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Der Israelit · 1877-03-07 · Heft 10 (7.3.1877) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
18 (1877)
Issue
Heft 10 (7.3.1877)
Date
1877-03-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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219 amt so bemerkenswerther, als es für uns sehr besorgnißerregend ist. — Im Oktober vorigen Jahres wurde nämlich der Handelsmann Moses Moses 11. aus Rapperhausen bei Ziegenhain auf seinem Felde von dem frühern Besitzer desselben, der ihm jetzt dasselbe bestellte, mit einem Mist- Haken dergestalt auf den Kopf geschlagen, daß der Tod unmittelbar darauf eintrat. In diesen Tagen fand die gerichtliche Verhandlung zu Marburg statt, bei der der Staatsanwalt nur sechs Monate Gefättgttitz beantragte, wozu der Gerichtshof auch verurlheilte. — So besorgnißerregend ist aber dieser Ausgang, daß schon verschieden geäußert wurde, einen Juden zu erschlagen, kostet setzt nur 6 Monate Gefängniß. — Die Zeiten sind nicht so rosig, als man in den meisten Kreisen sich vorstellt. Nicht umsonst konnte sich erst neulich wieder eine Judenhetze, und zwar in Spangenberg, ins Werk setzen, wo wie er einmal das alte Mährchen von dem Chriftenblut aufgetischt wurde. — Ich weiß im Augenblicke nicht., ob es schon im „Israelit" mitgetheilt wurde, darum will ich es noch einmal erwähnen. Bei einem dortigen Israeliten diente ein Christenmädch.n. Vor etwa V(z Monaten verschwand nun das Mädchen plötzlich, ohne daß sich Jemand vorstellen konnte, wie und wohin? Aber bei den Eltern des Mädchens und bei den Christen überhaupt — da hieß es gleich: „Die Juden haben es ermordet; sie müssen Chriftenblut haben." Das Haus des Israeliten wurde nun — selbst von Gerichtswegen — von oben bis untn nach dem Mädchen durchsucht. Trotzdem man nun nichts vorfand, beruhigte sich die Bevölkerung nicht, und es kam auch zu manchen Ausschreitungen, ja sogar zu istolenschüssen soll es gekommen sein, bis ein ries von dem Mädchen ankam. welches seinen Eltern mittheilte, daß es mit einem Eisenbahnarbeiter durchgegangen sei. Wenn man dieses Ereigniß auch einestheils belächeln muß, so hat es doch auch seine sehr ernsten Seiten, und mahnt uns Israeliten, auf unserer Hut zu sein; denn wenn einmal eine rm:i eintritt, so können die Juden nicht läugnen, viel zu ihrem Unglücke selbst beigetragen zu haben. Bekannt ist ja,'daß gerade ihnen bei jeder Gelegenheit der Vorwurf gemacht wird, sie treiben unreelle Geschäfte und stürzen damit die Christen ins tiefste Elend. So soll auch der zu Rapperhausen erschlagene Moses sich sein Unglück selbst bereitet haben und darum diese geringe Strafe eingetreten sein, indem der Gerichtshof annahm, der Mörder sei durch seine gänzliche Verarmung, die der Ermordete verschuldet, zu der That gereizt worden. — Daher ist es heilige Pflicht, von derartigen Geschäften abzumahnen, ehe es — Gott behüte — zu spät ist. Düsseldorf. Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Wedell, erlaubte einem Vater, die n^o an seinem neugcbornen Söhnchen erst am zwölften Tage vollziehen zu lassen. Und was meinst Du, lieber Leser, was der Grund zu dieser Erlaubniß war? Höre und staune! Der betreffende Vater hatte erklärt, daß seine Anwesenheit bei der von ihm engagirten Conzertgesellschaft, welche am Freitag Abend auswärts zu spielen hatte, unbedingt nothwendig sei und er vor Dienstag Abend nicht zu Hause sein könne. (Die n^p nns hätte gesetzmäßig am Samstag stattfinden müssen.) Was ein Reformrabbiner nicht alles erlaubt!! Graudenz. Dem aus der hiesigen Synagogengemcinde ausgetretenen Herrn Moritz Hirschberg, Schwiegervater des Herrn Caspar Lachmann in Berlin, hatte der Cultusvorstand das Betreten des hiesigen isr. Friedhofes verboten. Herr H. trat deßwegen klagend gegen den Vorstand auf. In mehreren Instanzen mit seiner Klage zurückgewiesen , erachtete das Bezirksverwaltungs-Gericht zu Marienwerder die Klage des Herrn Hirschberg für begründet und hat den verklagten Synagogen- Vorstand zu Graudenz kostenpflichtig verurtheilt, dem Kläger den Zutritt zu dem jüdischen Friedhofe. zu gestatten. Diese Entscheidung des Bezirksverwaltungs- Gerichts zu M. ist für die aus einer ^ynagogen- Gemeinde Ausgetretenen von großer Wichtigkeit. Aus Westphalen. In Seche: „Lebensmittelverfälschung". schreibt der „Westphäl Merkur", haben die Gebrüder Stollwerck (kaiserliche Hof- Chocoladen-Fabrik) zu Köln, sich veranlaßt gesunden, eine Anzahl Präparate, welche unter dem Namen „Chocolade" verkauft werden, analysiren zu lassen. Die Herren Or. Bohl in Köln und Apotheker Heinz in Duisburg, zwei anerkannte chemische Autoritäten und declarirte Feinde der Lebensmittleverfälschung unterzogen sich dieser Arbeit. Die Resultate waren unglaublich; von 17 Analysen ergaben neun das vollständige Fehlen von Cacao; und gemahlene Cacaoschalen und Keime, Rindertalg. ordinäres gebranntes Mehl und schlechter ZuÄer bildeten die Beftandtheile der sog. Block-, Suppen und Bruchchocoladen. In 2 Fällen hatte außerdem Zusatz von 5 resp. 10 pCt. Schwerspath stattgefunden, abgesehen von der Beimischung vegetabilischer Farben. Die Analysen von zwei

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