Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1877)
- Date
- 1877-03-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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224 „„Welcher Fürst?"" „Unser Fürst." „„Wie heißt er?"" ,'Soll er noch anders heißen?" Rabbi Bärmann lächelte. Er wandte sich an die Vorsteher. „Weiß vielleicht einer von den Herren, wie der Fürst heißt, dem Bialeh gehört?" „„Nun, wie wird er heißen?"" fragte Rabbi Wolf, „„er wird Fürst von Bialeh heißen."" „Wie Rabbi Wolf vermuthet, daß er heißt, kann uns nichts nützen." Bei diesen Worten setzte der Resident eine silberne Schelle, die auf dem Tische stand, in Bewegung, ein Diener erschien. „Sage zu Asarjah, ich ließe ihn bitten, hierherzukommen." Nach' wenigen Minuten kam Asarjah. „Erkundige Dich," sagte Rabbi Bärmann, „wie der Fürst heißt, dem das Städtchen Bialeh gehört; und sage mir baldigst Bescheid." Asarjah ging. „Und nun erzähle mir, mein Kind, warum der Fürst von Bialeh die Deinigen hat einkerkern lassen." Salomon erzählte die Ereignisse, so gut er sie wußte. Er berichtete von der so plötzlich gesiörten Trauung, von der Rettung seiner Schwester durch ihren Bräutigam, von der Flucht des Brautpaares, von der Verhaftung seiner Eltern, von der eigenen Flucht. „Und nun," sagte er, „bin ich Tag und Nacht gewandert, um nach Warschau zu kommen, weil man mir sagte, daß Ihr, Herr Resident, der einzige seid, welcher helfen kann, und daß Ihr ein Zaddik tomim (vollkommener Frommer) seid, der auch wird helfen wollen. Ich habe mir kaum Zeit genommen zu schlafen, zu essen und zu beten; jetzt -in ich hier und flehe Euch an, helft, helft meinem unglücklichen Vater, meiner armen Mutter, meinen jungen Brüdern und meiner verfolgten Schwester!" Salomon wollte sich wieder dem Residenten zu Füßen stürzen; dieser hielt ihn davon zurück. „Laß das, mein Kind," sagte er, „es bedarf dessen nicht. B enn ich helfen kann, so werde ich's unter göttlichem Beistände thun. Ich werde mich an den König wenden und dessen Schutz erbitten." „ „O, Ihr seid in der That ein Engel Gottes V " Asarjah trat ins Zimmer, um den gewünschten Bericht zu erstatten. „Der Grundherr des Städtchens Bialeh," sagte er, „ist der Fürst von Lubomirski, der Gemahl der Nichte des Cardinals von Gnesen, der da ist der Primas des Reichs." Rabbi Bärmann erschrack. „Gott soll meschammer und mazzilzsein/^) rief er, „das ist eine schlimme Geschichte. Der Fürst ist eines der Häupter der französischen Partei, mit welcher der König erst kürzlich und nach vielen Mühen Frieden geschlossen. Schwerlich wird er wegen einiger Jehudim auf's Neue die Partei erzürnen wollen, die er sich geneigt zu halten alle Ursache hat. Ich fürchte, da wird nichts zu machen I sein." Als Rabbi Bärmann so sprach, brach Salomon in ein herzzerreißendes Schluchzen aus. „Beruhige Dich, mein Kind," tröstete ihn Rabbi Bärmann, „ich will dennoch nichts unversucht lassen, wenn auch sehr geringe Aussicht auf Erfolg ist. Ein König hat in diesem Lande nicht viel zu befehlen, und die Großen des Reichs sind mächtiger als er. Aber trotzdem .... August ist mir gewogen und mit seinen vertrauten Rathgebern bin ich befreundet; ich werde mich an den Oberstkammerherrn, den Grafen von Vitzthum, wenden." „ „Und wäre es nicht gerathener, gleich mit dem Könige selber zu reden?"" fragte Rabbi Jsserle. „„Ein Mann, wie Ihr, der so hoch angesehen ist!"" „Nicht doch — es ist immer besser, sich an die Umgebung zu wenden. Selbst Joseph, der Herrscher des Landes, hielt es für gerathener, seine Bitte der Umgebung des Königs vorzutragen, wie es heißt: Und er sprach zum Hausej Pharao's: wenn ich Gunst gefunden in Euren Augen, so redet doch vor den Ohren Pharaos. Wenn' eS sich um eine so wichtige Sache handelt, dann muß man sich hüten, etwas verkehrt zu machen." „„Göttliche Weisheit ist in Euch! Gebe Gott, Daß Euer Vorhaben gelinge!"" sagte Rabbi Wolf. „Amen!" rief Rabbi Jsserle. „Und Du, Salomon, komm' mit mir in mein Haus und erhole Dich von Deiner schweren Reise." Die Männer verabschiedeten sich und nahmen den Jüngling mit sich. (Fortsetzung folgt.) 3) Gott mag behüten und erretten. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckern (Mainzer Anzeiger).