ihrer geistigen Bedeutung zu erfassen. Wie durch diese drei Dinge das Vertrauen auf Gottes Schutz, auf Gottes Hilfe und aus Gottes Gnade stets wieder und wieder zum Bewußtsein zu bringen ist, das wollen wir in Nachfolgendem darzustellen versuchen. (Fortsetzung folgt.) §r. Johann Jakody. Mainz, 7. März. Der Telegraph bringt uns die betrübende Nachricht, daß Or. Johann Jakoby gestern einer Stein-Operation erlegen. In ihm hat das Judenthum einen treuen Anhänger, unser deutsches Vaterland einen hervorragenden Kämpfer für Freiheit und Recht und die gesammte Menschheit einen Mann von eisernem, unbeugsamen Character, juetum ac tenacem propositi virum, einen gerechten und an seinen Grundsätzen festhaltenden Mann verloren. Dr. Johann Jacoby war am 1. März 1805 in Königsberg geboren, studirte daselbst und in Heidelberg Medicin, brachte dann einige Jahre auf Reisen zu und ließ sich 1830 als praktischer Arzt in seiner Vaterstadt nieder. Noch in demselben Jahre begab er sich nach Polen, um die dort herrschende Cholera kennen zu lernen, kehrte aber, als die Seuche auch in Königsberg ausbrach, dahin zurück. Rücksichtslos in'Bekämpfung wirklich vorhandener oder vermeintlicher Mißbräuche, namentlich auf dem staatlichen und politischen Gebiet, gerieth er zu wiederholten Malen in Conflict mit der Censur. An den Zeitsragen betheiligte er sich mit verschiedenen Brochüren. Größeren Kreisen war er besonders durch seine „Bier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen" (Mannheim 1841) bekannt, die ihm, da er darin scharf und bündig das Berechtigte des Verlangens des preußischen Volks nach einer-Verfassung darlegte, eine Anklage auf Hochverrath, und vom Berliner Criminal-Gericht trotz seiner glänzenden, in Zürich und Winterthur gedruckten' Bertheidigungsrede, Vkrurtheilung zu 2Vzjähriger Festungshaft zuzogen, welches Urtheil aber 1843 vom Ober-Tribunal cassirt ward. In neuen Conflict mit den Behörden brachten ihn feine Schriften: „Das königliche Wort Friedrich Wilhelms Ul.,« eine Mahnung an die Regierung, aus der 18 l5 verheißenen konstitutionellen Verfassung eine Wahrheit zu machen; „Preußen im Jahr 1815", eine Warnung, dem Volke nicht durch rückwärts gehende Maßregeln und eine jede Selbstständigkeit nehmende Beamten-Herrschaft Mißtrauen gegen die Negierung emzuflößen, und „Beschränkung der Redefreiheit" (1846). Im Jahre 1848 warerein sehr thätiges Mitglied der Reform-Partei, betheiligte sich am Parlament und ward in den Fünfziger-Ausschuß gewählt, wie er auch in die am 22. Mai eröffnete preußische National-Versamm« lung eintrat, in welcher er zwar nur selten das