Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1877)
- Date
- 1877-03-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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234 Hauses, was er bis zu seinem Tode, 30. Januar 1877 blieb. Der plötzliche Tod des letzten der drei Brüder Königswarter hat in allen hiesigen Kreisen die schmerzlichste Theilnahme erregt. Frankfurt verliert an ihm in jeder Beziehung einen guten Bürger. Durch zwei große und reich dotirte Wohlthatigkeits-Stiftungen hat derselbe dem Namen der Familie ein bleibendes Denkmal gesetzt. In geschäftlichen Kreisen wird die nunmehr nothwendige Auflösung dieser umfangreichen Firma eine große Lücke hinterlassen. Der Platz wird den Abgang einer so bedeutenden Kapitalmacht in mehr als einer Hinsicht empfinden. Auch die persönlichen Leistungen Jsaac Königswarters werden schwer ersetzt werden können. War derselbe doch lange Zeit in den Verwaltungen der Frankfurter Bank, der Hanauer Eisenbahn, der Oberhessischen Bahn, der Frankfurter Hypothekenbank, der Providentia, des Frankfurter Bankvereins in hervorragender Weise thatig. Wir bemerken noch, daß die Liquidation der Firma eine sehr langsame sein wird, sowie daß Baron Moritz K. in Wien und Lieben- KönigSwarter in Hamburg Procura erhalten haben, um die ganze Abwickelung zu leiten. Der Firma KönigSwarter aber wird der Frankfurter Platz stets ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. (Frkf Ztg.) Hannover. Seitdem daß im Judenthum Reformideen Platz gegriffen haben, war das Bestreben aller Reformer, in jeder Beziehung den Christen nachzuahmen. Wir brauchen hier keine Beispiele anzuführen, da die geehrten Leser wohl wissen werden, wie in manchen jüdischen Gemeinden die Häupter bemüht waren, die Einrichtungen in den Synagogen gleich denen der Kirchen zu treffen. Diesen Reformern kann man wohl mit Recht zurufen: jmnjD) orvtpy onsttf p:piro 2"y v"y). Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin war intolerant genug, eirw Petition von 800 orthodoxen Mitgliedern, in der jener ersucht wurde, sie zu berücksichtigen und wenigstens Einen Rabbinatsassessor von ihren Gesinnungsgenossen anzustellen' ganz zu ignoriren und stellte ihnen zum Trotze drei radikale Prediger an. So verfuhr ein jüdisch-reformirter Vorstand in Berlin, viel toleranter aber ein freisinniger Kirchenvorstand in Osnabrück. Da erachtete man es angemessen, nachdem ein Theil der kirchlich-freisinnigen Mehrheit der Gemeinde den ersten und den zweiten Prediger ihrer Richtung gewählt hatte, den in der Minderheit befindlichen streng gläubiger» Gemeindemitgliedern einen Prediger ihrer Gesinnungsgenossen einzuräumen. Diese Ansicht vertraten der Kirchenvorstand, dessen Mitglieder fämmtlich dem Protestantenberein angehören, die Führer des Protestantenvereins in Bremen und ein Theil des Protestantenvereins in Osnabrück. Hätten die jüdisch-reformirten Leiter der Gemeinden Berlin, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt und noch mehrere ebenso die orthodoxe Minderheit berücksichtigt, so wäre wahrscheinlich das neue Jüdengesetz nicht entstanden und der Friede in der Gemeinde nicht gestört worden. In unserer Gemeinde haben wir G. s. D. keine Ursache, solche Klagen zu führen, im Gegentheil, der religiöse Sinn lebt noch in allen 'Gemeindemitgliedern. Als nämlich in einer Represäntantensitzung der Vorstand über den Chasan Beschwerde führte, daß er den alten Nigon von pOL, geändert und ein Mitglied des Collegiums, das seit Jahren die Synagnge nicht besucht hat und dem auch schon aus dem Gedächtnisse geschwunden ist, wie es da zugeht, glaubte, daß der Chason die Worte des Verses geändert hatte, da wurde sein religiöses Gefühl in ihm rege und er rief mit großem Pathos aus: „Nein, solches dürfen wir nicht zugeben, dies ist noch das Einzige, welches die Juden znsammenhält und wir wollens nicht aufgeben." Er wurde erst dann beruhigt, als der Vorstand ihm erklärte, daß es sich' nicht um die Worte handelt, sondern um den Nigon. In einer Gemeinde, bei deren Nepresäntanten noch solche Gesinnungen herrschen, braucht man um die Zukunft nicht besorgt zu sein!!! Baisingen (Württemberg). Folgender interessante Vorfall verdient der weitesten Oeffentlichkeit übergeben zu werden. In der hiesigen Gemeinde, die circa 60 isr. Familien zählt, war die mpD schon seit mehreren Jahren in einem solch traurigen verwahrlosten Zustande, daß es fast nicht mehr möglich war, dieselbe zu benutzen. Der Vorstand, zum wiederholten Male durch Herrn Jsaac Kahn um Herstellung ersucht, wies die Sache immer ab, als Motive angebend, die cvpv sei gut genug, gar nicht mehr nöthig, da sie ja doch nur von wenigen Frauen benutzt werde, man brauche eine derartige Institution überhaupt nicht mehr, es käme zu lheuer u. drgl. Zur richtigen Charakteristik dieser Motivirung möge besonders in Bezug auf den letzten Punkt erwähnt werden, daß die Herstellung nur einige hundert Gulden kosten sollte, während unsere Gemeinde notorisch die reichste im ganzen Lande ist. Nachdem nun Herr Kahn mit allen Vorstellungen vom Vorstand abgewiesen wurde, wandte er sich beschwerend an das königl. Oberamtsgericht. Dieses ließ die mpo durch einen Techniker prüfen, welcher die Beschwerde des Klägers vollkommen gerechtfertigt fand, und