Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 18 (1877)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1877)
- Date
- 1877-03-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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221 Rumänien. Bukarest, 20. Febr. Die wiederholt aufgetauchten Gerüchte über eine drohende Juden-Verfolgung stehen in innigem Conncx mit unseren leidigen Partei-Verhältnissen. Anfangs dieses Monats glaubte die hiesige Juden-Gemeinde Grund zur Besorgniß zu haben, daß ein Angriff auf ihre Synagoge' geplant werde. Die Demonstration sollte aber nicht eigentlich gegen die Juden gerichtet sein, sondern einen politischen Character haben. Man beabsichtigte nämlich, durch einen Angriff auf die Synagoge eine allgemeine Straßen-Emeute zu provociren, um die Regierung zu stürzen. Der hiesigen Präfectur sollen gleichfalls Andeutungen zugekommen sein, daß die Conservativen eine Straßen-Scene vorbereiteten, um den Fürsten einzuschüchtern und zum Cabinetswechsel zu bewegen In der That wurde die ganze Gendarmerie in den Kasernen consignirt, und die Polizeiposten im jüdischen Stadtviertel verstärkt. Die Ruhe wurde aber nicht gestört. Nur einige Vorübergehende warfen während des Gottesdienstes Steine in die Synagoge, sonst fiel nichts vor. Mit dem geplanten Putsch mag es seine Richtigkeit gehabt haben; denn nachträglich erfährt man doch, daß ein gewisser Murat an der Spitze von 200 bezahlten Tumultuanten eine Straßen-Emeute hätte insceniren sollen. Es scheint jedoch, daß derselbe nickt die nöthigen Leute zusammenbringen konnte. Murat gehört der conservativen Partei an, war vor längerer Zeit Präfect von Giurgemo und Bukarest und genießt nicht gerade des besten Rufes. Freilich gibt es auch Personen, welche die geplante Demonstration eher den Rothen oder der Partei John Ghika in die Schuhe zu schieben geneigt sind. Jedenfalls ist der Plan mißlungen. ' ' (Polit. Corr.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 19. Febr. Beim Vorstande der „Israelitischen Allianz" in Wien sind bis jetzt für die nothleidenden iörael. Familien in Rumänien 4302 fl. und 3000 Reichsmark eingegangen. Wien. Auf dem israelitischen Friedhof wurde dieser Tage der erste Proselyt beerdigt. Derselbe, Namens Isaak Franz Endtresser, war vor 5 Jahren, 31 Jahre alt, zum Judenthum übergetreten und war religiös im wahren Sinne des Wortes. Dies zeigte sich auch bei seinem Ableben, denn kaum eine halbe Stunde vor seinem Tode ließ er Leute herbeirufen, sagte Widduj und nach Wiederholung des Schma schlief er sanft ein. (W. Jsr.) Freistadtl Am 23. v. M. starb dahier der durch seine hervorragende Stellung beim jüdischen Congreß zu Pesth im Jahre 1868—69 im Jn- und Auslande allgemein bekannte Emanuel Eisler. Ich will seine Verdienste, die er sich damals um die orthodoxen Juden Ungarns und Siebenbürgens erworben, nicht hervorheben, sie sind zur Genüge bekannt. Wer kennt nicht seine Offenheit, mit der er in seinen Reden bei genanntem Congreß den Neologen entgegengetreten? Wo es galt, unsere heiligen Gesetze zu vertreten, war ihm kein Opfer zu groß, selbst wenn es seine Gesundheit gefährdete. Acht Jahre lang stand er an der Spitze der orthodoxen Gemeinde zu Freistadtl. Er ging bei jedem humanen Zweck als leuchtendes Beispiel seine» Gemeindemitgliedern voraus und stellte an den Schulen, die er ins Leben rief, tüchtige Lehrer an. Der Verstorbene war ein wahrhafter Vater der Armen und Waisen. Die Ehre, die man diesem großen Manne bei seinem Leben erwies, zeigte sich auch bei seinem Begräbnisse, es strömten zu demselben von allen Weltrichtungen Leute in großer Zahl herbei. Auch die Durchführungscommission zu Budapesth, von welcher der Verblichene ein Mitglied war. schickte eine Deputation. Von mehreren Rabbinen wurden dhsdh abgehalten, die auf alle Anwesenden einen tieferschütternden Eindruck hervorriefen. Möge sich in Freistadtl baldigst ein Mann finden, der das Werk dieses edlen und hochgesinnten Mannes in seinem Sinne fortführe. n"2"3"j“n. Wien. Dem Jahres-Bericht der Wiener öffentlichen iSrael. VereinS-Volks-Schule „Talmud- Thora" (erste isr. Armenschule) von November 1875 bis Ende December 1876 entnehmen wir: Die Vereinsschule wurde in das vom Vereinsvorstande angckaufte Haus verlegt. Das Haus wurde zu Schulzwecken adaptirt, es wurde dem Bedürfnisse unserer Volksschule und dem Staatsgesetze durch Einführung des Turnunterrichtes in sämmtlichen Classen und Anschaffung von Lehrmitteln u. s. w. im weitesten Sinne Rechnung getragen. Es wird wohl unseren geehrten Mitgliedern bekannt sein, daß unser Schulverein der ärmste Verein der hiesigen Gemeinde ist; wenn nun der Vorstand trotzdem daran ging, für den Verein ein Schulhaus zu erwerben, so lag ihm nur die Absicht zu Grunde, das Budget um den entsprechenden Miethzins zu entlasten, dem Verein eine reelle Grundlage zu seinem Bestände zu geben und hauptsächlich das Schulhaus den modernen Erfordernissen gemäß einzurichten, was im Wege der Miethe nie und nimmer möglich gewesen wäre. Das vor Augen gehabte Ziel ist vollständig erreicht. Wenn wir leider nicht das Glück hatten, durch