Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1877)
- Date
- 1877-03-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XVIII. Jahrgang. Zweite Anlage)« Nr. 10 -es Äsraelit. Aeitungsnachrickten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Durch das so frühe Ableben des letzten der Brüder Königswarter, erlischt an unserem Platze eine Firma von so großer Bedeutung, daß es uns als eine Pflicht der Pietät erscheint, auf die Entstehung und Entwicklung dieses Hauses einen kurzen Rückblick zu werfen. Das Haus Marcus Königswarter ist von dem Vater der drei Brüder, deren letzter vor einiger Zeit dahingeschieden ist, im Jahre 1806 mit sehr geringen Mitteln gegründet worden. Marcus Königswarter erfreute sich bald eines geschäftlichen und persönlichen Ansehens umsomehr, da er als Schwiegersohn in die Familie des damals sehr angesehenen Frankfurter Bankiers W. Wertheimer eintrat. Der Genannte hat dann die Geschäfte der Firma bis zu seinem im Jahre 1850 erfolgten Tode ununterbrochen geleitet und so den Glanz seines Hauses noch erlebt. Herbeigeführt wurde derselbe allerdings erst durch seine drei Söhne Jonas, Zacharias und Isaak Königswarter. Die beiden zuletzt Genannten, anfangs Prokuristen des Hauses, wurden später Theilhaber, während Jonas K. nach Wien ging und dort in das 1810 gegründete Geschäft seines Onkels. Moritz Königswarter, dessen Inhaber er im Jahre 1829 würde, eintrat. Als leitende Seele des Wiener Hauses verstand es Jonas K. bald in den dortigen maßgebenden Finanzkreisen Aufnahme zu finden. Auf diese Weise wurde die Firma schon frühzeitig an den großen Geschäften mit der österreichischen Finanzverwaltung interessirt, wobei ihr der wechselseitige Verkehr mit dem Frankfurter Hause selbstverständlich trefflich zu Statten kam. Der Grund zu dem Reichthum des Hauses Königswarter ist auch fast ausschließlich durch diese großen österreichischen Geschäfte gelegt worden, wenngleich es schon damals principiell vermieden wurde, bei Emissionen mit dem Namen der Firma herauszutreten. Für österreichische Fonds waren schon damals Frankfurt und Amsterdam die Hauptplätze. Holland wurde nun bald der Ausgangspunkt eines sehr großen Arbitragegeschäftes der Firma; ein Verwandter der Familie war in Amsterdam etablirt. Ueberhaupt kann man sagen, daß damals kein Banquier am Frankfurter Platze ein nach allen Weltgegenden hin so ausgedehntes Arbitragegeschäft machte, wie gerade Königswarter. Nachdem die Krisis, welche die politischen Umwälzungen deL Jahres 1848 im Gefolge hatten, überstanden war, tritt die Geschichte des Hauses in eine neue Phase. Bereits der Beginn der fünfziger Jahre fand den europäischen Geldmarkt in einer sehr animirten, ja schöpferischen Stimmung, und als nach Beendigung des Krimkriges die Befestigung des napoleonischen Empire, speciell in Frankreich der Thätigkeit der dortigen Haute Finance einen erneuerten Aufschwung verlieh, begann es auf diesem Gebiete auch in Deutschland und Oesterreich lebendiger zu werden. Die Idee der Kapitalsassociationen, wie sie in den Jahren 1855—57 durch die Creirung von großen Bankinstituten (wir erinnern hier nur an die Oesterr. Creditanstalt, die Darmstädter, Meininger und Norddeutsche Bank) zum Ausdruck gelangte, hat dieser Epoche bekanntlich eine große finanzielle Bedeutung gegeben und das Haus Königswarter hat an derselben den lebendigsten Antheil genommen. Mit ihrem Namen freilich ist die Firma auch damals nicht hervorgetreten, aber weder hier noch in Wien, noch in Paris, an welche letzterem Platze ebenfalls ein Verwandter K.'s etablirt war, ist selten ein größeres Geschäft zu Stande gekommen, ohne daß Königswarter und zwar meist hervorragend interessirt gewesen wäre. Hier am Platze war es in jener Zeit namentlich die Gruppe der Mitteldeutschen Kreditbank (Lieben» Königswarter in Hamburg war bekanntlich im Verwaltungsrathe), mit welcher das Haus sich eng liirt hatte. Aus dieser Zeit datirt auch die Weltstellung der Königswarter'schen Firma. Personalveränderungen in derselben beginnen erst im Jahre 1865, wo der einzige Sohn von Zacharias Königswarter, Arthur, nachdem er sich wenige Wochen vorher verheiratet hatte, starb. Im Jahre 1869 erhielt der einzige Sohn von Isaak Königswarter, Enn'l, Prokura und ein Jahr spater trat derselbe als Theilhaber ein, um im December 1871 leider eines frühen Todes zu sterben. In demselben Monate verschied auch der älteste Bruder Jonas in Wien, dem als Leiter des dortigen Geschäfts sein Sohn Moritz, der jetzige Inhaber, folgte. Im April 1872 starb der Chef und Mitinhaber der hiesigen Firma, Zacharias Königswarter, ein Mann. der sowohl wegen seines schlichten Wesens beliebt, als wegen seiner Geschäftstüchtigkeit angesehen war. Seitdem war Isaak K. alleiniger Inhaber de